Liverpool-Ikone Gerrard als Rangers-Trainer Doppeltes Risiko, doppelte Chance

Als Steven Gerrard im Frühjahr Trainer bei den Rangers in Glasgow wurde, war die Skepsis groß. Was will der Verein mit ihm? Was will er bei dem Verein? Doch sein Einstand ist vielversprechend.

Steven Gerrard
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Steven Gerrard

Von , Manchester


Steven Gerrard ist so gut in seine Karriere als Trainer gestartet, dass sich sogar die Polizei Gedanken macht.

Die Ikone des FC Liverpool, Kapitän der Champions-League-Sieger-Mannschaft von 2005, ist seit dieser Saison für das sportliche Wohl der Rangers aus Glasgow zuständig. Und das gelingt ihm gut: Seit seinem Amtsantritt hat er kein Spiel verloren und den Verein dabei erfolgreich durch die Qualifikation zur Europa League manövriert. Dank des 1:1-Unentschiedens unter der Woche beim russischen Vertreter FK Ufa, in doppelter Unterzahl nach zwei Platzverweisen, sind die Rangers nach dem 1:0-Erfolg im Hinspiel zum ersten Mal seit der Saison 2010/2011 wieder in der Hauptrunde eines internationalen Wettbewerbs vertreten. In der Liga gab es in drei Spielen einen Sieg und zwei Remis.

Für Sonntag ist das erste Old-Firm-Derby der Saison gegen den FC Celtic terminiert. Das Spiel ist bekanntlich mehr als ein Duell zweier Fußballklubs. Es ist das Aufeinandertreffen von Protestanten (Rangers) und Katholiken (Celtic), von britischer (Rangers) und irischer (Celtic) Identität. Neben der grundsätzlichen Feindseligkeit der beiden Fanlager spielt diesmal, wie ein Polizeisprecher der BBC bestätigt hat, ein weiterer Faktor eine Rolle bei der Vorbereitung des Einsatzes für die Sicherheitskräfte - nämlich die Tatsache, dass das Spiel endlich mal wieder spannend werden könnte.

Steven Gerrard und Celtic-Coach Brendan Rogers
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Steven Gerrard und Celtic-Coach Brendan Rogers

Wer schon von der Bundesliga aufgrund der Dominanz des FC Bayern gelangweilt ist, der sechs Mal nacheinander Meister wurde, hätte in Schottland noch weniger Freude. Hier hat der FC Celtic in der abgelaufenen Saison zum siebten Mal in Folge die Meisterschaft gewonnen und zum zweiten Mal nacheinander sogar das Triple aus dem Liga-Titel und Siegen in den beiden Pokalwettbewerben.

Von den vergangenen neun Ausgaben des Old-Firm-Derbys gewann Celtic sieben, zum Teil 5:0 oder 5:1, dazu gab es zwei Unentschieden. Doch dank des vielversprechenden Starts für Gerrard bei den Rangers - und verschiedener Schwierigkeiten bei Celtic - glauben Fans und Fachleute, dass es endlich wieder enger zugehen könnte im direkten Aufeinandertreffen der beiden Klubs aus Glasgow. Vielleicht sogar im Kampf um die Meisterschaft.

Wieder ein ernst zu nehmender Gegner für Celtic

Dabei war die Skepsis groß, als die Rangers im Mai die Verpflichtung des ehemaligen Profis bekannt gaben. Von einem Risiko für beide Seiten war die Rede, und das aus nachvollziehbaren Gründen. Warum holt ein so großer Klub jemanden, der zwar einen klangvollen Namen besitzt, allerdings noch nie als Übungsleiter im Profisektor gearbeitet hat? Und warum lässt sich Gerrard auf einen so unruhigen Verein ein, wenn er doch bequem seinen Job als Trainer der U18 des FC Liverpool hätte weitermachen können und irgendwann ganz automatisch ein Kandidat für die Nachfolge von Jürgen Klopp bei den Profis geworden wäre?

Gerrard im Ibrox Stadium
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Gerrard im Ibrox Stadium

Gerrard, mittlerweile 38 Jahre alt, sprach bei seiner Vorstellung in Glasgow davon, dass er keine Angst vor Druck habe und sich einfach auf die Herausforderung bei den Rangers freue, die nach dem Zwangsabstieg in die Viertklassigkeit 2012 und der Rückkehr in die erste Liga vier Jahre später immer noch dabei sind, sich zu konsolidieren, sportlich und wirtschaftlich.

Die Hoffnungen in Gerrard sind groß, doch die Erwartungen moderat. Mit der Zulassung zur Europa League, die dem Verein angeblich mehr Geld bringt als Celtic mit den jüngsten beiden Triple-Gewinnen verdient hat, ist der erste Schritt in eine bessere Zukunft getan. In der Liga erwartet in Gerrards Premierensaison als Profitrainer niemand den Titel. Es genügt erst mal, wieder ein ernst zu nehmender Gegner für Celtic zu sein.

Chance für beide Seiten

Die Klubführung unterstützt ihn dabei nach Kräften und hat im Sommer umgerechnet mehr als elf Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben. Das ist viel für die Verhältnisse der Rangers. Unter anderem kam der routinierte Torwart Alan McGregor, eine komplett neue Verteidigung mit den Kroaten Nikola Katic und Borna Barisic, Jon Flanagan vom FC Liverpool und Connor Goldson aus Brighton. Für den Angriff wurde Kyle Lafferty vom Liga-Konkurrenten Heart of Midlothian zurückgeholt.

Gerrard in der Europa League
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Gerrard in der Europa League

In den ersten Spielen unter Gerrard war zu beobachten, dass die Rangers gutes Positionsspiel zeigen. Es gelingt ihnen, den Platz bei eigenem Ballbesitz groß und bei gegnerischen Angriffen klein zu machen, was auf ein gutes Coaching schließen lässt. Außerdem ist das Team imstande, unter widrigen Bedingungen Widerstand zu leisten, wie das Remis beim FK Ufa trotz zweier Platzverweise gezeigt hat. "Spieler bei den Rangers zu sein, heißt, seinen Körper und seine Seele für den Klub zu geben", sagte der Trainer hinterher. 26 Jahre beim FC Liverpool prägen, Gerrard ist erprobt in einem emotionalen Umfeld. Das dürfte ihm bei den Rangers zugute kommen.

Und so ist die Verbindung, die für beide Seiten riskant erscheint, auch eine Chance für beide Seiten. Die Rangers könnten sich mit Gerrard wieder in Europa etablieren und zu Celtic aufschließen, auch in der Wahrnehmung. Und Gerrard könnte sich für höhere Aufgaben empfehlen. Irgendwann wird Liverpool sicher wieder einen Trainer für die Profis suchen.



insgesamt 2 Beiträge
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tomkey 02.09.2018
1. Spannendes Old-Firm
Ich drücke den Rangers ganz fest die Daumen heute im Derby. Und natürlich auch bei den anderen Spielen der Saison. Aber heute im Old-Firm gegen die Celtics können die Rangers zeigen, wie weit sie mit Gerrard als Trainer schon gekommen sind. Ich rechne mit einem spannenden Derby. Beim letzten was ich sah war Gerrard kurz im Amt und viel erreicht hatte er da noch nichts. Aber heute sollte doch was drinne sein. Un den Celtics drücke ich ganz fest die Daumen in den Spielen gegen die 2 Brauseprojekte. Hoffentlich kommen sie weiter!
giggs1999 02.09.2018
2.
Nach der Insolvenz der Rangers gibt es kein Old Firm mehr, denn der eine Teil existiert ja nicht mehr. Ansonsten wird das Duell unnötig überhöht; spielerisch bestenfalls Bundesliga Mittelmaß und politisch nur von lokaler Bedeutung.
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