Getöteter Linienrichter: 12.000 Niederländer protestieren mit Schweigemarsch
"In den Niederlanden hat sinnlose Gewalt nie das letzte Wort." Eine Woche nach der tödlichen Attacke auf einen Linienrichter hat in Almere ein Schweigemarsch stattgefunden. Etwa 12.000 Niederländer kamen, um gegen den Gewaltakt zu demonstrieren.
Hamburg - Es war ein stiller Protest gegen ein furchtbares Verbrechen: Etwa 12.000 Niederländer haben in Almere an einem Schweigemarsch für den getöteten Linienrichter Richard N. teilgenommen und gegen die Gewalttat demonstriert.
Mit Fackeln, Rosen und Transparenten zogen sie zum Verein SC Buitenboys, wo der 41 Jahre alte Vater von drei Söhnen vor einer Woche von Spielern des Vereins Nieuw Sloten schwer misshandelt worden war. Einen Tag später starb er.
"Lieber Papa, wir werden dich vermissen", sagte sein Sohn Alain unter Tränen: "Eines werden wir nicht vergessen: In den Niederlanden hat sinnlose Gewalt nie das letzte Wort." Die Frau des Opfers und seine drei Söhne führten den Zug an. Zu den Teilnehmern gehörten Vertreter der Regierung, die Bürgermeister von Almere und Amsterdam und Tausende Familien mit ihren Kindern. Der SC Buitenboys hatte gemeinsam mit der Familie zu dem stillen Protest aufgerufen. Er wurde live im Fernsehen und Internet übertragen.
"Jeder kapiert nun, dass Respekt dringend nötig ist"
Der Vorsitzende des niederländischen Fußballbunds KNVB, Michael van Praag, nannte die Gewalttat ein "schwarzes Kapitel" nicht nur für den Sport. "Wir sind ohnmächtig, wütend und entsetzt. Es ist unvorstellbar, dass so etwas auf einem Fußballplatz geschehen kann. Dies darf nie wieder geschehen."
Auch in den Stadien im ganzen Land hatten Fans mit Transparenten ihre Anteilnahme bezeugt. Schiedsrichter bekamen Blumen. Respekt müsse länger dauern als eine Minute, mahnte Ajax-Trainer Frank de Boer stellvertretend für viele im niederländischen Fernsehen. "Jeder kapiert nun, dass Respekt dringend nötig ist. Wir müssen dafür sorgen, dass das nach einer Woche nicht langsam wegsackt."
Der KNVB hatte alle rund 33 000 Amateurspiele abgesagt und die Clubs zu Aktionen gegen Gewalt und Aggression aufgerufen. Die Vereine hatten ihre Clubhäuser für Gespräche und Gedenkfeiern geöffnet.
leh/dpa
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