HSV-Boss Hoffmann "Pyrotechnik ist ein Teil der Fankultur"

Pyrotechnik hat dem Hamburger SV zuletzt hohe Geldstrafen eingehandelt. Das möchte Klubchef Bernd Hoffmann ändern - und plädiert dafür, alternative Lösungen zuzulassen.

Szenen von letztem Bundesligaspiel beim HSV
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Szenen von letztem Bundesligaspiel beim HSV


Der Hamburger SV musste in der vergangenen Saison über 200.000 Euro Strafe für Pyrovergehen seiner Fans zahlen, seit dem Abstieg in die 2. Bundesliga sind rund 100.000 Euro hinzugekommen. So wundert es nicht, dass Klubchef Bernd Hoffmann ein Umdenken beim Umgang mit Pyrotechnik in Fußballstadien fordert. Der 56-Jährige plädiert dafür, ein kontrolliertes Abbrennen von Pyrotechnik zu legalisieren.

"Klar ist, dass wir einen anderen Umgang mit der Thematik brauchen als bisher", sagte Hoffmann dem "Hamburger Abendblatt": "Die einfache Sanktionierung von Pyrovergehen hat bislang zu keinem besseren Umgang mit der Thematik geführt - ganz im Gegenteil." Mehr als die Hälfte der Strafen aus der vergangenen Saison entfielen auf die Sanktionen nach der durch Rauchbomben erzwungenen Spielunterbrechung beim letzten Bundesligaspiel gegen Mönchengladbach im Mai 2018.

Hoffmann und andere Klubverantwortliche haben bereits den Dialog mit den verschiedenen HSV-Ultragruppen gesucht und wollen nun auch auf die Polizei, Feuerwehr, die Stadt Hamburg und den Deutschen Fußball-Bund (DFB) zugehen. "Wenn man sich eingesteht, dass Pyro ein Teil der Fankultur ist, und das haben wir, dann muss man zumindest über alternative Lösungen ernsthaft nachdenken", sagte Hoffmann: "Aus unserer Sicht ist die Diskussion überfällig."

Die Hamburger Polizei hat laut "Abendblatt" bereits Gesprächsbereitschaft signalisiert. Entscheidend sei dabei, dass alternative Konzepte zu den bisherigen, bis zu 2000 Grad heißen Bengalos gefunden würden. "Klar ist natürlich, dass die Sicherheit im Stadion oberste Priorität hat", sagte Hoffmann.

Neben festgelegten Zonen, in denen Pyrotechnik kontrolliert abgebrannt werden könnte, gilt eine in Dänemark entwickelte sogenannte "kalte Fackel" als Alternative. Dort sollen Temperaturen von 230 statt über 2000 Grad Celsius und eine nur geringe Rauchentwicklung erreicht werden.

krä/sid



insgesamt 69 Beiträge
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briancornway 14.02.2019
1. Vorbei
Ein kontrolliertes Abfacklen von weniger gefährlichen Pyros klingt zwar erstmal charmant, geht aber an der Fan"kultur" eher vorbei, fürchte ich. Vielen geht es ja gerade darum, etwas Gefährliches und Verbotenes zu tun und nicht dafür belangt zu werden, weil sie sich dann mal stärker und mächtiger fühlen als die Umstände in denen sie leben. DAS ist leider der Teil der Fankultur, der sich u.a. mit verbotenen Pyros ausdrückt. Vereinsübergreifend.
Gmorker 14.02.2019
2. Dann muss sich das halt ändern.
"Wenn man sich eingesteht, dass Pyro ein Teil der Fankultur ist, ..." ... das kann man sich ja gerne eingestehen, davon wird es aber noch lange nicht notwendig. Fankultur kann sich auch ändern und wenn mir ein Fussballfan sagt, das er ohne Pyrotechnik keine Stimmung erleben kann, dann sage ich ihm, das er kein Fan ist.
vancouverona 14.02.2019
3. Diese Verharmlosung ist einfach schändlich
Pyrotechnik fällt unter das Sprengstoffgesetz, das Abfackeln verpestet die Luft und ist damit ein Fall für diverse Umweltgesetze. Das durchaus nicht unübliche werfen von brennenden Bengalos erzeugt allzu oft nur durch Zufall und Glück keine schweren Körperverletzungen. Mit der gleichen dämlichen Begründung wie bei Herrn Hoffmann könnte man im übrigen auch die körperliche Gewalt gegen gegnerische Fans oder Vergewaltigung von weiblichen Anhängerinnen der gegnerischen "Mann"schaft durch besoffene Fans als "Teil der Fankultur" freigeben. Beides ist zum Glück inzwischen verboten!!
leofabian 14.02.2019
4. Unverantworlich
Herr Hofmann ist ein unverantwortlich handelnder Mensch. Die Spaßkultur über die Gefährdung von Menschenleben zu stellen entspringt dieser unersättlichen Gier, die im Fußball Business alltäglich geworden ist. Abstoßend! Es wird Zeit das die Vereine die Polizeieinsätze in Rechnung gestellt bekommen zusätzlich zu den Strafen wie der o.e.
hileute 14.02.2019
5. vielmehr sollte man sich fragen
wie überhaupt Pyrotechnik ins Stadion kommt, wo doch normalerweise Taschenkontrollen stattfinden?
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