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Gladbach-Pleite gegen BVB: Favre läuft die Zeit davon

Von Jan Reschke

Das 0:5 gegen Dortmund war das bislang schlechteste Saisonspiel von Borussia Mönchengladbach. Doch der schwache Start ist nach dem Verkauf von drei Stars nicht wirklich überraschend. Die neue Mannschaft braucht Zeit, um zusammenzufinden. Doch die hat das Team von Trainer Favre nun nicht mehr.

BVB-Gala: Reus rasant, Gladbach geht unter Fotos
Getty Images

Max Eberl ist nicht gerade ein Mensch, dem man nachsagt, besonderen Glamour zu versprühen oder die Fans mit markigen Sprüchen von den Sitzen zu reißen. Und so wirkte der Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach bei der Verkündung der Saisonziele wie immer: bodenständig, zurückhaltend, fast bieder. "Platz elf müssen wir mit diesem Kader erreichen. Platz acht wäre ein sehr gutes Ergebnis", sagte er vor der Saison dem "Kicker".

Angesichts von über 30 Millionen investierten Euro in neue Spieler kann man das Koketterie nennen - oder Weitsicht, wie die derbe 0:5 (0:2)-Packung gegen den BVB zeigte. Da lag zwischen der Borussia aus Dortmund und der aus Mönchengladbach bis auf wenige Minuten in der Anfangsphase eine ganze Klasse und nicht wie am Ende der vergangenen Saison nur drei Tabellenplätze.

Und so sparte der sonst so ruhige Trainer Lucien Favre auch nicht mit Kritik an seinen Profis: "Wir haben dumme Tore bekommen, einige haben teilweise gespielt wie Senioren. Diese Fehler beim Ballbesitz kann ich nicht akzeptieren."

Ein Sieg, drei Unentschieden und zwei Niederlagen

Dabei hat Favre sein Team vor der Saison stets in Schutz genommen. Hinweise auf die teuren Zugänge konterte er stets mit dem Verweis, dass sich seine Mannschaft nach den prominenten Abgängen von Marco Reus, der gegen seinen ehemaligen Club zweimal erfolgreich war, Roman Neustädter und Dante erst finden müsse. Was sie in dieser Saison offenkundig noch nicht getan hat: ein Sieg, drei Unentschieden und zwei Niederlagen stehen nach dem sechsten Spieltag in der Bilanz.

Trotz des Debakels gegen Dortmund: Favre hat recht, wenn er seine Mannschaft in einem noch längst nicht abgeschlossenen Entwicklungsprozess sieht. Besonders ein Systemtüftler wie der Schweizer, der es versteht, die Stärken und Schwächen von Spielern ganz gezielt zu nutzen oder zu kaschieren und alles zusammen in einer großen Komposition zu vereinen, braucht Zeit. Zeit, sein Team zu verstehen.

Probiert hat er viel. Im Angriff ist er noch immer auf der Suche nach der optimalen Konstellation. Ohne Zugang Luuk de Jong, der gegen Dortmund wegen einer Risswunde am Fuß fehlte, fand seine Mannschaft nur in der Anfangsphase Mittel gegen die in den vergangenen Wochen keineswegs sichere BVB-Abwehr.

Auch international lief es bislang wenig erbaulich

Insgesamt war das Gezeigte viel zu wenig, und so recht Favre und Eberl mit ihren Einschätzungen bezüglich der Entwicklung des Teams haben mögen, bei derlei viel investiertem Geld muss irgendwann eine Entwicklung zu sehen sein. Sonst wird es ungemütlich. Für die Mannschaft. Für Favre. Für Eberl.

Denn auch international lief es bislang wenig erbaulich. Das Aus in der Champions-League-Qualifikation gegen Dynamo Kiew, ein müdes 0:0 gegen AEL Limassol am ersten Spieltag der Europa League, alles noch verkraftbar - solange nicht weitere Spiele wie das gegen den BVB folgen. Denn sonst muss selbst Eberls extrem zurückhaltende Einschätzung hinsichtlich der Saisonziele in der Bundesliga in Frage gestellt werden.

Derzeit steht das Team auf Platz zwölf.

Borussia Dortmund - Borussia Mönchengladbach 5:0 (2:0)
1:0 Reus (35.)
2:0 Subotic (40.)
3:0 Reus (70.)
4:0 Gündogan (79.)
5:0 Blaszczykowski (85.)
Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Gündogan, Kehl (83. Santana) - Blaszczykowski, Götze (71. Großkreutz), Reus (75. Bender) - Schieber
Mönchengladbach: ter Stegen (77. Heimeroth) - Jantschke, Brouwers, Domínguez, Daems - Nordtveit, Xhaka - Herrmann (75. Ring), Arango - Hanke (62. Hrgota), De Camargo
Schiedsrichter: Stark
Zuschauer: 80.645 (ausverkauft)
Gelbe Karten: - / Nordtveit

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insgesamt 13 Beiträge
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    Seite 1    
1. Meine Güte...
teekaysevenfive 30.09.2012
...vielleicht sollte Herr Reschke mit seiner oberflächlichen und undifferenzierten Betrachtung weiter für Men's Health schreiben und die seriöse Berichterstattung wirklichen Experten überlassen. Sie sollten wirklich aufhören angesichts der Investitionen von Verstärkung zu sprechen. Das ist dumm. Es ist lediglich der Versuch die verlorenen Spieler auszugleichen. Ohne Ausstiegsklauseln hätte Gladbach für Reus, Dante und Neustädter sicher den gleichen Betrag eingenommen den sie nun investiert haben. Und es hat sich zu dem Zeitpunkt um eine über zwei Jahre eingespielte Mannschaft gehandelt, die auch in der Vorsaison fast abgestiegen ist. Die Fans von Borussia Mönchengladbach sind offenbar wesentlich intelligenter als so mancher Medienvertreter und wissen das Geschehnis realistisch einzuschätzen. Die Mannschaft hat die gleichte Qualität wie die, die letzte Saison Vierter geworden ist, aber auch die gleiche wie die, die vor 2 Jahren fast abgestiegen ist. Die Wahrheit liegt also irgendwo in der Mitte und nicht da, wo Herr Reschke sie gerne sieht. Umso unglaublicher ist es, wie Medienvertreter die mahnenden und erklärenden Worte von Trainer und Management offenbar allzu bewusst als Koketterie, Niedrigstapelei und ähnliches abtun und sich selber eine Deutungshoheit geben, die Ihnen als Nichtkenner der Materie und der vereinsinternen Strukturen nicht ansteht. Die Einschätzung von Herrn Eberl war nicht zrückhaltend. Sie war realistisch. Warum nehmen Sie das den Protagonisten nicht ab Herr Reschke. Das ist anmaßend.
2. Bei Hertha...
icke1261 30.09.2012
... hat ihm der Vorstand auch die erfolgreiche Mannschaft auseinander genommen, - die Folgen sind bekannt...
3. So geht's manchmal...
at.engel 30.09.2012
Und am 25. kommt Marseille. Die wollten eigentlich ursprüglich auch Favre; und zwar unbedingt. Nur der wollte nicht; und nicht zuletzt, weil Margarita (Luis-Dreyfus) den Geldhahn zugedreht hatte. Verglichen mit Mönchengladbach geht es aber der Sparausgabe des OM relativ gut: Sechs Siege in sechs Spieltagen. Könnte spannend werden...
4. Sie tun so
Greed 30.09.2012
Zitat von icke1261... hat ihm der Vorstand auch die erfolgreiche Mannschaft auseinander genommen, - die Folgen sind bekannt...
Sie tun so als ob eine Wahl bestanden hätte. Ohne Ausstiegsklauseln hätte man eventuell die Leute nicht wenigstens für eine weitere Saison halten können und was das Gehalt angeht kann der Verein nicht mit Bayern, Dortmund oder Schalke konkurrieren.
5.
Freifrau von Hase 30.09.2012
Zitat von teekaysevenfive...vielleicht sollte Herr Reschke mit seiner oberflächlichen und undifferenzierten Betrachtung weiter für Men's Health schreiben und die seriöse Berichterstattung wirklichen Experten überlassen. Sie sollten wirklich aufhören angesichts der Investitionen von Verstärkung zu sprechen. Das ist dumm. Es ist lediglich der Versuch die verlorenen Spieler auszugleichen. Ohne Ausstiegsklauseln hätte Gladbach für Reus, Dante und Neustädter sicher den gleichen Betrag eingenommen den sie nun investiert haben. Und es hat sich zu dem Zeitpunkt um eine über zwei Jahre eingespielte Mannschaft gehandelt, die auch in der Vorsaison fast abgestiegen ist. Die Fans von Borussia Mönchengladbach sind offenbar wesentlich intelligenter als so mancher Medienvertreter und wissen das Geschehnis realistisch einzuschätzen. Die Mannschaft hat die gleichte Qualität wie die, die letzte Saison Vierter geworden ist, aber auch die gleiche wie die, die vor 2 Jahren fast abgestiegen ist. Die Wahrheit liegt also irgendwo in der Mitte und nicht da, wo Herr Reschke sie gerne sieht. Umso unglaublicher ist es, wie Medienvertreter die mahnenden und erklärenden Worte von Trainer und Management offenbar allzu bewusst als Koketterie, Niedrigstapelei und ähnliches abtun und sich selber eine Deutungshoheit geben, die Ihnen als Nichtkenner der Materie und der vereinsinternen Strukturen nicht ansteht. Die Einschätzung von Herrn Eberl war nicht zrückhaltend. Sie war realistisch. Warum nehmen Sie das den Protagonisten nicht ab Herr Reschke. Das ist anmaßend.
Zum Beispiel Leuten wie Ihnen, gelle? Schön, dass Fußballfans gerne meinen, mehr Ahnung von der Materie zu haben als ausgebildete Sportjournalisten. Aber das kennen wir ja auch von den Berufen: Bundestrainer, Bundeskanzler, Schauspieler, Topmodel, Sänger usw. Irgendwie können das ja gerade immer die Leute besser, die dafür gar nicht ausgebildet sind....
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