Gerichtsstreit: DFB-Boss Zwanziger erwägt Rücktritt

Der Chef ist gereizt: Theo Zwanziger könnte als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes zurücktreten, wenn er im Rechtsstreit gegen den Journalisten Jens Weinreich unterliegt. Er werde seine "persönliche Ehre nicht auf dem Altar des Amtes" opfern, sagte Zwanziger.

Hamburg - Theo Zwanziger erwägt im Fall einer juristischen Niederlage im Rechtsstreit gegen den freien Journalisten Jens Weinreich einen Rücktritt als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). "Wenn das verfassungsrechtlich zulässig ist, werde ich sehr ernsthaft erwägen, ob ich dieses Amt weiterführe", sagte der 63-Jährige am Montag am Rande einer Pressekonferenz des DFB.

DFB-Boss Zwanziger: Rücktritt bei verlorenem Prozess?
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DFB-Boss Zwanziger: Rücktritt bei verlorenem Prozess?

Der DFB hatte Ende November angekündigt, Klage gegen Weinreich einreichen zu wollen. Weinreich, der auch für SPIEGEL ONLINE schreibt, hatte Zwanziger im Juli dieses Jahres in dem öffentlichen Internet-Blog "Direkter Freistoss" als "unglaublichen Demagogen" bezeichnet. Dabei ging es um die zentrale Vermarktung von TV-Rechten.

"Das kann ich nicht auf mir sitzen lassen. Es wird ein Urteil geben. Ich werde meine persönliche Ehre nicht auf dem Altar des Amtes opfern", sagte Zwanziger, der klarmachte, dass er nicht bereit ist, in dem Rechtsstreit nur einen Schritt zurückzuweichen. Sowohl das Berliner Landgericht als auch das Kammergericht hatten eine einstweilige Verfügung des DFB abgelehnt und die Aussage als "zulässige Meinungsäußerung" angesehen.

Weinreich wiederum hatte eine Einstweilige Verfügung gegen einer DFB-Pressemitteilung erwirkt. Laut Gerichtsbeschluss ist es dem DFB unter anderem bei Androhung von Ordnungsgeld bis zu 250.000 Euro oder Untersuchungshaft untersagt, zu behaupten oder zu verbreiten, Weinreich habe Zwanziger "ohne Anlass" einen "unglaublichen Demagogen" genannt. "Ich kann die Aussage Zwanzigers nicht nachvollziehen", sagte der 43-jährige Journalist nach der heftigen Reaktion des DFB-Präsidenten. "Am juristischen Sachverhalt ändert das nichts."

Zwanziger trifft sich am Dienstag mit DFB-Anwalt Christian Schertz, um das weitere Vorgehen abzustimmen. Nach Angaben von DFB-Sprecher Harald Stenger ist noch keine Entscheidung über den Gerichtsstand gefallen. Zwanziger ist seit September 2006 alleiniger DFB-Präsident.

Zuletzt hatte der ehemalige DFB-Schatzmeister erklärt, dass er sich eine weitere Amtszeit als DFB-Chef bis 2013 durchaus vorstellen könne. Außerdem bewirbt er sich auf dem Kongress der Europäischen Fußball-Union im kommenden Frühjahr in Kopenhagen um einen Platz im Exekutivkomitee der Uefa.

ulz/sid/dpa

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