HSV-Präsident Bernd Hoffmann Aufstellen für den Abstieg

"Hoffmann raus!" Unmittelbar nach seiner hauchdünnen Wahl muss der neue HSV-Präsident erleben, wie schwer es wird, den zerstrittenen Verein zu führen. Sein Plan: keine Kontinuität.

Bernd Hoffmann
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Bernd Hoffmann

Von Daniel Jovanov


Bernd Hoffmann hat sich diesen Tag wahrscheinlich anders vorgestellt. Er ist angetreten, um neuer Präsident der Amateur- und Breitensportler des Hamburger Sport-Verein e.V. zu werden. Und er ist es mit 585 von 1159 Stimmen auch geworden. Aber mit so einem dramatisch knappen Ergebnis hat vor dieser wichtigen Wahl kaum jemand gerechnet.

Kurz nach der Bekanntgabe verließ der 55-Jährige in Begleitung des Sicherheitsdienstes unter lauten "Hoffmann raus!"-Rufen den Saal, um sich den Medien zu stellen. Von der Energie und Überzeugung, mit der er einige Stunden zuvor sein Team und seine Ziele präsentiert hatte, war während der Interviews nicht mehr viel zu sehen.

"Gegner im eigenen Verein"

Hoffmann hat schnell verstanden, mit welch großem Gegenwind er seine neue Aufgabe beim HSV antreten muss. Und dass es ihm trotz der medialen Offensive im Vorfeld dieser Wahl nicht gelungen ist, noch mehr Mitglieder zu mobilisieren. Statt Aufbruchsstimmung hinterließ die Veranstaltung eher ein Gefühl tiefer Spaltung.

Die Einschätzung des neuen Präsidenten: "Die Schwere der Aufgabe nehme ich schon wahr und bin sehr nachdenklich. Wenn wir den Gegner im eigenen Verein sehen, werden wir es zu nichts bringen." Noch mehr Unruhe als ohnehin kann das labile HSV-Gebilde wahrlich nicht gebrauchen.

Erfahrung mit Zuständen wie diesen hat Hoffmann jedenfalls genug. Schon während seiner Amtszeit als Vorstandsvorsitzender zwischen 2003 und 2011 sah er sich zum Teil heftiger Kritik der Basis und großen Teilen des Aufsichtsrates ausgesetzt. Nun rückt er als Präsident und Vertreter des Mehrheitsgesellschafters der HSV Fußball AG selbst in das höchste Kontrollgremium der gesamten Struktur. Und will möglichst bald Klarheit auf allen Ebenen schaffen.

Für kurzfristige Veränderungen ist es wohl zu spät

"Es geht darum, dass die sechs, sieben, acht relevanten Positionen in einem Verein gut besetzt sind", sagt Hoffmann. Was er meint, aber nicht deutlich ausspricht: Sie sind es seiner Meinung nach nicht. Angefangen vom Vorstandschef bis hin zum Chefscout. In Anbetracht von sechs Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz eine nachvollziehbare Haltung.

Doch wahrscheinlich verknüpfen Hoffmanns Befürworter mit seiner Wahl zu große Erwartungen. Kurzfristige Veränderungen wird er nicht herbeiführen können. Als Präsident des e.V. und Aufsichtsrat der ausgegliederten Profifußballabteilung hat er keinen unmittelbaren Einfluss aufs operative Geschäft.

Für eine Neubesetzung in der Führungsetage des HSV braucht er nicht nur eine Mehrheit im erst zwei Wochen vor dieser Wahl neu zusammengestellten Aufsichtsrat - es ist wahrscheinlich auch schon viel zu spät dafür. Und generell scheint fraglich, warum die formschwachen Profis unter einem neuen Vorstandsvorsitzenden erfolgreicher Fußball spielen sollten.

"Ich halte Kontinuität für die falsche Strategie"

Hoffmanns Aufgabe beim HSV wird eine andere sein: Er muss alle offenen Fragen im Verein aus einer langfristigen Perspektive heraus betrachten. Ist Heribert Bruchhagen im Falle eines Abstiegs in die zweite Liga der richtige Mann für das Projekt Wiederaufstieg? Ist Jens Todt der richtige Sportchef, um einen zukunftsfähigen Kader zusammenzustellen? Und ist Investor Klaus-Michael Kühne der richtige Partner für die Zukunft des HSV? "Ich halte Kontinuität für die falsche Strategie. Wir müssen alles auf den Prüfstand stellen", kündigte Hoffmann an.

Fast vier Jahre nach der Ausgliederung des Profifußballs ist der HSV am Tiefpunkt angelangt. Dabei versprachen die damaligen Initiatoren, dass alles besser werden würde: professionellere Strukturen, geordnete Finanzen, eine entwicklungsfähige Mannschaft. "Aufstellen für Europa" lautete der Claim der aufwendig verbreiteten Werbekampagne. Eingetreten ist von den vielen Versprechungen kaum etwas. Das Gegenteil ist der Fall: Der HSV stellt sich nicht für Europa auf. Sondern für den Abstieg.



insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
schlegel69 18.02.2018
1. Ich freue mich schon...
Also ich freue mich schon auf das Heim- und Auswärtsspiel gegen den HSV in der nächsten Saison. Viele Grüße aus Paderborn -schlegel-
lafari 18.02.2018
2.
Der verein gehört in die dritte liga damit mal endlich ruhe einkehrt. Wer im leben keinen dreck gefressen hat, wird sich der situation beim HSV nicht bewusst werden.
rainer82 18.02.2018
3. Einst mit Schimpf und Schande vom Hof gejagt,
und nun wieder aufgetaucht aus dem Nichts. Den Täter zieht es offenbar immer wieder zurück zum Tatort. Zum Glück ist es inzwischen zu spät, um noch mehr Unheil anzurichten. Höchstens im Frühjahr 2019 den Abstieg aus der 2. in die 3. Liga. Hoffmann und sein Gruselkabinett werden das schaffen. Nur der Ha-Ha-Ha-SV!
spon_2937981 18.02.2018
4. Ausgliederung
Hm, sind nicht fast überall die Profis ausgegliedert? Daran wird es nicht liegen, dass der HSV da ist, wo er ist. Nein, man hat einfach ganz zuverlässig absolute Nichtskönner auf den relevanten Positionen beschäftigt. Und wenn man sich vom einen getrennt hat (den man natürlich weiterbezahlen muss), stand der nächste (ebenfalls Nichtskönner) schon vor der Tür. Dafür hat man immer schön Ablösesummen bezahlt - in Karlsruhe und andernorts lacht man sich heute noch schlapp. Als man Jens Todt verpflichtet hat, war klar, dass man mit aller Macht in die 2. Liga will. Und dort wird man hart und heftig aufschlagen, denn der ist einer der allergrößten Nichtskönner. Man könnte ja treue Seelen wie Diekmeier halten - nicht der beste Verteidiger, aber für die 2. Liga super. Aber nee, den lässt man jetzt ablösefrei gehen. Wie doof. Ebenso Nikolai Müller. Hätte man halten können. Jetzt für lau weg. WIE soll der HSV wieder aus der 2. Liga hochkommen? Ich prognostiziere dem HSV: Entweder sie schaffen den sofortigen Wiederaufstieg (die Chance sehe ich bei 0,1 Prozent), oder wir sehen den HSV frühestens in 15 Jahren wieder in der Bundesliga - falls überhaupt jemals wieder. Echt eine Schande, wie so ein paar Hohlbirnen diesen altehrwürdigen Verein zugrunde gerichtet haben.
japhyryderson, 18.02.2018
5. Quo Vadis HSV?
Mann! Waren die Hoffnungen nach der Ausgliederung des Profifussballs beim HSV groß! Ich habe da nicht einen Zentimeter Fortschritt entdecken können. Aber einige Fachleute mit Glamourfaktor, bei denen ich mich fragte: Haben die eigentlich Ahnung? Da haben sich zu viele versucht, in der sinkenden Sonne noch ein paar Strahlen abzubekommen.
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