Hamburger Last-minute-Remis auf Schalke Lasoggasaurus 

Gekämpft, gezittert, gejubelt: Der Liga-Dino Hamburger SV kann dank Pierre-Michel Lasoggas Tor auf Schalke nicht mehr direkt absteigen - und will jetzt die dritte Relegation in vier Jahren verhindern.

Pierre-Michel Lasogga
imago/ Moritz Müller

Pierre-Michel Lasogga

Aus Gelsenkirchen berichtet


Was? Echt? Oh! Torwart Christian Mathenia hatte gerade davon gesprochen, dass sein Hamburger SV den Klassenerhalt wieder "in der eigenen Hand" habe nach dem nervenaufreibenden 1:1 bei Schalke 04. Er ging davon aus, dass auch der VfL Wolfsburg, direkter Konkurrent im Abstiegskampf und Gegner am letzten Spieltag, nur ein Remis geholt hatte. Doch dann wurde ihm mitgeteilt, dass die Partie des VfL gegen Borussia Mönchengladbach noch gar nicht zu Ende war - wegen einer längeren Regen-Pause. Mathenia wirkte schockiert, er brauchte ein paar Sekunden, um diese Information zu verarbeiten.

Als er sich gesammelt hatte, verfolgte er mit seinen Hamburger Kollegen auf den Fernsehschirmen in der Interviewzone der Schalker Arena die letzten Minuten des Wolfsburg-Spiels. Wie Fans auf dem heimischen Sofa litten sie mit, flehten, der Schiedsrichter möge doch bitte abpfeifen, und jubelten, als die Partie endlich, endlich vorbei war. Durch den eigenen Punktgewinn können die Hamburger nicht direkt absteigen, und da auch der VfL nicht über ein Unentschieden hinaus kam, haben sie den direkten Klassenerhalt tatsächlich in der eigenen Hand.

Gewinnen sie am kommenden Samstag (15.30 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE), bleiben sie in der Bundesliga. Andernfalls müssen sie in die Relegation, zum dritten Mal in vier Jahren. "Die Dramaturgie ist gut für uns", sagte Sportchef Jens Todt. Er meinte wohl eher: die Ausgangslage. Die ist für den HSV vor dem 34. Spieltag tatsächlich besser als gedacht. Doch dafür mussten die Hamburger kämpfen, bangen und zittern.

Ausgerechnet der Relegationsheld Lasogga

Sie lagen auf Schalke lange hinten, trotz einer Steigerung in der zweiten Halbzeit trafen sie das Tor nicht. Als Angreifer Bobby Wood in der 87. Minute freistehend vor dem Ziel vergab, schien die Partie verloren und der HSV dem Abstieg geweiht. Spät, aber nicht zu spät, gelang das 1:1 durch Pierre-Michel Lasogga. Ausgerechnet! Es war sein erster Treffer seit mehr als einem Jahr für den Relegationshelden vergangener Tage.

Lasoggas Tor war aber noch nicht der Schlussakkord der Partie. Kurz danach trafen die Schalker, Sead Kolasinac köpfte den Ball über die Linie, das Publikum in der Arena jubelte, die Torhymne donnerte aus den Boxen. Doch der Treffer zählte nicht, stattdessen pfiff Schiedsrichter Markus Schmidt das Spiel unter lautem Protest der Schalke-Fans ab, weil er die Hereingabe zuvor in der Luft im Toraus gesehen hatte.

Die Hamburger durften tatsächlich einen Punkt bejubeln - und verlebten dann noch zittrige Minuten vor den TV-Geräten, bis auch die Partie in Wolfsburg vorbei war. "Wahnsinn, was der Fußball mit einem macht", stöhnte Sportchef Jens Todt, das weiße Hemd war durchgeschwitzt.

Der HSV hat wieder einmal ein Extra-Leben

Durch den Kraftakt auf Schalke hat der HSV die Stimmung zu seinen Gunsten gedreht. Nach drei Niederlagen und dem ähnlich frustrierenden 0:0 gegen Mainz waren wieder Panik und Resignation ausgebrochen. Es sah aus, als würde den Hamburgern nach einem starken Zwischenspurt rechtzeitig zur entscheidenden Saisonphase die Luft ausgehen. Der erste Abstieg der Geschichte nahm Formen an. Diesmal aber wirklich. Doch wie es aussieht, hat der HSV wieder einmal ein Extra-Leben. Der Liga-Dino will einfach nicht aussterben.

"Der Druck, direkt abzusteigen, ist weg. Das fühlt sich richtig gut an", sagte Manager Todt und berichtete von Party-Atmosphäre im Umkleidetrakt. "Die Stimmung in der Kabine ist gut. Das darf sie auch sein", sagte er. Klubchef Heribert Bruchhagen würdigte die Leistung des HSV in der zweiten Halbzeit als "unerwartet überragend", unterschlug dabei allerdings, dass die Schalker nach der Pause zwar körperlich anwesend waren, an einer ernsthaften Teilnahme am Geschehen aber kein Interesse mehr zeigten. "Wir haben die Chance, das Spiel gegen Wolfsburg zum letzten Spiel der Saison zu machen. Es können aber auch noch drei Spiele werden, so realistisch müssen wir sein", sagte Bruchhagen über die Ausgangslage für das Duell mit dem VfL. Die Relegation droht den Hamburgern nach wie vor.

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Doch sie haben in Gelsenkirchen neben einem Punkt auch die Zuversicht zurück gewonnen, dass es dazu nicht kommen wird. Dass sie den direkten Klassenverbleib schaffen. "Mit dem positiven Schwung und unseren geilen Fans im Rücken bin ich überzeugt, dass wir in der ersten Liga bleiben", sagte Verteidiger Dennis Diekmeier. Trainer Markus Gisdol klang zurückhaltender. "Wir wissen, dass das nur der erste Schritt war, um den Sack zuzumachen", sagte er über das Remis auf Schalke.

Aber immerhin: Es war ein Schritt. Und: die Hamburger haben die Chancen, den Sack selbst zuzumachen - und aus eigener Kraft in der Bundesliga zu bleiben.

Schalke 04 - Hamburger SV 1:1 (1:0)
1:0 Burgstaller (25.)
1:1 Lasogga (90.+2)
Schalke: Fährmann - Kehrer, Höwedes, Nastasic, Kolasinac - Goretzka, Bentaleb (90.+1 Geis) - Coke, Caligiuri (61. Avdijaj) - Burgstaller, Huntelaar (80. Stambouli)
Hamburg: Mathenia - Diekmeier (85. Lasogga), Papadopoulos, Gideon Jung, Gotoku Sakai - Janjicic (78. Gregoritsch), Ostrzolek - Jatta (72. Waldschmidt), Holtby, Kostic - Wood
Schiedsrichter: Schmidt (Stuttgart)
Zuschauer: 62.271 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Nastasic (6), Kolasinac (5), Bentaleb (12) - Diekmeier (5)



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Seite 1
klyton68 13.05.2017
1. Wer hat denn
die Überschrift kreiert? Lasoggasaurus. 10 von 10 möglichen Punkten. Super, bin begeistert. Endlich mal wieder jemand mit Esprit beim Spiegel. Ganz ehrlich. Und HH zum dritten Mal in Folge in der Relegation. An einen Sieg gegen Wolfsburg glaube ich nicht.
paysdoufs 13.05.2017
2. Omg
Zitat: (...) sagte Manager Todt und berichtete von Party-Atmosphäre im Umkleidetrakt. "Die Stimmung in der Kabine ist gut. Das darf sie auch sein", sagte er (...). Wenigstens wissen sie beim HSV inzwischen wo sie eigentlich hingehören und was dementsprechend als Erfolg zu werten ist.
werder11 13.05.2017
3. bezeichnend
daß der hsv seit jahren am tropf von lasogga hängt, der sie mit schiedsrichterhilfe schon 2x in der relegation rettete und heute, nachdem er ansonsten keine rolle mehr beim hsv spielt, wieder zum retter wurde, weil gisdol nichts mehr einfiel - wetten, daß er in der relegation spielt? und wenn er den hsv wieder rettet, muß man ihm ein denkmal setzen! nebenbei hat er der ohnehin schon kaputten schalke saison noch den passenden vorabschluß verpaßt - der rest dann am 34. spieltag!
inihnseintor 13.05.2017
4. Meine Güte....
... dieser Artikel ist einfach nur schlecht. Wie soll der HSV, der vier Punkte Vorsprung auf Ingolstadt hat, in der 87. Minute dem Abstieg geweiht sein? Und wen interessiert das Wolfsburgspiel? Gut, der HSV kann es nun im Heimspiel gegen einen direkten Konkurrenten selber richten. Aber nach wie vor sind immer noch Augsburg und Mainz in der Verlosung. Und was den immer wiederkehrenden "Abstiegskommentar" betrifft: Warum sollte etwas, was sich noch nie auf diesem Planeten zugetragenen hat, ausgerechnet in der Saison 2016/2017 eintreten? Die Stochastiker sind gefragt.
krokodilklemme 14.05.2017
5. danke hsv
wäre ich hsv-fän wär ich glücklich - die andern dümpeln im mittelfeld rum. in hamburg bleibts spannend ohne cl oder el. relegation heisst zwei echt geile spiele - wer hat das schon?
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