Ex-DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder ist tot

Der deutsche Fußball trauert um Gerhard Mayer-Vorfelder. Der einstige DFB-Präsident ist im Alter von 82 Jahren in Stuttgart gestorben.


Der ehemalige Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Gerhard Mayer-Vorfelder, ist am Montag in Stuttgart im Alter von 82 Jahren gestorben. Dies bestätigte der DFB am Dienstagvormittag. MV, langjähriger Präsident des Bundesligisten VfB Stuttgart und DFB-Ligaausschuss-Vorsitzender, hinterlässt Ehefrau Margit und vier Kinder.

"Im Namen des DFB und auch ganz persönlich möchte ich seiner Frau Margit sowie seiner gesamten Familie mein tiefes Beileid aussprechen", sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach in einer DFB-Pressemitteilung: "Mit Gerhard Mayer-Vorfelder geht eine prägende Figur des deutschen Fußballs. Ich habe ihn in all den Jahren immer als gradlinigen, entschlossenen und kompetenten Menschen kennengelernt, der sich mit viel Engagement für den Sport eingesetzt hat und dabei immer die Bedürfnisse der Spieler im Blick hatte."

Mayer-Vorfelder wurde am 3. März 1933 in Mannheim geboren. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften in Freiburg und Heidelberg ging er 1959 als Regierungsrat nach Nürtingen. Nach seinem Wechsel ins Innenministerium startete der ehrgeizige Jurist als persönlicher Referent des damaligen Ressortchefs und späteren Ministerpräsidenten Hans Filbinger seine politische Laufbahn, die ihn bis ins Amt des zunächst Kultus- und danach Finanzministers Baden-Württembergs führte.

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Mehrere Spitzenpositionen folgten. Nicht selten musste sich MV mit dem Vorwurf auseinandersetzen, seine Geschäfte nach Gutsherrenart zu führen. 1975 trat er an die Spitze des VfB Stuttgart - und blieb ein Vierteljahrhundert der Vereinsboss.

"Ohne ihn würde es den Verein gar nicht mehr geben", sagte der ehemalige VfB-Trainer Jürgen Sundermann einmal über den Präsidenten, der sich in den vergangenen Jahren merklich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte.

Bei seinem Abgang vom VfB im Jahr 2000 hinterließ Mayer-Vorfelder einen Schuldenberg in Millionenhöhe. "Man konnte bei allen Ämtern, die er ausgefüllt hat, immer spüren, dass sein Herz für den VfB schlägt", bescheinigte ihm der aktuelle DFB-Chef Niersbach. MV sei ein Mann von Welt gewesen, der "immer Stuttgarter geblieben ist".

Mayer-Vorfelder war auch für Joachim Löw eine entscheidende Person, schließlich verschaffte er dem heutigen Bundestrainer beim VfB 1996 den ersten Posten als Chefcoach.

Sein "Lebensziel" hatte der Vater von vier Kindern nach eigenen Angaben mit der Ausrichtung der WM 2006 im eigenen Land erreicht. Das Spiel um Platz drei gewann die DFB-Auswahl damals gegen Portugal ausgerechnet in Stuttgart. "Das war das Highlight in meinem Leben", erinnerte sich MV an das WM-Sommermärchen.

aha/dpa/sid



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exHotelmanager 18.08.2015
1.
Bemerkenswert, dass sein Wirken als langjähriger Kultusminister in Baden-Württemberg in diesem nachruf keine Erwähnung findet. Ist Fußball soviel wichtiger als Bildung, Erziehung und Kultur?
ergo-oetken 18.08.2015
2. Da kann ja jetzt sein Leben aufgearbeitet werden!
So vollständig wie möglich.
hartmannulrich 18.08.2015
3. Interessant
Der Verstorbene war Landtagsabgeordneter, Kultusminister, Finanzminister, hatte einflußreiche Parteiämter - aber was zählt, ist anscheinend nur seine Tätigkeit als Fußballfunktionär (die er übrigens bis 2001 "neben" seinen politischen Ämtern ausübte, was bei einem "normalen" Beruf kaum möglich gewesen wäre). Die Verfußballung unserer Kultur schreitet fort.
tkedm 18.08.2015
4.
Es hätte über seine Aktivitäten beim VfB und DFB viel zu diskutieren und kritisieren gegeben - leider war die Kritik vor allem während der DFB-Zeit meist nur noch persönlich und unter der Gürtellinie. Mein Beileid gehört seiner Familie. @SPON: Bin ich blind oder steht im Artikel noch nicht einmal die Dauer seiner Amtszeit als DFB-Präsident?
troy_mcclure 18.08.2015
5. Berechtigte Frage
Zitat von exHotelmanagerBemerkenswert, dass sein Wirken als langjähriger Kultusminister in Baden-Württemberg in diesem nachruf keine Erwähnung findet. Ist Fußball soviel wichtiger als Bildung, Erziehung und Kultur?
Allerdings ist er nun einmal durch sein Wirken als DFB-Präsident bekannt geworden, als Bildungsminister ist er nicht so in Erscheinung getreten.
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