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Gladbach-Trainer Frontzeck "Wenn ich Angst kriege, ist Feierabend"

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Gladbach-Trainer Frontzeck: Bei der Borussia zu Hause

2. Teil: "Mein Haus in Gladbach werde ich immer behalten"

Frage: In der Vergangenheit musste Gladbach regelmäßig die größten Talente abgeben. Glauben Sie wirklich, dass Sie diese Spirale jetzt durchbrochen haben?

Frontzeck: Es liegt zumindest in unserer Hand. Eine Sache steht über allem: Ein Club muss autonom sein, er darf sich nicht von links und rechts in die Knie zwingen lassen, wie das oft genug passiert. Wenn es Angebote gibt, bei denen wir nicht nein sagen können, und wenn wir dadurch die Entwicklung der Mannschaft nicht hemmen, dann werden wir das machen müssen. Aber die Entscheidung muss bei uns liegen.

Frage: Die Borussia hat viele Spieler kommen und gehen sehen. Warum fühlen Sie sich in Gladbach immer noch zu Hause?

Frontzeck: Das liegt vor allem am Personal. Viele sind schon sehr lange hier. Unser Torwarttrainer Uwe Kamps etwa verfolgt mich schon, seit ich 16 bin. Damals haben wir noch gegeneinander gespielt, dann waren wir gemeinsam bei der Bundeswehr und sind zusammen hier Profis geworden. Wir sind inzwischen sehr gut befreundet. Egal wo ich gearbeitet habe, zu Uwe hatte ich immer Kontakt.

Frage: Sind es Männer wie Uwe Kamps, die den Mythos aufrechterhalten? Trotz ausbleibender Erfolge ist der Verein noch immer sehr beliebt.

Frontzeck: Ich glaube, das ist eine allgemeine Entwicklung. In den achtziger Jahren, als wir international gespielt haben, lag der Zuschauerschnitt bei 18.000, als ich im Jahr 2000 in der Zweiten Liga aufgehört habe, waren es, noch am Bökelberg, schon 30.000. Heute haben wir im Schnitt 45.000 Zuschauer. Fußball-Deutschland boomt. Jedes Stadion ist voll, die Stimmung ist überragend.

Frage: Gleichwohl gab es in Gladbach schon lange nichts mehr zu feiern.

Frontzeck: Es war bemerkenswert, wie unsere Fans die schlechte Phase in der Hinrunde der Saison 2009/2010, als wir fünf Spiele in Folge verloren, weggesteckt haben. Vielleicht haben sie uns weiterhin unterstützt, weil sie gemerkt haben, dass hier etwas entsteht.

Frage: Mussten Sie in dieser Zeit um Ihren Job zittern?

Frontzeck: Wenn du als Trainer Angst hast, steckst du die Spieler und das Umfeld an. An dem Tag, an dem ich Angst bekomme, ist für mich Feierabend.

Frage: Manche Trainer blicken auf ein Dutzend Jobs zurück. Haben Sie Lust auf solch ein Nomadenleben?

Frontzeck: Mein Haus in Gladbach werde ich immer behalten, hier will ich alt werden. Ich bin heimatverbunden.

Frage: Früher schenkten die Mädchen Ihnen Blumen. Betrübt es Sie, dass Sie nicht mehr jung und Teil einer Mannschaft sind?

Frontzeck: Ich bin doch immer noch Teil einer Mannschaft.

Frage: Aber heute sind Sie der Boss.

Frontzeck: Glauben Sie, dass ich zu meinen Jungs sage: 'Ich wäre so gern wieder einer von euch'? Ich habe mein Leben als Spieler gelebt. Und ich habe es genossen. Aber ich hätte auch gern die Erfahrungen eines Einzelsportlers gemacht.

Frage: Weil Sie dann nicht für Fehler anderer gebüßt hätten?

Frontzeck: Nein, ich hätte nur gern etwas anderes ausprobiert. Aber dieses "Was wäre, wenn Sie noch mal zur Welt kämen?" ist sowieso Spinnerei. Vielleicht werde ich auch als Schäferhund wiedergeboren.

Das Interview führten Dirk Gieselmann und Fabian Jonas

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Magazin für Fußball-Kultur

Nr. 106 - September 2010

Zur Person Michael Frontzeck
Getty Images
Michael Frontzeck spielte zwischen 1982 und 2000 in der ersten Bundesliga für Borussia Mönchengladbach (1982 bis 1989, 1995/1996 und 1998/1999), den VfB Stuttgart, den VfL Bochum und den SC Freiburg. Insgesamt absolvierte Frontzeck 436 Bundesligaspiele - meist als linker Verteidiger - und schoss 37 Tore. In der Saison 1991/1992 gewann er mit dem VfB Stuttgart die Deutsche Meisterschaft. Von 1995 bis 1997 spielte Frontzeck zudem beim englischen Club Manchester City. 19 Mal lief er für die deutsche Nationalmannschaft auf.
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