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Graumarkt im Fußball: HSV und BVB punkten gegen Ticketschieber

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Die Bundesliga hat einen wichtigen Etappensieg gegen Ticketbörsen im Web errungen: Vor Gericht stoppten der Hamburger SV und Borussia Dortmund den Weiterverkauf ihrer Eintrittskarten durch die Anbieter - und sichern sich damit die Kontrolle darüber, wer in die Arenen kommt.

HSV-Fans: Internettickets werden für sie zum Risiko Zur Großansicht
dpa

HSV-Fans: Internettickets werden für sie zum Risiko

Hamburg - Die Internet-Ticketbörse "Viagogo" schwärmt auf ihrer Website: "Bei Heimspielen genießen die Zuschauer mit Dortmund-Tickets ein Fußball-Event in großartiger Umgebung. BVB-Tickets bescheren Ihnen so ein unvergessliches Erlebnis in einmaliger Atmosphäre." Damit könnte bald Schluss sein.

Denn Bundesligist Borussia Dortmund hat gegen "Viagogo" vor dem Landgericht Dortmund einen wichtigen Sieg errungen. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE wird dem Anbieter gerichtlich untersagt, weiter Eintrittskarten für Heimspiele des BVB über seine Plattform zu verkaufen. Ein ähnliches Urteil, das SPIEGEL ONLINE ebenfalls vorliegt, hat das Landgericht Hamburg gegen die Online-Ticketbörse "Seatwave" verhängt. Der Hamburger SV war gegen "Seatwave" vorgegangen.

Die HSV-Verantwortlichen sprechen von einem "Musterprozess" und davon, dass mit der Gerichtsentscheidung "der Grundstein für eine erfolgreiche Beseitigung des Zweitmarkthandels mit Eintrittskarten im Internet gelegt" worden sei. "Seatwave" und "Viagogo" gaben trotz Nachfrage zunächst keine Stellungnahme zu den Urteilen ab.

Vereine fürchten um "soziale Preisstruktur"

"Viagogo" hat allerdings seit seinem Einstieg in den deutschen Markt 2007 betont, dass man es für völlig legal halte, ein Ticket, das rechtmäßig erworben worden sei, auch weiterzuveräußern - unabhängig davon, dass ein Verein wie der HSV dies in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen untersagt habe. Bei "Viagogo" stellen Privatleute ihre erworbenen Tickets zum Kauf ein und können den Preis dafür selbst festlegen. Ein ähnliches Prinzip wie bei Ebay, nur dass hier der Preis feststeht und nicht durch Versteigerung in die Höhe getrieben wird.

Der Anbieter rechnet sich selbst nicht zum Graumarkt der Ticketbörsen. Er ist unter anderem offizieller Partner des FC Bayern München und organisiert dessen Online-Tauschbörse. Zudem bietet die Firma allerdings auch Karten für WM-Spiele und für internationale Partien an - und für Begegnungen der anderen Bundesliga-Clubs, was diese auf Dauer nicht so hinnehmen wollen.

Vielen Fußball-Bundesligisten stören sich schon länger an den Internetbörsen. Die Vereine wollen die alleinige Hoheit über den Ticketverkauf behalten. Jeder andere, der in dem lukrativen Geschäft mitverdienen will, ist da unwillkommen. Die Clubs argumentieren damit, dass im Internet zum Teil unangemessene Aufpreise für die Eintrittskarten verlangt würden. Der Hamburger SV sieht dadurch "die soziale Preisstruktur der Eintrittskarten" gefährdet. "Der Weiterverkauf dieser Tickets zu erhöhten Preisen führt zu dem unerwünschten Zustand, dass die Fans des HSV in der Praxis vielfach deutlich höhere Preise für den Stadionbesuch zahlen müssen", so Kai Voerste, der Leiter des Ticketings bei dem Bundesligisten.

Tatsächlich zahlt man im freien Verkauf zum Beispiel für das Bundesligaspiel zwischen Hamburg und dem 1. FC Nürnberg maximal 84 Euro. Bei "Viagogo", wo die Karteninhaber selbst die Preise für das Ticket festlegen, muss man bis 269 Euro je Karte für dasselbe Spiel hinblättern. Für hoch attraktive Partien, die schnell ausverkauft sind, wie das Champions-League-Endspiel in Madrid am 22. Mai, sind Preise bis zu 6000 Euro pro Ticket fällig.

Trend geht zur Personalisierung von Tickets

Was den Clubs allerdings wohl mindestens genauso wichtig ist: Mit dem Weiterverkauf der Tickets verliert der Verein die Überwachung darüber, wer sich eine Eintrittskarte für sein Heimspiel kauft. Was dazu führen könne, so Voerste, dass "bekannte Gewalttäter" sich "bei unkontrolliertem Weiterverkauf" Zutritt zu den Spielen verschaffen könnten. In diesen Wochen, wo die Bundesliga wieder verstärkt über Fangewalt debattiert, ein Argument, das Gewicht und Gehör findet.

Der HSV gehört zu den Vorreitern der Liga, was die Reglementierung von Eintrittskarten angeht. Bereits seit 2008 sucht er die gerichtliche Auseinandersetzung mit den privaten Ticketanbietern im Internet. Mit dem Ziel, den Verkauf von HSV-Heimspieltickets jenseits der Oberhoheit des Vereins komplett zu untersagen - auch beim Marktführer Ebay, an den sich der Club jedoch bisher juristisch noch nicht so recht herangetraut hat.

In dieser Saison hat der Hamburger SV die Personalisierung der Tickets eingeführt. Die Käufer der Eintrittskarten werden handschriftlich vermerkt - eine Übertragung von Karten ist allerdings nach wie vor möglich, indem der Käufer den Namen dessen angibt, dem er die Karte übertragen hat. Eine Entwicklung, die von vielen HSV-Fans sehr kritisch gesehen wird.

Bezahlte Eintrittskarten eventuell gesperrt

Vielen Ligafunktionären reicht das allerdings immer noch nicht aus. Nachdem in der Vorwoche 150 Hertha-Fans nach dem Schlusspfiff den Innenraum des Berliner Olympiastadions stürmten und ihren Frust an der Ersatzbank ausließen, hat unter anderem Wolfgang Holzhäuser, der Geschäftsführer von Bayer Leverkusen, eine konsequente Einführung personalisierter Tickets verlangt - Verhältnisse, wie man sie aus England, den Niederlanden oder Italien kennt. Auch in der Bundesliga wächst die Zahl der Anhänger: So hat der DFB den 1. FC Nürnberg dazu verurteilt, für zwei Auswärtsspiele lediglich personalisierte Sitzplatzkarten an seine Fans auszugeben.

Der Protest der Fangruppen dagegen, den Stadionbesuch immer weiter in ein Korsett aus Kontrolle und Reglement zu zwängen, hat sich bereits formiert.

So weit, wie es Holzhäuser vorschwebt, wollen der Hamburger SV und Borussia Dortmund nicht gehen. Sie wollen den Internetbörsen vor allem das Geschäft vermasseln. Nicht zuletzt mit dem Hinweis, dass Fans, die ihre Karten über "Viagogo" oder "Seatwave" erstehen, nicht sicher sein können, auch tatsächlich damit ins Stadion zu kommen. "Jeder, der dort eine Eintrittskarte erwirbt, muss damit rechnen, dass diese Karte gesperrt ist und ihm der Zutritt zur Arena verweigert wird", sagt Voerste.

Der HSV bietet mittlerweile eine eigene Alternative an, Eintrittskarten zu tauschen. Wer ein Ticket besitzt, aber aus irgendwelchen Gründen dann doch nicht zum Heimspiel gehen kann, muss nicht fürchten, künftig auf der bezahlten Karte sitzen zu bleiben. Der HSV hat auf seiner Website eine eigene Tauschbörse eingerichtet. Gewinne können die Verkäufer hier allerdings nicht machen. Die Preise sind die aus dem offiziellen freien Verkauf.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 32 Beiträge
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1. Lange überfällig!
SirLiesalot 23.03.2010
Der Kartenschwarzmarkt (ja, in meinen Augen IST es Schwarzmarkt) ist eine Sauerei! Mir geht es dabei weniger um Fußballspiele, sondern vielmehr um Konzerte. Aber das Prinzip und die Ticketbörsen sind dieselben. Die komplette AC/DC-Hallentour im letzten Jahr war binnen 12 Minuten restlos ausverkauft - 5 Minuten (!!!) später fand man tausende Tickets allein bei ebay zum bis zum vierfachen Preis! Natürlich kann man sagen, selbst schuld, wer das berappt. Ich habe es nicht. Aber ich habe mich wahnsinnig darüber geärgert, dass man so als Fan noch nicht einmal die Möglichkeit hat, an bezahlbare Tickets zu kommen. Und die großen Gewinner sind die Abzocker, die Zwischenhändler, denen überhaupt nichts an der Veranstaltung liegt. Dem muss dringend Einhalt geboten werden! Meinetwegen auch über personalisierte Tickets. Dann wird es zwar umständlich, wenn man als größere Gruppe eine Veranstaltung besuchen möchte, aber besser so, als das vierfache oder mehr als den ursprünglichen Preis berappen zu müssen!
2. .
UdoL 23.03.2010
Nichts dagegen, dass der "Graumarkt" begrenzt wird. Spätestens im Fall der personalisierten Eintrittskarten sollten sich aber alle einig sein. An einem bestimmten Spieltag besucht dann eben mal keiner die Bundesligaspiele - und die Sache ist vom Tisch.
3. ....
Clay Davis 23.03.2010
tja, wenn wir nicht aufpassen, dann haben wir hier bald zustände wie in england..hurra! das wars ja dann endgültig mit dem fussball, den viele von uns ja so lieben (aber manche einfach nicht verstehen). was mit der "soziale Preisstruktur" gemeint ist, bleibt ja eher offen.. ich denke, sowohl der hsv, als auch der bvb..als auch alle anderen clubs, die vornehmlich wirtschaftlich denken, blicken eher neidisch auf den umsatz, den die internetbörsen machen.. nur, die clubs können ja nicht auf einen schlag die preise für ihre ach so familienfreundlichen langnese-ecken und kinderfreundlichen vergnügungsparks anheben.. (ausser natürlich immer wieder der sog. "TOP ZUSCHLAG" für spiele zwischen dem 9ten und 12ten in der Tabelle..) da wird dann eine ähnliche strategie gewählt, wie bei den kippen..nur sukzessive preiserhebungen hält den zahlenden Kundenstamm zusammen.. also, viel spass in zukunft beim familienevent fussball .. wer vielleicht schon mal im rugby-, baseball-, etc-stadion im ausland war, kann meine sorge ggf nachvollziehen... BEER, BURGERS, ... SOOO BOOOOOORING ...
4. Endlich
keemmool 23.03.2010
Hallo, mich hat das Urteil gefreut. Ich wollte in letzter Zeit des öfteren Karten für ein Fussbal bzw. ein Konzert kaufen. Allerdings ist das preislich für 4 Personen nicht mehr machbar, oder wir lassen den Jahresurlaub sausen (Pink: eine Karte ~150 € x 4 = 600 € für einen Konzert Besuch mit der Familie, zzgl. Fahrt und Verpflegung). Über Karten für BL Spiele ganz zu schweigen, z.b. Bayern vs. Stuttgart 2009 Meisterschaftsendspiel. Dafür bekommt man schon nen Kleinwagen. Natürlich muss jedem Kartenbesitzer die Gelegenheit gegeben werden, seine Karten an Dritte zu veräußern, nur was besagte Seiten hier treiben, hat mit dieser Idee gar nichts (mehr) zu tun. Bleibt nur zu hoffen, dass das Urteil Schule macht, und nicht wieder Hintertürchen geöffnet werden, um den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen. Gruss keemmool
5. totale Kontrolle
brassica 23.03.2010
Es geht den Vereinen nicht um die überteuerten Ticketpreise, sondern in erster Linie darum, die totale Kontrolle darüber zu erlangen, welche Zuschauer gerade bei ihnen im Stadion sind. Dem Verein kann es ansonsten doch relativ egal sein, wenn einzelne Fans im Weiterverkauf bereit und in der Lage dazu sind, für ein Ticket erheblich mehr Geld auszugeben als den Preis, der im "Erstverkauf" dafür verlangt wurde.
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