Gewalt im Fußball: Hooligans überfallen Magdeburger Spieler

Gewalteskalation in der Fußball-Regionalliga: Der Ex-Kapitän des 1. FC Magdeburg ist von Hooligans zu Hause überfallen und bedroht worden. Sie kündigten an, wiederzukommen, falls sein Team nicht gewinne. Der Verein ist schockiert, der Spieler hat die Stadt zunächst verlassen.

Hamburg - Es ist der Alptraum jedes Fußballprofis. Der ehemalige Kapitän des Viertligisten 1. FC Magdeburg, Daniel Bauer, ist vor dem Derby gegen den Halleschen FC von Fans überfallen worden. Nach einem Bericht der "Mitteldeutschen Zeitung" waren in der Nacht von Freitag auf Samstag fünf vermummte Personen in die Wohnung des Spielers eingedrungen und bedrohten ihn und seine Freundin.

"Das ist nur die Vorwarnung. Wenn sich gegen Halle nichts tut, kommen wir wieder", sollen die Täter dabei angekündigt haben. Bauer verließ nach dem Überfall zusammen mit seiner Freundin die Stadt. "Das war eine verbale Bedrohung, aber die war so, dass er gesagt hat, ich muss hier erst mal weg", sagte der Berater des Spielers, Henry Hennig. Der 29-jährige Bauer war erst vor dem Spiel nach anhaltender Kritik der Fans als Spielführer abgesetzt worden.

"Ich hatte noch keinen Kontakt zu ihm. Diese Sache hat uns alle überrascht", sagte Magdeburgs sportlicher Leiter Detlef Ullrich der "Mitteldeutschen Zeitung". Dagegen hat Werner Georg, Präsident des Fußballverbandes Sachsen-Anhalt, bereits Konsequenzen gefordert: "Was in diesem konkreten Fall passiert ist, ist höchst kriminell." Wenn die Täter ausfindig gemacht werden sollten, dann müsse auch einmal "mit extremen Strafen eine Grenze gezogen werden". Der Verein hat Strafanzeige gestellt.

Fan-Gruppierungen distanzieren sich

"Der Verein wird die Aufklärung des Vorfalls mit aller Kraft unterstützen", sagte Ullrich. Gespräche der Clubführung mit Fanvertretern hätten noch keine Erkenntnisse über die Täter erbracht. "Alle Fan-Gruppierungen des FCM distanzieren sich klar von diesem Vorfall", heißt es in der Vereinsmitteilung.

Bauers Mitspieler wollten sich nach dem Medienbericht zu dem Übergriff noch nicht äußern. Peter Hackenberg, der neue Kapitän, wird lediglich mit dem Satz zitiert: "Keiner kann sich in einen anderen Menschen, dem dies passiert ist, hineinversetzen."

Ohne Bauers Mitwirken trennte sich der 1. FC Magdeburg am Sonntag in dem prestigeträchtigen Spiel gegen Halle 0:0 und liegt nun auf dem 16. Platz der Regionalliga Nord. In der vergangenen Woche hatte der Verein Trainer Wolfgang Sandhowe entlassen und den ehemaligen Bundesligaprofi Ronny Thielemann zum Chefcoach befördert.

Bauer wird auch im Landespokalspiel am kommenden Mittwoch bei der SG Union Sandersdorf fehlen. "Er kann jetzt auf gar keinen Fall nach Magdeburg zurück", sagte Hennig. Er wolle nun Gespräche mit den Clubverantwortlichen über eine mögliche Vertragsauflösung aufnehmen. Von Vereinsseite ist Bauer vorerst freigestellt. "Wir geben Daniel alle Zeit der Welt, die Geschichte zu verarbeiten und den Kopf freizubekommen", sagte Trainer Thielemann.

Bauer hatte sich bereits in der Vorsaison mit einzelnen Magdeburger Fans angelegt. Nach Ausschreitungen hatte er deutlich gegen solche Aktionen Stellung bezogen und sich damit den Unmut in Fankreisen zugezogen.

aha/sid/dpa

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insgesamt 129 Beiträge
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1. Laßt sie doch
endlich1 31.10.2011
Wieso eigentlich der große Polizei-Aufwand, um die Fan-Gruppen vor dem Spiel zu trennen. Man sollte die Schmalhirne doch einfach gegeneinander loslegen lassen. Dann haben die lange miteinander zu tun und im Stadion kann man in Ruhe dem Sport frönen.
2. <eom/>
SmallSmurf 31.10.2011
Zitat von sysopGewalt-Eskalation in der Fußball-Regionalliga:*Der Ex-Kapitän*des 1. FC Magdeburg ist von Hooligans zu Hause überfallen und bedroht worden. Sie kündigten an, wiederzukommen, falls sein Team nicht gewinne. Der Verein ist schockiert, der Spieler hat die Stadt zunächst verlassen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,794917,00.html
Eigentlich müsste es doch eher heißen "Gewalt-Eskalation im deutschen Fußball". Allerorts hört man nur noch Nachrichten von irgenwelchen Deppen, die randalieren müssen. Angesichts solcher Nachrichten, muss man sich wirklich fragen, ob es einem Wert ist, die Gesundheit aufs Spiel zu setzen, indem man Fußballspiele aufsucht. Das traurige an der ganzen Sache ist, dass diese Deppen nur einen geringen Teil derer representieren, die ein Fußballspiel besuchen. Wenn man dann noch hergeht und aus Sprechchören Taten folgen läßt, setzt das dem ganzen nur noch die Krone auf. Das alles hat dann nur noch wenig mit Sportbegeisterung, als viel mehr mit Lust auf Gewalt zu tun. MfG
3. In Sachsen-Anhalt scheinen
fm1304 31.10.2011
kolumbianische Verhältnisse zu herrschen. Das errinnert an den Fall Andrés Escobar http://de.wikipedia.org/wiki/Andr%C3%A9s_Escobar
4. ohne Bewährung
Emil Peisker 31.10.2011
Zitat von sysopGewalt-Eskalation in der Fußball-Regionalliga:*Der Ex-Kapitän*des 1. FC Magdeburg ist von Hooligans zu Hause überfallen und bedroht worden. Sie kündigten an, wiederzukommen, falls sein Team nicht gewinne. Der Verein ist schockiert, der Spieler hat die Stadt zunächst verlassen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,794917,00.html
In Südamerika (Bolivien, Peru)ist diese Methode vor Jahren bis hin zur Ermordung missliebiger Spieler angewandt worden. Die Täter sollten ohne Bewährung bestraft werden.
5. --- Da sieht man mal, wie blöd die sind!
Boy_Kott 31.10.2011
Zitat von sysopGewalt-Eskalation in der Fußball-Regionalliga:*Der Ex-Kapitän*des 1. FC Magdeburg ist von Hooligans zu Hause überfallen und bedroht worden. Sie kündigten an, wiederzukommen, falls sein Team nicht gewinne. Der Verein ist schockiert, der Spieler hat die Stadt zunächst verlassen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,794917,00.html
Da sieht man mal, wie blöd die sind! Selbst in der Kirche wäre solches Gschwerl längst exkommuniziert. Und die behalten schon fast jeden Dreck in ihren Reihen.
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