Hamburger SV in der Dauerkrise Immer gehen die Falschen

Trainer weg, die Fans lieber zu Hause, und vielleicht geht bald das Sturmtalent: Nur die grundsätzlichen Probleme des HSV, die sind noch immer da. Der Klub muss anfangen, aus seinen Fehlern zu lernen.

Markus Gisdol
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Markus Gisdol

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Markus Gisdol muss beim HSV gehen. Das ist mittlerweile ein Hamburger Reflex. Immer wenn es in der Vergangenheit schlecht für den Hamburger SV lief, war es nur eine Frage der Zeit, bis der Coach rausflog. So war es auch diesmal: Gisdol ist der 15. Coach, den der Nordklub in den vergangenen zehn Jahren rausgeschmissen hat.

Das Problem: Es war egal, ob der Trainer Bruno Labbadia, Joe Zinnbauer oder Markus Gisdol hieß - Bundesliga bedeutet für den HSV seit 2013 Abstiegskampf. Nur die Spielzeit 2015/2016 endete mit einem versöhnlichen zehnten Platz. Vielleicht wird es unter einem neuen Trainer wieder einmal zumindest kurzfristig besser laufen, vielleicht rettet der neue Mann den Klub sogar erneut vor dem ersten Abstieg in die zweite Liga. Auch wenn es schwer wird und diesmal kein Team wie Darmstadt, Ingolstadt oder Braunschweig in der Liga ist: Es sind noch 15 Spieltage.

Aber das grundsätzliche Problem beim HSV bleibt ein anderes: die finanzielle Abhängigkeit von Klaus-Michael Kühne, der Einfluss von Spielerberatern wie Volker Struth, wechselnde Sportdirektoren, neue Transferideen - eine Trainertrennung hilft dem Verein nicht aus seinem strukturellen Dilemma. Es ist nicht so, als wäre das etwas Neues. Der Klub will aus seinen Fehlern nicht lernen.

Die Amateure sind die besseren Profis

Das ist eigentlich überraschend. Der Hamburger SV ist nämlich entgegen der gängigen Meinung kein kompletter Chaosverein. Die Jugendarbeit um das neue Nachwuchsleistungszentrum zeigt das: Jann-Fiete Arp ist ein Versprechen für die Zukunft. Tatsuya Ito hat es in die erste Mannschaft geschafft. Weitere Talente könnten folgen. Nachwuchsboss Bernhard Peters gelingt es, dass beim HSV die Amateure die besseren Profis sind.

Die Zukunft könnte golden sein - aber aktuell scheint sie eher trist und grau zu werden. Der Vertrag von Arp läuft noch bis 2019. Man darf davon ausgehen, dass er diesen nicht verlängern wird. Warum auch? Der zerstörerische interne Machtkampf - der mit der kommenden Wahl des neuen HSV-Präsidenten im Februar noch Fahrt aufnehmen könnte - vergrault das Kapital des Klubs: den Nachwuchs.

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HSV-Trainer seit 1997: Von Pagelsdorf bis Gisdol

Arp kann sich seinen nächsten Verein wahrscheinlich aussuchen. Und es dürfte nicht Hamburg sein, der Traumverein seiner Kindheit. Traumverein der Kindheit? Arp, Jahrgang 2000, gehört vielleicht zur letzten jüngeren Generationen, die im Volksparkstadion noch gute Spiele des HSV gesehen hat. Jüngere Kids lachen lieber über den HSV, als sich das Trikot von Filip Kostic über das Bett zu hängen.

Auch bei der Fanbindung droht der HSV einiges zu verspielen. Bisher galt im Abstiegskampf immer die Devise, dass man sich zumindest auf den Rückhalt der Fans verlassen könne. Sie waren immer da. Bis zum Schluss.

Gegen Schlusslicht Köln - in einem der wichtigsten Spiele der Saison - war die Arena nicht einmal ausverkauft. Als der FC 2:0 in Führung ging, verließen Tausende Anhänger das Stadion. Dabei wäre 23 Minuten vor Abpfiff noch Zeit für die Rettung gewesen.

Der Trainer geht, die Fans gehen, vielleicht geht Sturmhoffnung Arp. Es sind die falschen Leute, die beim Hamburger SV gehen. Am 18. Februar haben die Hamburger Anhänger selbst die Chance, die Zukunft ihres Vereins zu verändern.

Dann wählt die Mitgliederversammlung einen neuen HSV-Präsidenten.



insgesamt 19 Beiträge
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rz231 21.01.2018
1. Dem Verein wäre geholfen...
...wenn er denn endlich einmal absteigen würde. Kein anderer Verein hätte es mehr verdient.
LittleBoy 21.01.2018
2. Theorie:
Kann es sein, dass der HSV deshalb noch in der 1. Liga ist, weil soooo viel über ihn geschrieben und berichtet wird? Liegt das vielleicht daran, dass in der Hansestadt viele Medien sitzen? Das ist ja fast schon schlimmer als wie der komische Dauererster-Verein. Lasst doch den armen Club aus dem Norden einfach in Ruhe in die 2. Liga rutschen. So, wie es allen anderen "normalen" Vereinen auch gehen würde.
Joern_v 21.01.2018
3. @ LittleBoy: Die Theorie stimmt
Wären nicht Spiegel, Stern, Springer (SportBild), Burda, Gruhner&Jahr in Hamburg ansässig, kein Mensch würde sich für den Verein bundesweit interessieren. Ich lese ja kaum was über Gladbach, Hertha oder Eintracht Frankfurt in den großen Printmedien und Online-Seiten. Würde mich deutlich mehr interessieren als der sterbende Dino.
willimasoagen 21.01.2018
4. Das alte Lied:
Und mal wieder keinen Trainer HSV, und mal wieder keinen Trainer HSV. Keinen Trainer, keine Schale, kein Pokal, und nur Randale Schade, schade, schade HSV.
rüpelrudi 21.01.2018
5. Das Glück ist nun mal
irgendwann aufgebraucht.Auch beim HSV. Neuer Trainer? Tuchel wird sich´s nicht antun, und die anderen Namen, die gehandelt werden wie Magath , Hollerbach oder gar wieder Labbadia ? Die sind doch Lichtjahre von modernem Fussball entfernt. Und selbst wenn, mit diesem Spielermaterial ist nun mal kein Blumentopf zu gewinnen.
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