EU-Gerichtshof Steaua haftet für Schwulenhass des Besitzers

Der Besitzer des Fußballclubs Steaua Bukarest will "keine homosexuellen Spieler dulden" - das fällt nach einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs auch auf den Verein zurück. Steaua könne nicht so tun, als seien dies lediglich private Äußerungen des Eigentümers, so die Richter.

Steaua-Besitzer Becali: Nie einen schwulen Fußballer dulden
ASSOCIATED PRESS

Steaua-Besitzer Becali: Nie einen schwulen Fußballer dulden


Hamburg - Der rumänische Fußball-Rekordmeister Steaua Bukarest kann nicht so tun, als ob er mit schwulenfeindlichen Äußerungen seines Besitzers nichts zu tun habe. Dies hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) am Donnerstag in Luxemburg entschieden. Steaua-Chef George "Gigi" Becali hatte in einem Interview erklärt, er würde niemals einen homosexuellen Spieler bei seinem Verein dulden.

Nach einer Beschwerde argumentierte Steaua Bukarest, Becali sei rechtlich gar nicht für Einstellungen zuständig. Der Verein könne also nicht gegen die Anti-Diskriminierungs-Richtlinie der EU verstoßen haben. Die höchsten EU-Richter widersprachen: Die Tatsache, dass der Verein sich von den Äußerungen seines "Patrons" nicht distanziert hatte, sei durchaus zu berücksichtigen. Der Verein müsse auch beweisen können, dass die sexuelle Orientierung für die Einstellung keine Rolle spiele.

Steaua Bukarest war von einer Organisation zum Schutz der Rechte von Homosexuellen verklagt worden. Der rumänische "Nationale Rat für die Bekämpfung der Diskriminierung" war der Argumentation des Vereins gefolgt: Steaua-Mehrheitsaktionär Becali sei nicht der Arbeitgeber, weshalb der Verein nicht gegen die Richtlinie verstoßen habe. Becali wurde wegen einer "Belästigung" verwarnt. Diese Argumentation wiesen die höchsten EU-Richter zurück.

"Er könnte der größte Tyrann und Säufer sein"

"In meiner Familie hat ein Schwuler nichts verloren, Steaua ist meine Familie. Besser als mit einem Schwulen spielen wir mit einem Nachwuchsspieler. Das ist keine Diskriminierung", hatte Becali gesagt. Und: "Er könnte der größte Tyrann und der größte Säufer sein ... aber wenn er homosexuell ist, möchte ich nichts mehr von ihm hören." Er habe als "Patron" von Steaua das Recht, zusammenzuarbeiten mit wem er wolle.

Der EuGH urteilte, ein Verein als Arbeitgeber könne die Vermutung, er betreibe eine diskriminierende Einstellungspolitik nicht alleine mit dem Hinweis widerlegen, die Äußerungen stammten von einer Person, die "nicht rechtlich befugt sei, ihn bei Einstellungen zu binden". Die Tatsache, dass der Arbeitgeber sich nicht deutlich von den Äußerungen einer offensichtlich wichtigen Person im Management des Vereins distanziere, könne durchaus wichtig für die Beurteilung der Einstellungspolitik sein.

Die Richtlinie verlange dem Verein auch keine Beweise ab, die nicht zu erbringen seien. Der Anschein einer Diskriminierung könne "mit einem Bündel übereinstimmender Indizien widerlegt werden". Der Verein müsse keineswegs beweisen, dass er schon homosexuelle Spieler beschäftigt habe. Indizien für die Nichtdiskriminierung könnten eine "klare Distanzierung von diskriminierenden öffentlichen Äußerungen" oder "ausdrückliche Bestimmungen" in der Einstellungspolitik sein.

Erst im Februar war Becali zu drei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden, weil seine Leibwächter die Diebe seiner Luxuslimousine stundenlang im Kofferraum des wiederentdeckten Autos gefangen gehalten hatten. Ein Verfahren gegen ihn und sieben andere Fußball-Funktionäre wegen Betrugs im Zusammenhang mit Spielertransfers ist noch anhängig.

2008 hatte Becali einem anderen Verein 1,7 Millionen Euro geboten, damit dieser ein wichtiges Spiel verliere. Von Juli 2009 bis Dezember 2012 war er für eine nationalistische Partei Abgeordneter im Europaparlament. Damals hatte er wissen lassen, er werde für die Reisen zwischen Bukarest und Straßburg den Privatjet nutzen, weil er ungern auf Flughäfen herumstehe.

aha/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 8 Beiträge
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BlogBlab 25.04.2013
1. Scum
"Er könnte der größte Tyrann und der größte Säufer sein ... aber wenn er homosexuell ist, möchte ich nichts mehr von ihm hören." Diese Einstellung passt ja zum Fussball-Milieu. Die Hooligans sind ja typischerweise Säufer und benehmen sich brutal und aggressiv wie Tyrannen. Im Golf, Tennis, Reitsport und anderen "edlen" Sportarten kommt so etwas zum Glück nicht vor.
maipiu 25.04.2013
2. Er habe als
Okay, dann aber nicht in der EU. Wir haben andere Werte.
testthewest 25.04.2013
3.
Zitat von maipiuOkay, dann aber nicht in der EU. Wir haben andere Werte.
Richtig. So wie es hunderttausende Franzosen derzeit auf ihren Protestzügen beweisen... So wie es unsere Religionsgemeinschaften in Europa predigen... Wir sind da gaaaaanz anders als der Rumäne...wir sind was Besseres!
jeykey2000 25.04.2013
4. Wer braucht die Rumänen?
Es ist schon bezeichnend mit welchen mafiösen Machenschaften die vorgehen. Wer braucht die eigentlich überhaupt? Rumänien ist ein Land der Mafia bis in höchste Kreise und es ist falsch denen die Grenzen zur EU und anderen Veranstaltungen zu öffnen.
demophon 25.04.2013
5. Diskriminierungsverbot
Es ist in der EU nun einmal verboten, Menschen aufgrund ihrer Rasse, Religion, Geschlecht oder sexuellen Orientierung zu diskriminieren. Die es dennoch tun möchten, können ja gerne nach Saudi-Arabien o. ä. auswandern.
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