HSV-Verpflichtung Salihovic Genügt den Standards

853 Tage ist es her, dass Sejad Salihovic zuletzt in der Bundesliga gespielt hat. Der Hamburger SV glaubt dennoch daran, dass der zuletzt vereinslose Spieler ihnen sofort weiterhilft. Zumindest, wenn der Ball ruht.

imago/ Werner Schmitt

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Es ist nur ein Traum: 1:1 steht auf der Anzeigetafel, die Nachspielzeit läuft bereits. Es gibt noch einmal Freistoß. Die Zuschauer werden unruhig, für sie ist klar: Der Standardspezialist von der Bank muss eingewechselt werden. Er soll den Siegtreffer für den Hamburger SV erzielen.

Fans des Hamburger SV diskutieren ein solches Szenario vor dem Nordduell gegen Hannover 96 (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) derzeit scherzhaft. Warum? Der HSV hat vor wenigen Tagen den vertragslosen Fußballprofi Sejad Salihovic verpflichtet. Viele bringen mit dem früheren Hoffenheim-Profi, mittlerweile 32 Jahre alt, vor allem eins in Verbindung: kunstvoll gezirkelte Freistöße.

In seiner bisherigen Bundesligakarriere (176 Spiele) erzielte der Bosnier 46 Treffer, 27 per Elfmeter und 13 durch einen direkt verwandelten Freistoß. Alle für Hoffenheim. Das sind beeindruckende Zahlen, und viele sind sich sicher: So was kann man doch nicht verlernen. Nur, kann Salihovic auch noch mehr als ein Mann für die Standardsituation sein?

Die wichtigere Frage ist die nach dem Fitnesszustand des zuletzt Arbeitslosen, der in der vergangenen Saison 13 Spiele für St. Gallen bestritt und die zwei Jahre davor bei Beijing Renhe unter Vertrag stand, einem Zweitligisten aus China. Dort verdiente Salihovic eigenen Aussagen zufolge viel Geld, fühlte sich aber nicht wohl und aß monatelang nur Eier und Reis. In der Bundesliga stand Salihovic letztmals im Mai 2015 auf dem Platz. Dass das 853 Tage her ist, spielte in Hamburg keine Rolle. Salihovic könnte auf Anhieb gebraucht werden.

Für Hoffenheim zu langsam

Nachdem mit den verletzten Nicolai Müller, Filip Kostic und Aaron Hunt binnen weniger Wochen die komplette Offensivreihe wegfiel, hielt der Klub eine Verstärkung für dringend notwendig: Im eigenen Nachwuchs sah der Klub keine - dafür eine externe. Salihovic konnte wegen seines Status als vertragsloser Profi auch noch nach dem Schließen des Transferfensters Ende August verpflichtet werden, er wird die Rückennummer 23 vom früheren HSV-Star Rafael van der Vaart erhalten. Ist Salihovic die richtige Hilfe?

Zumindest war er einer der wenigen Verfügbaren auf dem Markt. Vielleicht könnte der Transfer auch aus sportlicher Sicht sinnvoll sein, das ist die Hoffnung in Hamburg. Und das spricht dafür: Salihovic hat die vergangenen Monate bei seinem ehemaligen Arbeitgeber Hoffenheim mittrainiert und soll bei Hamburgs Ligakonkurrenten angeblich auch für eine Zeit lang als Rückkehrer im Gespräch gewesen sein. Und das spricht dagegen: Am Ende war sich das Trainerteam um Julian Nagelsmann einig, dass Salihovic das hohe Tempo der Hoffenheimer Mannschaft nicht mehr mitgehen kann. In Hamburg sahen das Trainer Markus Gisdol und Sportdirektor Jens Todt anders.

Salihovic selbst sagt: "Ich war lange nicht mehr so fit wie jetzt." Bestätigung kommt vom Coach, Salihovic habe "tolle Werte", sagt Gisdol. Tatsächlich gibt es in der jüngeren Bundesligavergangenheit Beispiele, wo sich die Verpflichtung eines vertragslosen Profi auszahlte. Claudio Pizarro ist so ein Fall, der sich im Sommer 2015 nur privat fit hielt und im anschließenden Bundesligajahr immerhin 14 Treffer für Werder Bremen erzielte. Mit der Verpflichtung von Emir Spahic im Jahr 2015 hat auch der HSV - zumindest für eine gewisse Zeit (wurde im Januar 2017 suspendiert) - gute Erfahrungen mit einem zuvor vertragslosen Profi gemacht. (Mehr Beispiele sehen Sie in unserer Fotostrecke.) Nun Salihovic.

Fotostrecke

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Frühere vertragslose Spieler: Von Charisteas bis Hildebrand

Ein allzu großes Risiko geht der HSV mit der Verpflichtung jedenfalls nicht ein. Trainer Gisdol kennt Salihovic bereits aus seiner Zeit in Hoffenheim. Zudem dürfte der Vertrag mit dem 32-Jährigen leistungsbezogen gestaltet sein und wird im kommenden Sommer auch enden. Falls Salihovic nicht die erhoffte Verstärkung sein sollte, besteht also keine Gefahr, dass "die Luschen immer beim HSV hängen bleiben", um es mit den Worten von Geldgeber Klaus-Michael Kühne zu sagen.

Seine Premiere könnte Salihovic - wenn er im Kader steht - am Abend in Hannover feiern. Seinen Lieblingsgegner - gegen die aktuell noch ungeschlagenen Niedersachsen schoss er in seiner Karriere bereits fünf Treffer. Ein Freistoßtor war noch nicht dabei.



insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
shoper34 15.09.2017
1. Nulpen
Wie gesagt, Herr Kühne, der HSV sammelt gerne alle Luschen der Liga ein. Auch ne Möglichkeit für Unterhaltung und Spannung zu sorgen, denn am Ende der Saison droht dann wieder der Abstieg. P.S. Ich dachte, das Transferfenster der deutschen BuLi sei geschlossen? Auch so ne Desinformationstrixerei des DFB ud der UEFA.
widower+2 15.09.2017
2. Lesen!
Zitat von shoper34Wie gesagt, Herr Kühne, der HSV sammelt gerne alle Luschen der Liga ein. Auch ne Möglichkeit für Unterhaltung und Spannung zu sorgen, denn am Ende der Saison droht dann wieder der Abstieg. P.S. Ich dachte, das Transferfenster der deutschen BuLi sei geschlossen? Auch so ne Desinformationstrixerei des DFB ud der UEFA.
Lesen Sie die Artikel, die Sie kommentieren, eigentlich auch gelegentlich? Vertragslose Spieler können jederzeit auch außerhalb der Transferperiode verpflichtet werden. So könnte zum Beispiel Pizarro einen Vertrag bei einem Verein seiner Wahl unterschreiben, wobei das hoffentlich nicht der HSV sein wird..
shoper34 17.09.2017
3.
Zitat von widower+2Lesen Sie die Artikel, die Sie kommentieren, eigentlich auch gelegentlich? Vertragslose Spieler können jederzeit auch außerhalb der Transferperiode verpflichtet werden. So könnte zum Beispiel Pizarro einen Vertrag bei einem Verein seiner Wahl unterschreiben, wobei das hoffentlich nicht der HSV sein wird..
Denken Sie gelegentlich auch weiter, wenn Sie Kommentare kommentieren. Ich habe ja gerade darauf aufmerksam gemacht, dass das ganze Transfer-Regelwerk im Fußball für den Normalverbraucher schon lange nicht mehr durchschaubar ist und deshalb von DFB/UEFA eine Desinformationspolitik vorliegt? Und wer profitiert von dem Wirrwarr ? Es fällt auf, dass die meisten Sportmedien und -kanäle eine eigene Rubrik "Transfers- und Gerüchte" aufgemacht haben, was ja mit "Sport" nix zu tun hat, sondern nur Business pur ist. Die Medien sind damit Teil einer gigantischen Geschäftemacherei .
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