Bundestrainer Löw und die Nationalelf Da geht noch mehr

Joachim Löw hat Deutschland ins WM-Halbfinale gegen Brasilien geführt - mit effektivem, aber nicht immer schönem Fußball. Selbst wenn das Team nun scheitert, sollte der Trainer bleiben. Seine Mission ist noch nicht vorbei.

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Eigentlich kann sich Joachim Löw heute Abend ganz entspannt auf der Trainerbank zurücklehnen und das Fußballfest von Belo Horizonte genießen. Er hat das Team ins Halbfinale gebracht, das Soll ist erfüllt. Alles Weitere ist die Zugabe.

In Brasilien gegen Brasilien zu gewinnen, das wäre das Höchste. Aber trotz Neymar und Thiago Silva, die dem Gegner schmerzlich fehlen werden: In Brasilien gegen Brasilien zu verlieren, das wäre immer noch der Normalfall. Durch die Ausfälle der zwei Stars mag der Gastgeber nicht mehr der Top-Favorit sein, Favorit ist er immer noch.

Aber selbst wenn das DFB-Team auch diese Hürde nimmt und am Sonntag in Rio de Janeiro den so lang ersehnten Titel holt: Löw sollte weitermachen, auch wenn die Versuchung noch so groß ist, auf dem vermeintlichen Höhepunkt abzutreten. Denn seine Mission ist noch nicht erfüllt.

Die WM 2010 war wunderbar - aber im Halbfinale war Schluss

Es ist sehr viel geschrieben worden über den Systemwechsel, den Löw und die Mannschaft vor und in diesem Turnier vorgenommen haben. Kurz zusammengefasst: Pro Defensive, gegen den Euphoriefußball. Das ist sehr lobend als Reifeprozess dieses Teams gewertet worden. Weniger geschrieben wurde darüber, was dadurch verloren ging. Der Rausch, die Aufbruchstimmung, die pure Freude beim Zugucken.

Wer sich bei YouTube einen Zusammenschnitt der Tore des DFB-Teams von vor vier Jahren in Südafrika anschaut, der muss ein bisschen melancholisch werden. Welche Wucht, welches Tempo, welche Begeisterung, welch Spaß an der Freud'.

Wenn Mesut Özil seine Kringel drehte, Bastian Schweinsteiger über den halben Platz sprintete - mit Ball am Fuß. Es war wunderbar. Aber es war eben im Halbfinale vorbei.

Löw hat der Nationalmannschaft damals diesen rauschhaften Fußball beigebracht, er hat ihr jetzt den nüchternen Ergebnisfußball verordnet. Er sollte die Zeit bekommen, künftig beides miteinander zu vereinen.

Schön spielen UND gewinnen. Das muss das nächste Projekt sein. Wenn er das geschafft hat, kann er beruhigt abtreten. Dann hat er wirklich alles erreicht.

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Soll Joachim Löw Bundestrainer bleiben?

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Peter Ahrens ist Redakteur im Sportressort von SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Peter.Ahrens@spiegel.de

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Nullteiler 08.07.2014
1. Schoenes Spiel, schoener Sieg
Ein schoenes Spiel ist es gewesen, wenn man gewonnen hat! Ich war. Vor 40 Jahren beim Muenchner WM-Finale, hab hinter Sepp Maiers Tor (2. Halbzeit) gestanden. Was waren die Hollaender schoen anzusehen! Was haben die Deutschen malocht! Und was haben wir uns soooo gefreut, dass ich nach 40 Jahren kaum etwas Wesentliches vergessen habe....
Jeff A. 08.07.2014
2.
Tatsächlich schütte ich als Fußballzuschauer mehr Glückshormone aus wenn ich ein schönes packendes Spiel sehe als bei der bloßen Tatsache dass die Mannschaft eine Trophäe gewinnt (durch ein nicht so schönes Spiel). Als Trainer wäre es mir aber vermutlich sowas von Wurst wie gespielt wird, solange ich nur gewinne. Löw mag ja kein schlechter Trainer sein, aber es gibt sicher auch bessere.
nukedawhales 08.07.2014
3.
Gestern fragte mich ein griechischer Kollege: Warum seid ihr Deutschen eigentlich nie zufrieden? Wenn unser Team gewinnt, egal wie... wir feiern die ganze Nacht. Wenn euer Team gewinnt, analysiert ihr, daß Schweinsteiger in der Situation x 5cm weiter links stehen könnte. Die Frage reiche ich gerne weiter.
scotty56 08.07.2014
4. wenn
bei den Abstimmfragen nur ja, nein, egal stehen würde, könnte ich mich mit einer Beteiligung anfreunden. Die jeweiligen Zusätze, die immer wieder bei Ihren Abstimmfragen stehen, sind mehr als billig und gehören in die entsprechenden Printmedien.
ekel-alfred 08.07.2014
5. Koan Titel = koan Löw
Zitat von sysopDPAJoachim Löw hat Deutschland ins WM-Halbfinale gegen Brasilien geführt - mit effektivem, aber nicht immer schönem Fußball. Selbst wenn das Team nun scheitert, sollte der Trainer bleiben. Seine Mission ist noch nicht vorbei. http://www.spiegel.de/sport/fussball/halbfinale-deutschland-gegen-brasilien-kommentar-zu-joachim-loew-a-979764.html
Seine Mission sollte dann vorbei sein! Selbst Berti Vogts (sicher auch nicht der Top Trainer) hat in acht Jahren Nationalmannschaft (1990-1998) wenigstens einen Titel geholt (Europameisterschaft 1996), übrigens der letzte Titel der deutschen Mannschaft.
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