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Fürths Derbysieg über Nürnberg: Direkt ins Frankenherz

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Erfolg für die Fans: gerade für die Anhänger ist ein Derbysieg besonders viel wert. Zur Großansicht
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Erfolg für die Fans: gerade für die Anhänger ist ein Derbysieg besonders viel wert.

Spektakuläres Franken-Derby: Das Duell zwischen Fürth und Nürnberg hatte alles, was ein tolles Fußballspiel benötigt. Und nichts, was es nicht braucht: Es blieb komplett friedlich.

Es dauerte sehr, sehr lange, bis sich der erste Spieler im grün-weißen Trikot vor den Mikrofonen blicken ließ. Als die ersten Nürnberger Fans schon längst wieder auf der heimischen Couch saßen, hüpften die Fürther Spieler immer noch wie entfesselt im eigenen Stadion herum. Die wiederum stimmte ein Spottlied nach dem nächsten auf den unterlegenen Rivalen an und zeigte damit einmal mehr, welche Bedeutung ein Spiel zwischen Nürnberg und Fürth fürs kollektive Befinden fränkischer Fußballfans hat.

Ob eine Zweitligasaison auf Platz 13 oder sieben endet, ist beiden Fanlagern reichlich egal - vorausgesetzt, keines der beiden Derbys geht verloren. "Das war unglaublich wichtig für die Moral in der Mannschaft", sagte dann auch Fürths Goran Sukalo. "Vor allem aber für die Stimmung bei den Fans und in der Stadt."

Zumal es noch wenige Sekunden zuvor die 2000 Gästefans waren, die ein kerniges "Hier regiert der FCN" in die fränkische Sommerluft riefen, denn den zwischenzeitlichen 2:2-Ausgleich hatte Alessandro Schöpf kurz vor Ende der regulären Spielzeit erzielt (85. Minute). Wobei das mit dem "Regieren" streng genommen nicht stimmte. Denn Nürnberg hatte ausgerechnet im Derby einen beängstigend schwachen Tag erwischt und stand in der Defensive reichlich unorganisiert, wie auch Sukalo ("habe mich gefreut, dass die so wacklig waren") gemerkt hatte. Hohe und weite Bälle ersetzten vorne eine Offensivstrategie, was auch deshalb nicht schön anzusehen war, weil 65 Minuten lang kaum einer davon bei einem Schwarz-Roten ankam.

Anders gesagt: Im Duell zweier bescheiden in die Saison gestarteter Mannschaften waren die Fürther über 60 Minuten um Klassen besser: leichtfüßiger, kombinationssicherer und mit der besseren Raumaufteilung. "Euch schwanzma' aff'n Bierfilzla" (für Außerfränkische: "Euch tanzen wir auf dem Bierdeckel aus") hatten die Fürther Ultras via Transparent angekündigt. Und so in etwa war es auch. "Das war die stärkste Leistung dieser Saison", freute sich Trainer Stephan Ruthenbeck. Wenn Nürnberger Spieler wie Guido Burgsteller mit Schiedsrichter Felix Zwayer ("den will ich nicht mehr sehen") haderten, hatte das trotzdem seine Berechtigung: Denn beim 2:1 durch Tom Weilandt stand der Fürther doch ziemlich deutlich im Abseits. Und in den letzten 25 Minuten war der FCN am Drücker, kurzzeitig sah es sogar so aus, als könne der Gast das Spiel noch drehen.

FCN-Anhänger reisen mit dem Fahrrad an

Den 2000 Nürnberger Fans war das Zustandekommen der zweiten Derbyniederlage innerhalb von 12 Monaten derweil herzlich egal. Wie begossene Pudel schlichen sie aus der Gästekurve, nur wenige beschimpften die Spieler, die sich mit gesenkten Köpfen für die Unterstützung bedanken wollten. Das war's, von schlimmeren Aggressionen wusste auch die Polizei nicht zu berichten. "Völlig friedlich" sei das Derby bis zum späten Nachmittag abgelaufen, vermeldete eine Polizeisprecherin.

Allerdings waren die Sicherheitsmaßnahmen auch drakonisch ausgefallen: Jeder Zuschauer, der außerhalb des Gästebereichs Nürnberger Insignien trug (und Rentner, die nur zufällig einen roten Pulli anhatten) mussten diese in einem Container mit der Aufschrift "Asservaten" abgeben. Der Zugang zum in unmittelbarer Stadionnähe gelegenen Vereinsheim der "Sportfreunde Ronhof" war zudem Stunden vor dem Anpfiff abgeriegelt worden - es war in der Vergangenheit mutmaßlich von Nürnberger Fans aufgebrochen worden, weil dort auch Material der Fürther Ultras gelagert war. Dieses Mal blieb alles friedlich. Was durchaus auch daran gelegen haben könnte, dass beide Seiten nichts Illegales geplant hatten.

Stattdessen zeigten beide Fanlager, dass eine historisch gewachsene Rivalität kreativ und intelligent zelebriert werden kann. Während die Fürther Anhänger alle fünf Treffer des 5:1-Sieges aus dem Vorjahr nachgezeichnet und in eine aufwändige Choreographie integrierten, hatten die "Club"-Fans die Anreise ebenso originell wie ökologisch korrekt durchgeführt: Per Fahrrad legten gut 1000 Fans die etwa sechs Kilometer vom Nürnberger Westfriedhof zum Fürther Ronhof zurück und schlossen ihre Räder ordnungsgemäß auf dem Parkplatz eines nahen Möbelhauses ab. Und wie so oft beim Radfahren war auch für die Gäste-Anhänger der Rückweg weniger beschwingt als der Hinweg.

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Zwayer ...
secret.007 13.09.2015
... hat in der Tat kräftig mitgeholfen. Das 1:1 der Fürther ging ein Freistoss voraus der keiner war (siehe kicker.de). Dann wurde Burgstaller vom Club alleine vorm Torwart wegen angeblichem Abseits zurückgepfiffen. Es war kein Abseits (siehe kicker.de). Und dann noch das 2:1 der Fürther aus einer glasklaren Abseitsposition. Schiri Zwayer, nur so nebenbei, war auch mal für 6 Monate gesperrt.
2. schön
pegi09 13.09.2015
.....das alles ruhig geblieben ist. so ein derby ist eine tolle sache bzw fest für franken und sollte auch als solches gesehen werden trotz aller rivalität (die muss auch gepflegt werden). sieg für franken. warum das aber nicht als montagsspiel im free tv kommt ist mir ein rätsel.
3. BurgstAller...
kudo 13.09.2015
Zermürbend anzuschauen, einfach nur schlecht gespielt, und zwischen Not und Elend hat dann nach gravierenden Fehlentscheidungen die SVGG gewonnen..
4. Applaus...
danielabadjian 13.09.2015
...für die Leistung des Schiris. So zerstört man Spiele. Vergleicht man die Deutschen mit den Englischen Schiris sind wenige deutsche gut.
5. Warum sind wir nicht der FCB
prinzbernhard 14.09.2015
Wäre der Club der FCB, dann wäre das Spiel 3.1 für Nürnberg aus gegangen, trotz Krottenkick. Das machen die Bayern auch, mit dem Unterschied das bei denen der Schiri entsprechend nach hilft. Irgendwie wird man den Verdacht nicht los, dass in den Liegen da was nicht stimmt, oder? So schlechte Schiedsrichter-Leistungen haben jetzt nichts mit schnellerem Spiel zu tun, Herr Zwayer war schon einmal ein halbes Jahr gesperrt und so einen schickt man dann zu einem Derby. Das kann doch nicht sein. Einspruch einlegen.
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