Gladbach trommelt Platzprobleme für den neuen Manolo

Zweieinhalb Jahrzehnte gab Manolo auf dem Gladbacher Bökelberg den Takt an. Nun ist der legendäre Borussen-Trommler in Rente gegangen. Die Inthronisierung eines Nachfolgers gestaltet sich schwierig.


Manolo: "Ich habe keine Kraft mehr zum Trommeln"
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Manolo: "Ich habe keine Kraft mehr zum Trommeln"

Mönchengladbach - "Manolo ist und bleibt eine Kultfigur, der Inbegriff der Gladbacher Fanszene. Solange er lebt, wird sich keiner auf seinen Platz setzen", hatte Thomas Weinmann vom Fanprojekt der Borussia geglaubt. Doch der Obersupporter wurde am vergangenen Samstag beim Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern (3:0) gleich eines Besseren belehrt.

Immer wieder bemächtigten sich Fans Manolos Sitz auf dem Zaun vor der Nordkurve und mussten überaus deutlich zum Verlassen des prominenten Platzes aufgefordert werden. Schließlich hatte Manolo - bürgerlich: Ethem Özenrenler - dort seit 1977 gesessen und die heimische Borussia mit seinen Trommelschlägen angetrieben.

"Manolo war zwar am Ende nicht mehr der Einpeitscher von früher", gibt Weinmann zu bedenken. Aber einigen Fans sei es schon zu weit gegangen, dass Manolos angestammter Platz einfach so übernommen werden sollte. "Die Besetzer wurden wüst beschimpft."

"Gladbach hat jetzt keinen Manolo mehr"

"Ich bin zuckerkrank und war im Krankenhaus. Ich habe keine Kraft mehr zum Trommeln", hatte der 64 Jahre alte Manolo in der "Rheinischen Post" seinen Abschied begründet, "Spanien hat einen Manolo, Brasilien und Argentinien auch. Gladbach hat jetzt keinen mehr."

Manolos letzter Einsatz war ausgerechnet das missglückte Saisonfinale der vergangenen Serie, als Gladbach gegen 1860 München mit 2:4 unterlag. Seitdem war der im ganzen Land bekannte Spinnerei-Angestellte, der 1968 aus der Türkei nach Deutschland gekommen war und sich seinem Namen vom Trommler des FC Sevilla geborgt hatte, nie wieder im Bökelbergstadion aufgetaucht.

Die Borussen-Fans sollen entscheiden

Ein Nachfolger steht auch schon bereit, um den "Mythos Manolo", so Weinmann, fortzusetzen. Dieter Sichelschmidt, ein gebürtiger Hamburger, soll es werden. "Dieter ist der Einzige, der konstant da ist und auf seiner großen Trommel hämmert", wirbt Weinmann für den Gladbacher Oberfan. Doch darf Sichelschmidt auch auf den kleinen eisernen Sitz, der vor zehn Jahren extra für Manolo am Gitterzaun vor Block 16 angebracht wurde?

"Soll doch die Gladbacher Fangemeinde entscheiden, ob Manolos Platz für immer vakant bleibt", will Weinmann weiteren Ärger vermeiden. Im Prinzip sei die ganze Angelegenheit ohnehin nicht von existenzieller Bedeutung, sieht es zumindest der Fanprojekt-Funktionär gelassen. "In zwei Jahren haben wir ein neues Stadion", sagt Weinmann, "dann gibt es ohnehin keinen Zaun mehr."



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