Beurlaubung von Zinnbauer Der HSV wartet auf die große Lösung

Der Hamburger SV präsentiert die nächste Notlösung: Mit Peter Knäbel folgt dem beurlaubten Josef Zinnbauer der Sportchef als Trainer, ein Risiko für beide Seiten. Im Sommer soll dann ein großer Name präsentiert werden.

Sportchef Knäbel (l.): Der neue Coach beim HSV, Zinnbauer (r.) geht
DPA

Sportchef Knäbel (l.): Der neue Coach beim HSV, Zinnbauer (r.) geht


SPIEGEL ONLINE Fußball
Peter Knäbel hat drei Jahre als Trainer in der Jugendabteilung des 1. FC Nürnberg gearbeitet, diente dem Schweizer Drittligisten FC Winterthur zwei Jahre als Spielertrainer. Das ist wenig Seitenlinien-Erfahrung für einen Mann, der an diesem Montag eine der schwierigsten Missionen beginnt, die der deutsche Fußball zu bieten hat: Knäbel soll den Hamburger SV vor dem ersten Abstieg der Vereinsgeschichte retten.

Sechs Spiele hat der HSV zuletzt nicht gewonnen. Nach der 0:1-Niederlage am Freitag gegen Hertha BSC und dem Absturz auf den Relegationsplatz sah sich die Vereinsführung um Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer gezwungen, Trainer Josef Zinnbauer nach einem halben Jahr im Amt zu beurlauben - auch wenn der Verein eigentlich überzeugt war vom ehemaligen Übungsleiter der U23, von seiner Idee vom Fußball und seinem Eifer.

Zinnbauer habe sich seiner Arbeit "mit großer Leidenschaft und maximalem Engagement verschrieben", rief Beiersdorfer dem Trainer zum Abschied hinterher. Aber das reichte eben nicht. Mit 16 Toren hat der HSV den schlechtesten Angriff der Liga.

Wieder eine interne Lösung

Überraschend am Trainerwechsel beim HSV ist nicht Zinnbauers Demission. Auf seine Ablösung konnte man nach der Niederlage im Kellerduell gegen Hertha gefahrlos wetten. Überraschend ist, dass der Verein die Nachfolge intern regelt, indem er Sportchef Knäbel zum Interimstrainer macht. Das einzige erkennbare Argument für ihn ist, dass er "die Mannschaft und die Umstände am besten" kenne, wie Beiersdorfer sagt, und dass Knäbel in der Lage sei, "sofort zu handeln". Und um nichts anderes als um schnelle Hilfe geht es dem Hamburger SV.

Fotostrecke

19  Bilder
HSV-Trainer seit 1997: Von Pagelsdorf bis Knäbel
In der zweiwöchigen Länderspielpause muss Knäbel die Mannschaft auf die verbleibenden acht Saisonspiele einstellen, auf den Zieleinlauf im Abstiegskampf. Und das Programm meint es nicht gut mit dem HSV: Die kommenden Gegner heißen Bayer Leverkusen, VfL Wolfsburg und Werder Bremen. Knäbels Wahl zeigt, dass die Vereinsführung offenbar nicht überzeugt war von der Zwischenlösung mit dem ehemaligen HSV-Profi Thomas von Heesen. Er soll für den Job als Übergangstrainer zur Verfügung gestanden haben. Der Name Bruno Labbadia war ebenfalls zu hören in den vergangenen Tagen.

Die Aufgabe beim HSV ist aber auch undankbar: Es gilt, den Verein vor dem Abstieg zu bewahren - und nach erledigter Arbeit wieder Platz zu machen. Denn zur neuen Saison planen die Hamburger angeblich eine große Lösung. Thomas Tuchel gilt als Kandidat für den Neuaufbau, wobei nicht klar ist, warum sich der begehrteste arbeitsuchende Trainer im deutschen Fußball ausgerechnet für den HSV entscheiden sollte. Wie attraktiv ist schon ein Verein, der in den vergangenen 18 Jahren 18 Trainer verschlissen hat, und der in der kommenden Saison möglicherweise in der zweiten Liga spielt?

Entwickler des Schweizer Fußballs

Dieses Szenario soll Knäbel verhindern. Trotz geringer Referenzen als Trainer hat er große Fachkenntnis. Er war technischer Direktor und Nachwuchschef beim Schweizer Serienmeister FC Basel, arbeitete bis zu seinem Wechsel nach Hamburg im vergangenen Jahr als technischer Direktor der Schweizer Nationalmannschaft.

Auch dank Knäbel hat der Fußball in der Schweiz in den vergangenen Jahren einen zarten Aufschwung erlebt. An der Karriere von Spielern wie Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka hat Knäbel entscheidenden Anteil. Beim HSV muss sich der Entwickler als Feuerwehrmann beweisen. Das Risiko ist für beide Seiten enorm. Denn sollte Knäbel scheitern, sollte der HSV mit ihm absteigen, dann dürfte der Sportchef nicht zu halten sein.

Der Trainerwechsel ist für den Traditionsklub schon der zweite der Saison. Erst im September hatte Zinnbauer den entlassenen Mirko Slomka ersetzt. Damit ist der Plan von Vorstandschef Beiersdorfer vorerst gescheitert, den HSV vom Chaos-Klub zu einem Verein zu machen, in dem Kontinuität und Ordnung herrschen. Der HSV ordnet stattdessen einmal mehr die langfristige Entwicklung einem kurzfristigen Ziel unter: dem bloßen Verbleib in der Bundesliga.

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 51 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
rudi.waurich 23.03.2015
1. Großer Name?
In der zweiten Liga??
maxehaxe 23.03.2015
2. Wann raffen die endlich
...Dass jeder Trainer dort fehl am Platz ist. Schon mal überlegt dass es an dem völlig verkorksten Spielermaterial liegt, dass dort kein Coach - auch nicht der große Messias, na, äh, wie hieß der noch gleich, der letztens als großer held gefeiert wurde... ähm ach ja Slomka oder so - jemals irgendetwas reissen wird? Dieser mitlerweile bur noch lächerliche Verein hat nur durch unverschämtes Glück die Klasse gehalten, ist eine Beleidigung für die Bundesliga und gehört endgültig in die zweite Liga. Wann werden diese Gebete endlich erhört! Wenn dort der Neuanfang gelingt dürfen sie meinetwegen gerne wieder bei den Großen, die sie zweifelsohne einst selber waren, aber längst nicht mehr sind, mitspielen. Ich erwarte sehnsüchtig bis es soweit ist...
hansmaus 23.03.2015
3. Tuchel
Also nochmal für mich zusammenfassend: Tuchel heuert an bei: -HSV -VfB -FCB -RBL -BvB ...habe ich alle? Wenn nein bitte ergänzen.
Levator 23.03.2015
4. Aha
also eine "große" Lösung dann für die 2. Liga? Macht irgendwie keinen Sinn, zum jetzigen Zeitpunkt das Risiko mit der 2. Reihe einzugehen, in der Hoffnung, dass diese Klientel den Verein erstklassig hält. Die Hamburger hätten eher an Zinnbauer die restlichen Spiele festhalten sollen und dann schauen, wohin die Reise geht. So müssen sich die Spieler die paar Restspiele zum wiedertholten Male erneut auf einen neuen Übungsleiter einstellen. Super clever....
!!!Fovea!!! 23.03.2015
5. Welcher große Name...
... will sich den beim HSV verheizen lassen? Abgesehen von der Ablösesumme, wird sich doch keiner trauen so eine Gurkentruppe zu trainieren.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.