Pfiffe bei spanischer Nationalelf Piqué bepöbelt - Training abgebrochen

Nach massiven Anfeindungen gegen den Katalanen Gerard Piqué hat Spaniens Nationalmannschaft ein öffentliches Training abgebrochen. Der Coach stellte sich hinter seinen Spieler.

Thiago Alcántara, Gerard Piqu, Rodrigo Moreno (02.10.17)
REUTERS

Thiago Alcántara, Gerard Piqu, Rodrigo Moreno (02.10.17)


Gerard Piqué ist beim Training mit Spaniens Fußball-Nationalmannschaft von Fans der "Furia Roja" attackiert worden. Während der öffentlichen Übungseinheit des Teams von Nationaltrainer Julen Lopetegui griffen Anhänger den bei Pokalsieger FC Barcelona spielenden Kapitän des Auswahlteams mit Pfiffen, verbalen Beleidigungen und Plakaten mit Aufschriften wie "Pique - hau ab!" massiv an. Nach nur 23 Minuten beendete der spanische Trainer schließlich die Übungseinheit.

Lopetegui verteidigte seinen Spieler gegen die Kritik. Sein Verhalten bei der spanischen Nationalmannschaft sei hervorragend, und auch der Rest des Kaders habe die volle Unterstützung für Piqué geäußert. Man konzentriere sich ganz auf die abschließenden zwei Qualifikationsspiele.

Piqué hatte nach dem Referendum in Katalonien in einem sehr emotionalen Statement Kritik an der teilweise aggressiven Vorgehensweise der Polizei zur Verhinderung von Stimmabgaben geübt.

Vor dem Hintergrund der politisch eskalierten Situation in der Katalonien-Frage hatte der 30-Jährige außerdem seine Bereitschaft bestätigt, im Falle zu großer Widerstände gegen seine weitere Zugehörigkeit zur spanischen Nationalmannschaft "ohne Probleme" noch vor der WM-Endrunde 2018 in Russland zurückzutreten.

Reuters

Wegen seines Einsatzes für das Recht der Bevölkerung in seiner Heimatregion Katalonien auf eine Abstimmung über die Unabhängigkeit von Spanien ist Piqué bereits seit längerer Zeit für Anhänger der spanischen Elf ein Feindbild. Auch bei früheren Einsätzen im spanischen Trikot ist der Welt- und Europameister schon mehrfach ausgepfiffen worden.

Piqués Abschied aus dem Nationalteam, das am Freitag in Alicante gegen Albanien und drei Tage später in Israel seine letzten beiden WM-Qualifikationsspiele bestreitet, wäre für die Südeuropäer vor der WM eine erhebliche Schwächung. Der Verband hat sich bislang noch nicht zu dieser Situation geäußert.

chh/sid



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OhMyGosh 03.10.2017
1. Piqué
ist nicht nur ein grandioser Fußballer, sondern auch ein politischer Mensch, der zu seinen Ansichten steht. Wenn Nicht-Katalanen meinen, ihn anpöbeln zu müssen, zeigen sie damit, dass sie genau so undemokratisch sind wie die spanische Regierung. Werde diesen Hornochsen mal einen Satz Schriften von Rosa Luxemburg zukommen lassen. "Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei – mögen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden. Nicht wegen des Fanatismus der »Gerechtigkeit«, sondern weil all das Belebende, Heilsame und Reinigende der politischen Freiheit an diesem Wesen hängt und seine Wirkung versagt, wenn die »Freiheit« zum Privilegium wird." – Die russische Revolution. Eine kritische Würdigung, Berlin 1922 S. 109; Rosa Luxemburg – Gesammelte Werke Band 4, S. 359, Anmerkung 3 Dietz Verlag Berlin (Ost), 1983
Bosse 03.10.2017
2. @OhMyGosh
Sehr guter Kommentar! Vielen Dank, das trifft es genau. Durch solche Aktionen führen die spanischen "Fans" eine Abspaltung herbei. Andersdenkende werden ausgebuht, ausgepfiffen und später dann unterdrückt und verfolgt. Leider ist das in einem nach wie vor zentralistisch und oft noch postfaschistisch geprägtem Land Normalität. An die großen Erfolge der Furia Roja werden sie nicht mehr anknüpfen können. Diese sind geglückt, als es zu einer Verständigung zwischen Spaniern und Katalanen um Nationalteam kam durch die hervorragende Arbeit von Xavi und Casillas.
maniaci 03.10.2017
3. Genau! OMFG!
Piquét ist ein Voll..., der wie andere Sportler seine Prominenz für politische Zwecke einsetzt. Die Katalanen werden schon seit Jahren aufgehetzt von skrupellosen Amateurpolitikern, und da machen wir bei oftmals noch fanatischeren Fußballfans weiter, oder wie? Der Polizeieinsatz der span. Zentralregierung war absolut übertrieben, keine Frage. Aber zum wievielten Mal muß eigentlich betont werden, daß der Staat die verdammte Pflicht hat, die Gesetze zu wahren und Unrecht nicht zuzulassen. Die katalanischen Separatisten stecken bis zum Hals in dubiosen Machenschaften mit Vetternwirtschaft etc. und wollen jetzt halt noch mehr, indem man einfach einen eigenen Staat ausrufen. Geht's noch? Die span. Regierung täte gut daran, diese Heißsporne abzusetzen und zumindest übergansweise die Region von Madrid aus zu verwalten, bis wieder Ruhe eingekehrt ist. In Schottland hat das auch prima funktioniert. Danach war Ruhe, und wie wir alle gesehen haben, ist das (dort explizit erlaubte!) Referendum für eine Abspaltung in die Hose gegangen, da sich letztlich die Vernunft mehrheitlich durchgesetzt hat.
pascal3er2 03.10.2017
4. Pique ein guter Mann
Sehr mutig, ich lobe Fussball selten, aber das finde ich großartig wie er sich verhält. Karriere und Titel sind eben nicht alles. Fussball ist unwichtig wenn eine verbrecherische Regierung auf friedliche Menschen einschlagen lässt. Rahjoy gehört angezeigt und ins Gefängniss.
voiceecho 03.10.2017
5. Rajoy muss weg!
Piqué sagt seine Meinung und er hat das volle Recht dazu, ihn als Feind zu sehen, zeugt von der aktuellen sehr aggressiven Stimmung, die MP Rajoy sehr stark gefördert hat. Die Bilder aus Katalonien, die gestern um die Welt gingen, sind für Spanien und die Regierung sehr beschämend und ein Armutszeugnis für die Demokratie. Die Katalanen haben das Recht abzustimmen, ob das Ergebnis akzeptiert wird, steht auf einem anderen Blatt. Die Wahlen zu verbieten, ist ein eklatanter Verstoß gegen das von der UNO garantierte Recht auf Selbstbestimmung! Spanien steuert auf sehr schwere Zeit, Rajoy wird’s nicht überleben.
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