Götz-Entlassung Peinliche Posse bei 1860 München

Ohne Falko Götz darüber zu informieren, hat der Vizepräsident des TSV 1860 München, Hannes Zehetmair den Rauswurf des Trainers öffentlich kundgetan. Das Zusammenspiel der Führungsriege des Vereins ist offensichtlich noch schlechter als das der Mannschaft, der nach der Niederlage gegen den Hamburger SV der Abstieg droht.


Engagiert, aber erfolglos: 1860-Trainer Falko Götz
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Engagiert, aber erfolglos: 1860-Trainer Falko Götz

München - Offensichtlich erschüttert durch das Wirrwarr der vergangenen Tage und das erneut nicht abgesprochene Vorpreschen seines Stellvertreters schloss der erst vor einem Monat ins Amt berufene "Löwen"-Präsident Karl Auer einen Rücktritt nicht aus. "Wenn man mich immer wieder attackiert, muss ich mir Gedanken machen um meine Zukunft", sagte der Wurstfabrikant. "Das ist von der Vorgehensweise völlig unmöglich und inakzeptabel", kritisierte Sportdirektor Dirk Dufner.

Bereits am Dienstag hatte Zehetmair eine Trennung von dem im März 2003 engagierten Götz im Falle einer Niederlage angekündigt und damit dem 42-Jährigen ein Ultimatum gesetzt. Auer hingegen wollte von einer solchen Absprache nichts gewusst haben.

Auch in der Frage nach einem neuen Coach liegen die Kontrahenten der Führungsetage weit auseinander. Während Zehetmair die Präsentation des Götz-Nachfolgers für Sonntag ankündigte, versicherte Auer: "Morgen passiert überhaupt nichts." Vielmehr werde zunächst Amateur-Trainer Reiner Maurer die Übungen leiten. Der Präsident flüchtete sich angesichts des offen ausgetragenen Machtkampfs in Ironie. "Vielleicht hat er einen Trainer verpflichtet, und ich weiß davon nichts", sagte er. Im Gespräch beim Tabellen-15. sind angeblich Friedhelm Funkel, Andreas Brehme und Ex-"Löwen"-Trainer Werner Lorant.

Nach dem Abpfiff der mit 1:2 gegen den Hamburger SV verlorenen Partie hatte zunächst große Verwirrung geherrscht, denn Götz war von der durch Vizepräsident Hans Zehetmair direkt nach Spielende ausgesprochenen Entlassung nicht informiert. "Ich glaube nicht, dass Zehetmair die Befugnis dazu hat", sagte Götz auf der Pressekonferenz. Er habe nach dem Schlusspfiff in der Kabine ein Gespräch mit Auer und Dufner geführt. "Das ist für mich maßgeblich. Ich gehe davon aus, dass ich weiter Trainer bin", sagte Götz.

Doch das erwies sich als Trugschluss. Auer gab zu, dass sich die Führungsriege darauf verständigt hatte, den Trainer nach der dritten Niederlage in Folge zu entlassen. "Ich habe mich mit der sportlichen Leitung entschieden, dass nach dem Spiel der Trainer entlassen wird. Das kann aber nicht Herr Zehetmair, sondern nur die sportliche Leitung in Verbindung mit der Geschäftsführung." Auer bedauerte das Durcheinander: "Es tut mir leid."



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