HSV-Pleite gegen BSV Rehden "Hier wird anders gespielt"

Mit etlichen Bundesliga-Spielern war die zweite Mannschaft des Hamburger SV zum Regionalligisten BSV Rehden gereist, die Profis sollten das Team vor dem Abstieg bewahren. Die Rettungsaktion wurde zur Blamage, Rehden gewann überlegen. Für den Sieger-Trainer ein logischer Erfolg.


Hamburg - Während man beim Hamburger SV II nach der blamablen 1:4 (0:2)-Niederlage gegen den BSV Rehden nur fassungslos die Köpfe schüttelt, geht der Regionalligist aus der Nähe von Bremen ziemlich nüchtern mit dem Erfolg um. Ein Sieg gegen sechs Bundesliga-Profis? Keine große Sache. Das findet zumindest Trainer Predrag Uzelac, der im Interview über den Kampfgeist seiner Mannschaft, Motivationsprobleme beim Gegner und die Unterschiede zwischen Regionalliga und Bundesliga spricht.

SPIEGEL ONLINE: Herr Uzelac, Ihr Team hat deutlich gegen die zweite Mannschaft des Hamburger SV gewonnen, obwohl diese von sechs Bundesliga-Profis unterstützt wurde. Tut Ihnen noch der Kopf vom Feiern weh?

Uzelac: Wo denken Sie hin? Sie erwischen mich gerade auf der Arbeit, auch meine Jungs müssen heute alle wieder in den Job. Wir sind Fußball-Amateure und haben einen normalen Beruf, um acht waren gestern alle zu Hause. Wenn wir in der Liga bleiben, können wir am Saisonende feiern.

SPIEGEL ONLINE: Aber als Regionalligist mal eben eine Beinahe-Bundesliga-Mannschaft zu schlagen: Macht das nicht euphorisch?

Uzelac: Das war ganz sicher nicht unser größter Triumph, nur weil da ein paar Profis dabei waren. Wir haben die Partie im Vorfeld als ganz normales Sechs-Punkte-Spiel angesehen, für uns geht es um den Klassenerhalt. Klar waren meine Spieler ein bisschen mehr motiviert, weil Thorsten Fink und Frank Arnesen zugeguckt haben. Das ist schon was.

SPIEGEL ONLINE: Fink, der Trainer der ersten Hamburger Mannschaft, hatte sich von seinen Schützlingen ganz sicher mehr versprochen. Konnten Sie erkennen, was mit ihnen los war?

Uzelac: Tja, Regionalliga ist eben nicht Bundesliga, hier wird anders gespielt. Es gibt weniger offene Räume. Außerdem wussten wir, dass die Mannschaft mit den Verstärkungs-Profis nicht eingespielt ist und einige von ihnen unzufrieden sind. Deshalb haben wir von Anfang an versucht, frech zu sein. Und am Ende hatten wir das nötige Quäntchen Glück.

SPIEGEL ONLINE: Glück? Ihr Team hat immerhin vier Tore geschossen.

Uzelac: Die Jungs haben super gespielt, sind viel gelaufen, haben sich an die vereinbarte Taktik gehalten. Wir haben es dem Gegner schwer gemacht - und der es sich selbst, weil er vermutlich dachte, er würde sowieso gewinnen.

SPIEGEL ONLINE: Und wie geht es jetzt weiter?

Uzelac: Ganz einfach: Wir müssen auf dem Boden bleiben, wenn wir nicht absteigen wollen. Am Mittwoch haben wir unser nächstes Punktspiel, das zählt.

Das Interview führte Sara Peschke



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insgesamt 29 Beiträge
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lanas 08.04.2013
1. Ich hätte jetzt gerne noch...
... ein Interview mit dem Präsidenten des Vereins (wie ist es so, den großen HSV der viel mehr Geld hat, zu schlagen) eines mit den Torschützen (wie ist es so, Tore gegen den HSV zu schiessen...am besten noch jeweils erwähnen, das er gerade bei der Arbeit ist.) eines mit dem Zeugwart, (bzw. erwähnen das es diesen ja gar nicht gibt in so einem kleinen Verein.) Pauli-Fans in allen Ehren, aber man kann es mit der Häme auch übertreiben.....
trevorcolby 08.04.2013
2.
Meine herzlichen Glückwünsche an den BSV Rehden, das war eine 1A-Leistung! Beim HSV bleibt mal wieder wie gewohnt nichts anderes übrig, als sich die Wunden zu lecken. Mal ehrlich:So viel Morphium, wie man braucht um diesen HSV zu sehen, gibts garnicht.
robin-masters 08.04.2013
3. Einstellungsproblem
Der HSV hat ganz klar ein Einstellungsproblem seiner Spieler. Das sollte der Trainer beheben...können\müssen. Da kann man auch schon mal Strafen verhängen.
Talan068 08.04.2013
4. Keine große Sache.
"nur weil da ein paar Profis dabei waren." Sogar nur B-Profis und uneingespielt, wie Herr Uzelac anmerkt. Die HSV-Amateure sind fei schlecht und die B-Profis eben auch nicht besser. Regionalspieler, sind zwar Amateure, aber fußball spielen können die schon. Verstehe nicht warum da so ein Bohei drum gemacht wird. Soll hier ein Trainer, Sportdirketor gekippt werden, oder was ist der Grund?
mm71 08.04.2013
5.
Zitat von robin-mastersDer HSV hat ganz klar ein Einstellungsproblem seiner Spieler. Das sollte der Trainer beheben...können\müssen. Da kann man auch schon mal Strafen verhängen.
Da der HSV seit mehr als 20 Jahren sein Potenzial nicht ansatzweise ausschöpft, kann man sicher sagen, dass es nicht direkt mit den Personen zu tun hat (wieviele Trainer waren es in dem Zeitraum?). Der HSV hat ein strukturelles Problem in Form seiner Vereinsverfassung und insbesondere des Aufsichtsrats. Dies führt regelmässig dazu, dass dieser mit Egomanen, Fans, Stammtischvertretern und lokalen C-Promis besetzt ist. Die Konsequenzen ziehen sich dann von oben nach unten durch. Alle erfolgreichen Vereine haben hier eine andere Struktur, über die sichergestellt wird, dass sportliche und wirtschaftliche Kompetenz in den Gremien vertreten ist.
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