Schlusslicht Fürth: Einfach zu schlecht für die Bundesliga

Von Christoph Ruf, Fürth

Abstiegskampf in der Fußball-Bundesliga: Pleite im Kellerduell Fotos
DPA

Greuther Fürth steht wohl als erster Absteiger fest - das leugnen noch nicht einmal mehr die Verantwortlichen. Gegen zuletzt alles andere als überzeugende Hoffenheimer lieferte der Tabellenletzte eine indiskutable Leistung ab und plant nun für die Zweite Liga.

Immerhin Fürths Fans amüsierten sich scheinbar prächtig. Als auch dem letzten Zuschauer im Ronhof klar war, dass die 0:3-Heimniederlage gegen Hoffenheim in Stein gemeißelt war und somit der Abstieg so gut wie feststand, eröffneten sie eine amtliche Kurven-Party. Auf Kommando zählte der ganze Fanblock von "Zehn" herunter, bei "Eins" sprangen hunderte Fans laut jubelnd durcheinander. Ganz so, als sei gerade wirklich ein Tor gefallen.

Der Sarkasmus auf den Stehplätzen wirkte ansteckend. Kurz darauf gab es Standing Ovations und "Oh, wie ist das schon"-Gesänge des ganzen Stadions. "Das hat wehgetan", sagte Fürths Mittelfeldmann Stephan Fürstner nach dem Spiel. "Wir haben den Fans zu Hause in dieser Saison aber auch nicht viel gezeigt."

Mit dem Schlusspfiff kippte der kollektive Galgenhumor in offene Wut: "Wir sind Fürther, und ihr nicht", skandierten die Fans. Und: "Helmut raus". Helmut Hack, der Fürther Präsident, ist für viele Anhänger der eigentliche Schuldige an der Misere. Dass er den Aufstiegshelden Mike Büskens feuerte, ohne einen Plan B für dessen Nachfolge zu haben, nehmen ihm viele genauso krumm wie die weitgehend von ihm zu verantwortenden misslungenen Sommertransfers.

Bislang nur jämmerliche 14 Punkte für Fürth

Immerhin: Wenige Minuten nach dem Abpfiff besaß der einst unantastbare Alleinherrscher die Größe, auf Durchhalteparolen zu verzichten: "Wir können die Tabelle lesen und wissen was das bedeutet", sagte er dem TV-Sender "Sky". "Wir planen für die Zweite Liga." Mit jämmerlichen 14 Punkten liegt das Kleeblatt sieben Zähler hinter Augsburg auf Relegationsrang 16. Die wären theoretisch sogar noch aufzuholen. Allerdings nicht mit einer dermaßen indiskutablen Leistung, wie man sie ausgerechnet im "Endspiel ohne Elfmeterschießen" ("Fürther Nachrichten") zeigte.

Mergim Mavraj hatte "Feuer, Kampf, Leidenschaft" angekündigt. Nach dem Spiel musste der Fürther Kapitän eingestehen, dass es gegen Hoffenheim genau an diesen Tugenden gefehlt hat. Doch die Wahrheit sei noch grausamer: "Immer von Leidenschaft und Wille zu sprechen, ist zu billig. In der ersten Liga geht es auch darum, Fußball zu spielen und Eins-zu-eins-Situationen zu gewinnen."

Mit anderen Worten: Fürth ist einfach zu schlecht für die Bundesliga. Es reicht hinten und vorne nicht. Und wenn man die Dinge nüchtern betrachtet, ist das auch kein Wunder bei einer Mannschaft, die mit einem 12-Millionen-Euro-Etat versucht, in einer Liga den Kopf über Wasser zu halten, in der ein einziger Topverdiener brutto ziemlich genau diese Summe verdienen dürfte.

Slapstickartige Fehler vor den Gegentoren

Dass die Partie gegen die starken Hoffenheimer verlorenging, hatte allerdings nicht nur mit den individuellen Defiziten zu tun, sondern mit Schnitzern, wie sie nur unkonzentrierten Spielern unterlaufen. Spätestens nach zehn Minuten war deshalb klar, dass hier nur eine Mannschaft gewinnen würde. Nach 16 Minuten stand es fest.

Da führte Hoffenheim nach Treffern von Firmino (10.) und Joselu (16.) bereits 2:0. Bei beiden Toren hatte Fürth slapstickartige Fehler im Defensivverhalten gezeigt. Als Tobias Weis unmittelbar nach dem Seitenwechsel auf 3:0 erhöhte (50.) - diesmal hatte Milorad Pekovic ohne jede Not den Ball in der eigenen Hälfte vertändelt - war die Niederlage und damit wohl der Abstieg besiegelt.

Es blieben allerdings noch 40 Minuten zu spielen. Komplett unverständlich also, warum Interimstrainer Ludwig Preis mit Nikola Djurdjic schließlich seinen erfolgreichsten Torschützen vom Platz nahm, als er endlich Christopher Nöthe einwechselte und somit mit einem einzigen Stürmer weiterspielen ließ. Darauf angesprochen, warum er nicht alles auf eine Karte gesetzt habe, gab Preis eine bemerkenswerte Antwort: "Hoffenheim hatte noch einen Lattentreffer, da mussten wir vorsichtig sein."

Stimmt, sonst wäre womöglich noch das 0:4 gefallen, da spielt man im Endspiel um den Klassenerhalt lieber auf Ergebnishalten. Preis, der - wie man in den Spielen gegen Leverkusen und den HSV sah - in den vergangene Wochen auch vieles richtig gemacht hat, wird wohl schon bald wieder die vereinseigene U23 trainieren. Fürth wird laut Hack in der kommenden Woche einen neuen Coach präsentieren, dessen Kontrakt auch in der Zweiten Liga gilt. Der heißeste Kandidat scheint Frank Kramer zu sein, aktuell U23-Trainer in Hoffenheim.

Die etwa 800 mitgereisten Hoffenheim-Fans bewiesen übrigens ähnlich wie ihre Fürther Supporter-Kollegen trotz Abstiegskampf eine anständige Portion Humor. Per Transparent grüßten sie den tief gefallenen Keeper Tim Wiese und empfahlen ihm per Transparent, die nächste Auswärtsfahrt einfach in ihrer Mitte zu verbringen: "Ey Tim, fahr ma auswärts. Wir zahlen den Alk!"

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 15 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Ein bißchen Taktgefühl, bitte
mb52 09.03.2013
Ich bin weiss Gott kein Anhänger von Fürth, aber die Titelwahl ist unterste Schublade, die mit Fairplay nichts zu tun hat. "Einfach zu schwach für die Bundesliga" hätte vielleicht nicht das Gefühl aufkommen lassen, dass da jemand auf Einen, der eh schon am Boden liegt, unnötig weiter drauf haut. Und die Aussage wäre das Gleiche.
2. optional
Bruder der Zeit 10.03.2013
In Fürth kann man sich jetzt in Ruhe auf Liga 2 konzentrieren, man sollte schonmal Ausschau nach neuem Spielermaterial halten und jungen Spielern in Liga 1 noch etwas Spielpraxis verschaffen, dies kann später den Marktwert positiv beeinflussen. Über die 1. Liga muss man nichtmehr nachdenken, das Ding ist definitiv durch. Schade, ich hätte es den Kleeblättern gegönnt. Ob Hoffenheim nächstes Jahr noch Bundesliga spielen wird, daran glaube ich nicht, die Augsburger werden am Ende die Nase vorn haben.
3.
loncaros 10.03.2013
Als Clubfan wäre es mir gar nicht so ungelegen gekommen, jedes Jahr neben Bayern noch ein zweites Derby zu haben (Das wir sehr viel wahrscheinlicher gewinnen) und es wäre schade gewesen, wenn Fürth den Klassenerhalt knapp nicht geschafft hätte. Aber sie so katastrophal absaufen zu sehen, das ist auch schön. :-)
4. 20 Teams
Liechtenstein 10.03.2013
Solange Teams wie Hertha oder Köln in der 2. Liga sind haben Vereine wie Fürth nichts in der 1. Liga zu suchen. Ansonsten soll der DFB endlich auf 20 Teams aufstocken. Dann kann von mir aus auch Fürth mitspielen.
5. Keine Überraschung
trompetenmann 10.03.2013
Wer etwas anderes erwartet hatte, muss ein gnadenloser Optimist gewesen sein. So bezahlt Fürth jetzt eben Lehrgeld. Vielleicht klappts nach dem nächsten Aufstieg besser? Denn dass man auch ohne großen Etat in der BuLi mithalten kann, zeigt immer wieder der SC Freiburg. Aber man muss wissen , wie...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Fußball
RSS
alles zum Thema Fußball-Bundesliga
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 15 Kommentare
  • Zur Startseite
Fotostrecke
Fußball-Bundesliga: Jubiläumstor im Derby, Torpremiere in München

Themenseiten Fußball
Tabellen