Borussia gegen Borussia Hofmanns Erwartungen

Sein erstes Spiel für Gladbach - und gleich geht's gegen den Ex-Klub BVB: Jonas Hofmann muss beweisen, dass er mit 23 Jahren nicht mehr das ewige Talent ist.

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DPA

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Schon als Grundschüler hat Jonas Hofmann Kontakt zu den Mächtigen im deutschen Fußball geknüpft. Dank eines Förderprogramms von Hoffenheims Geldgeber Dietmar Hopp durfte er das Golfspielen auf Hopps Anlage in St. Leon-Rot lernen und soll dabei ein bemerkenswertes Talent beim Putten entwickelt haben.

Den Ball möglichst filigran ins Ziel zu befördern, das ist auch am Samstagabend (18.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) seine Aufgabe. Wenn Jonas Hofmann, der früh aus seiner Heidelberger Heimat zu Borussia Dortmund ging, dort zum Bundesliga- und Champions-League-Spieler wurde, die erste Partie für seinen seinen neuen Verein Borussia Mönchengladbach bestreitet. Und weil der Spielplan das so will, geht es im Topspiel des Tabellenvierten gegen den Zweiten gleich einmal gegen den BVB, seinen Ex-Verein. Es wird eine der Geschichten des Rückrundenstarts der Liga werden.

An Borussia Mönchengladbach hat Hofmann keine guten Erinnerungen. Vier Mal ist der 23-Jährige in seiner noch jungen Profikarriere gegen die Gladbacher angetreten, er wartet noch auf den ersten Sieg. Um dieses Problem loszuwerden, ist es natürlich ein probates Mittel, einfach zu dem Klub zu wechseln, gegen den man noch nie gewonnen hatte.

Bei den Gladbacher Fans Sympathiepunkte gesammelt

"Ich zähle Gladbach schon zu den ganz Großen hinter Bayern und Dortmund", hat Hofmann dem "Kölner Express" gesagt und damit schon mal Sympathiepunkte beim Fohlen-Anhang gesammelt. Um es vorsichtig auszudrücken: Gladbacher und Dortmunder Fußballanhänger mögen sich nicht sonderlich. Das ist nicht erst seit 2012 der Fall, als der BVB Gladbachs Star Marco Reus verpflichtete, was viele Mönchengladbacher den Schwarz-Gelben bis heute übel nehmen.

Dennoch ist es wahrscheinlich Zufall, dass Hofmann der erste Transfer von Dortmund Richtung Mönchengladbach seit mehr als 30 Jahren ist. Mit den acht Millionen Euro, die Gladbachs Manager Max Eberl als Ablösesumme gezahlt hat, fließt immerhin ein Teil der einst 17 Millionen, die der BVB in Reus investierte, wieder nach Dortmund zurück.

Beim BVB war Hofmann eigentlich immer nur zweite Wahl, der Klub hatte ihn bereits 2014 für ein Jahr zum FSV Mainz 05 ausgeliehen, bei seiner neuen Borussia wird er trotz eines ebenfalls starken Kaders mehr Einsatzzeit erhalten. Schließlich ist die direkte interne Konkurrenz auf der Hofmann-Position verletzt: Patrick Herrmann und André Hahn fallen mit ihren schweren Verletzungen noch über Wochen aus.

Der 23-Jährige ist immer noch im Talent-Modus, trotz schon 48 Bundesligaspielen und acht Champions-League-Einsätzen, obwohl er schon gegen Real Madrid gespielt und gegen Bayern München getroffen hat. Schon das erste Spiel für die Gladbacher kann somit zu einem nachhaltigen Härte- und Charaktertest für ihn werden. So langsam muss er den Status eines begabten Nachwuchsstürmers ablegen. Als DFB-Sportdirektor Hans-Dieter Flick nach der WM 2014 fünf junge Spieler aufzählen sollte, die in der Nationalmannschaft künftig eine Rolle spielen könnten, gehörte Hofmann dazu.

Hofmann war Hopps Lieblingsspieler

"Der Jonas war mein Lieblingsspieler in der Jugend. Manchmal bin ich nur wegen ihm zu Jugendspielen gefahren. Dass er nun woanders spielt, tut mir unendlich weh", hat Hopp der "Bild"-Zeitung letztens erzählt. Hofmann war so etwas wie das Zentrum des Projekts, 1899 Hoffenheim zu einem Ausbildungsverein zu machen. Dass er es mit dann 19 Jahren dennoch vorzog, nach Dortmund zu gehen, sagt auch etwas über Hoffenheim aus.

In Dortmund machte er zunächst erst einmal dadurch auf sich aufmerksam, dass er bei einem Testspiel den Torjubel von Italiens Star Mario Balotelli aus dem EM-Halbfinale gegen Deutschland kopierte. Aufs Eigenmarketing hat er sich also schon früh verstanden, aufs Toreschießen allerdings auch. In der zweiten Mannschaft des BVB gehörte er zu den Besten und Treffsichersten, aber den Sprung dann auf die Ebene der ganz Großen, den hat er dann doch nicht geschafft. Bei einer Offensiv-Konkurrenz, die aus Marco Reus, Robert Lewandowski, Mario Götze, Pierre-Emmerick Aubameyang und Henrich Mkhitaryan bestand, ist das aber auch kein großes Wunder.

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Dortmund vs. Braunschweig: Klopps Glücksgriff
Vergleiche mit Götze hat Hofmann schon mehrfach über sich ergehen lassen müssen, das bleibt nicht aus, wenn man als junge Offensivkraft nach Dortmund kommt. So jubelte die "Süddeutsche Zeitung" 2013: Hofmann schieße "trocken und präzise und zeigt Bewegungen, die an Götze erinnern". Er trete gar "radikaler in Richtung Tor an, als man es von Götze kennt". Da hatte er gerade gegen Eintracht Braunschweig sein allererstes Bundesligator für den BVB erzielt.

Bei Trainer Jürgen Klopp war er geschätzt, er feierte Hofmanns "Frische", die "Jungfräulichkeit", mit der er ins Spiel ging. Die Unschuld, um im Bild zu bleiben, hat er unter Klopps Nachfolger Thomas Tuchel etwas verloren. Bei dem jetzigen BVB-Coach hatte Hofmann keine Perspektive auf einen Startelfeinsatz.

Das dürfte am Samstag anders sein, wenn er antritt, Tuchel und der Welt zu beweisen, dass er zwar nicht unbedingt besser ist als Messi, aber zumindest besser, als ihn sein Ex-Coach eingeschätzt hat. Und einen nachvollziehbaren Wunsch hat Hofmann dann auch: "Ich hätte nichts dagegen, dabei ein Tor zu erzielen."


Zusammengefasst: Er ist hochveranlagt, doch überzeugen konnte Offensivspieler Jonas Hofmann bei Borussia Dortmund nur selten - die Konkurrenz war zu groß. Sein Trainer Thomas Tuchel bevorzugte andere Angreifer, den Talentstatus konnte der 23-Jährige nicht hinter sich lassen. Nun spielt Hofmann bei Borussia Mönchengladbach. Sein erster Gegner im neuen Trikot: der BVB.



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insgesamt 3 Beiträge
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Florian Hammerschmidt 22.01.2016
1. Aha
Beim nächsten Mal ersparen Sie uns doch bitte ihre hellseherischen Kräfte ("Es wird eine der Geschichten des Rückrundenstarts der Liga werden" - ach!) und die völlig ohne Argumente auskommende Einschätzung, er sei hoch veranlagt und stellen lieber direkt eine Linkliste der 5 Artikel zusammen, die sie für ihren "Text" bemühen. Andererseits ist es auch eine Kunst, so gar keine Eigenleistung auf so viele Zeichen auszudehnen.
diezwo 22.01.2016
2. Zweifel!
Ich glaube nicht, das er morgen Abend den Vorzug vor Ibo Traore bekommt. Wenn es gut läuft wird er vielleicht in der zweiten Hälfte eingewechselt.
nummer50 22.01.2016
3. Tja
Beim einen Trainer ist man eben gesetzt, bzw. der hält viel von einem, der andere Trainer bevorzugt dann wieder andere Spieler. Dies ist das Los eines Profispielers. Denke mal, dass Hoffmann mit dem Wechsel nach Gladbach jetzt auch nichts verkehrt gemacht hat.
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