Groundhopping Die Sucht nach dem nächsten Spiel

50 Spiele weltweit sieht er pro Jahr: Der Hamburger David Gohla sammelt Fußballplätze wie andere Menschen Briefmarken. Groundhopping nennt sich sein Hobby, es kann abhängig machen. Kennen Sie das auch?

David Gohla

Von Eva Siegfried


Manche Menschen sammeln Briefmarken, andere Oldtimer. David Gohlas Leidenschaft ist anders, sie brachte ihn nach Auckland, Sarajewo, Jena. Dank seines Hobbys kommt er viel herum. Seit 2007 ist Gohla in 130 Stadien in 26 Ländern gereist, insgesamt hat er fast 400 Spiele gesehen. Der 35 Jahre alte Hamburger sammelt Fußballstadien, Groundhopping nennt sich das.

Es ist ein Trend, der mittlerweile weit verbreitet ist. Strikte Regeln kennt das Groundhopping - zumindest auf dem europäischen Festland - dennoch nicht. Für Gohla gilt: Ein Ground muss mit einem Fußballspiel verbunden sein, der bloße Stadionbesuch zählt nicht. Und er versucht, so lange wie möglich beim Spiel zu bleiben, meistens sieht er es komplett. Wenn er aber einen Flieger erwischen muss oder die nächste Partie wartet, können es auch mal fünf Minuten weniger sein.

"Ich unterscheide zwischen Stadion und Sportplatz. Zu einem richtigen Stadion gehört für mich eine Tribüne", sagt Gohla. Die neuen Arenen, "Klötze am Stadtrand" wie er sagt, mag er dennoch nicht. "Ich bin eher ein Fußballromantiker, vielleicht auch Nostalgiker. Ich würde ein Zweitligaspiel in Litauen dem spanischen Clásico vorziehen."

Anstoßzeit, Ort, Ticketkauf - alles muss geprüft werden

Den Fußball, seine Kultur und die Atmosphäre im Stadion, das alles mag Gohla lieber rau als glatt. Er suche das Besondere. Auch deshalb besucht er lieber Spiele im Ausland - zumal er die Stadien der 1. und 2. Bundesliga fast alle kennt.

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  • AP/dpa
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Sein Hobby kostet Zeit: die internationalen Reisen, die Recherchearbeit. Hilfe leisten Groundhopping-Datenbanken, doch nicht immer könne man sich auf die Informationen verlassen, sagt Gohla, der hauptberuflich für ein Fußballmagazin arbeitet.

Das gilt vor allem für die Ligen in Osteuropa. In Bosnien und Herzegowina hätten viele Vereine nicht einmal eine eigene Webseite, sagt Gohla, da muss jede Info, sei es Anstoßzeit, Ort oder Ticketkauf, geprüft werden. Auch ohne entsprechende Sprachkenntnisse. Mehr als ein grober Plan ist da nicht möglich, vieles entscheidet sich erst vor Ort. Es ist ein Abenteuer.

"Ein bisschen wie eine Sucht"

Gohla mag diese Spannung und die Ungewissheit, sie steigern seine Vorfreude auf die Reise und auf das Spiel. Durch das Groundhopping kann er zwei Leidenschaften verbinden, Reisen und Fußball. Wann immer es geht, versucht er deshalb, etwas von der Stadt, dem Land und der Kultur mitzunehmen. Oder er geht den umgekehrten Weg und verbindet einen geplanten Urlaub mit dem Besuch eines Stadions.

Highlight seiner Groundhopper-Karriere war eine Reise durch den afrikanischen Kontinent, die ihn durch 21 Länder und über 24.000 Kilometer weit führte. Dabei hat Gohla unter anderem Spiele in Namibia und der Elfenbeinküste gesehen. Ein Trip, den er mit Freunden unternahm, sonst reist er allein. "Bei einer zehntägigen Groundhopping-Tour durch Sachsen und Thüringen hört bei vielen das Verständnis auf", sagt er.

50 Spiele sieht Gohla im Schnitt pro Jahr. "Manchmal fühlt es sich schon ein bisschen wie eine Sucht an", sagt er. Aus diesem Grund habe er auch mal auf die Bremse getreten und sogar Spiele abgesagt, als er merkte, dass ihm alles zu viel wurde. "Da gibt es zwar einige Leute, die das Hobby noch wesentlich extremer betreiben und fast jeden Tag ein Spiel sehen. Aber mein Job ist Fußball, ich spiele selbst Fußball und Groundhopping bedeutet auch Fußball", sagt er.

An seiner Leidenschaft ändert das aber nichts, auch in diesem Jahr sollen noch ein paar Grounds dazukommen: Gohla fliegt im Dezember nach Malaga, es stehen Spiele in Spanien, Gibraltar und Marokko auf dem Programm. Nächstes Jahr möchte er ins Mutterland des Fußballs, nach England. Norwich City, Stoke City und Leeds United reizen ihn. Die alte Fußballerweisheit gilt eben auch für Groundhopper: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.



insgesamt 6 Beiträge
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Erweller 27.10.2015
1. schlechtes Beispiel
Klar: man nimmt gerne als Beispiel jemanden, den man kennt. In dem Fall jemanden, der aus der Social-Media-Branche kommt - und der vor einem halben Jahr schon einmal in einem Artikel der ZEIT beschrieben wurde. Aber: für einen Groundhopper ist er einfach ein schlechtes Beispiel. Es gibt Hopper, die nehmen an einem Wochenende locker mehr als 5 Spiele mit. Die verwenden all ihre Freizeit in dieses Hobby. Nebenbei hätte man auch mal auf die Vereinigung der Groundhopper Deutschlands, auf die Herkunft des Hoppings oder den 92 Club hinweisen können. All dies wäre mit einer einfachen google-Suche möglich gewesen. Also: wenn ihr schon über Hopping berichtet - was ich gut finde - dann doch bitte etwas ausführlicher und exakter. Und nicht als "Abfeiern" eines Kollegen.
mmaaeepp 27.10.2015
2. England
wenn er nach England kommt, dann noch unbedingt Fulham in London mitnehmen, fuer mich das schoenste Stadion im UK!
Der Achtsame 27.10.2015
3. Ein bisschen Recherche im Internet
zeigt sehr deutlich, dass der gute Mann nicht krank, sondern sehr geschäftstüchtig ist. Andere haben nicht die Mittel, ins nächste Dorf zu reisen und Spiegel-Online will uns erzählen, dass ein wohlhabender Globetrotter der in der ganzen Welt Fußballplätze besucht, krank werden könnte. Das nenne ich die Krone der Dekadenz. Haben wir sonst noch Probleme oder ist das alles. Hochwertiger Journalismus ist das.
fussball11 27.10.2015
4.
50 Spiele im Jahr ist doch das normale Programm für einen Vereinsfan. 34 Pflichtspiele, dazu Pokal und ab und zu zur 2ten, dann hast du schon mehr. Der Gute Mann ist Tourist der dabei mal ein Spiel besucht, Ground Hopping ist eine andere Liga. P.S. wenn ich mit meiner Frau Städtereisen mache, sucht sie die Stadt aus und ich den Termin , damit ich mir ein schönes Spiel ansehen kann - bin ich jetzt auch Ground Hopper?
buppert 27.10.2015
5. Groundhopping light
... nenne ich mein Hobby. ;) Wobei sicher jeder echter Groundhopper ob meiner Auslegung beleidigt ist. Egal. Ich sammle zwar auch Stadien, allerdings eher durch reines abklappern, besichtigen oder einer Stadiontour. Meine oberste Regel: man muss den Rasen gesehen haben, was manchmal gar nicht so einfach ist. So steuere ich in jedem Urlaub erst mal das nächste Stadion an, wenn sich das noch mit einem Spiel verbinden lässt, ist das natürlich um so besser. War allerdings bisher nur in Europa (inkl. Georgien) unterwegs und extra dafür in der Weltgeschichte würde ich auch nicht rumreisen. Aber kann schon verstehen, dass sowas Spaß macht (sage ich als Frau).
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