HSV-Investor Kühne Der Volksparkvertreter

Investor Klaus-Michael Kühne verhilft dem Hamburger SV zum alten Stadionnamen - im Verein jubeln Vorstand und Fans gleichermaßen. Dabei vergessen sie: Künftig wird wohl vor allem ein 77-jähriger Milliardär das Sagen im Klub haben.

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Hamburg - Wie man erfolgreiche Deals ausverhandelt, das muss Klaus-Michael Kühne niemand mehr beibringen. Der 77-jährige Speditionsboss ist schließlich auf diese Weise Milliardär geworden, indem er manchmal schlauer war als alle anderen, trickreicher, gewiefter.

Genauso hat er sich Macht und Einfluss beim Hamburger SV gesichert. Sein Einstieg beim HSV, am Donnerstag verkündet und von Verein und der Mehrheit der Fans gefeiert, ist vor allem anderen ein Musterbeispiel für clevere Verhandlungstaktik.

Denn was die "Bild"-Zeitung jetzt als den "HSV-Hammer" bejubelt, ist bei Licht besehen gar nicht viel mehr als das, wovon im Verein seit einem Dreivierteljahr alle ausgegangen waren. Kühne wandelt ein Millionendarlehen in Anteile an der ausgegliederten HSV-AG um, für die Summe von 18,75 Millionen Euro erhält er 7,5 Prozent an der Gesellschaft.

Dass Kühne bereit sein würde, als Investor in die AG einzusteigen und dazu sein Darlehen verwendet wird - das hatten im Verein alle erwartet, als sie im vergangenen Sommer die Ausgliederung der Profiabteilung in eine HSV-AG beschlossen hatten. Mehr noch: Die lockende Aussicht auf die Kühne-Millionen war sogar eine der Voraussetzungen, unter denen viele Mitglieder erst bereit waren, diesem folgenreichen Schritt überhaupt zuzustimmen.

Rückzugsdrohung erscheint jetzt als taktischer Zug

Doch dann machte der eigenwillige Geldgeber kurz vor Weihachten einen Rückzieher, drohte mit dem Abzug seines Geldes - was für den HSV eine finanzielle Katastrophe bedeutet hätte. Mit diesem Druckmittel im Rücken ließen sich die Konditionen seines Einstiegs danach umso besser verhandeln. Der Verein war und ist auf das Kühne-Geld angewiesen, zu angespannt ist sein Budget, und wer wüsste das besser als der Milliardär selbst, der seinen persönlichen Bevollmächtigten Karl Gernandt als Aufsichtsratsboss im Verein sitzen hat.

Mit der Entscheidung von heute wirkt Kühnes damalige Rückzugsdrohung mehr denn je wie ein taktischer Schachzug, um mögliche Widerstände beim HSV zu minimieren. Kühne konnte danach seine Bedingungen nachdrücklicher denn je diktieren. Er hat sich zudem schon in der Vergangenheit immer wieder gerne in sportliche Belange eingemischt. Es ist wenig vorstellbar, dass er künftig der Versuchung widersteht, dies noch unverblümter zu tun.

Verzuckert wird der gesamte Deal mit dem perfekten Marketingkniff, der Arena den ehrwürdigen Namen Volksparkstadion zurückzugeben. Kühne spricht in diesem Zusammenhang von einer "Herzensangelegenheit", möglicherweise ist sie das wirklich. Schließlich ist der Mann auch Fan, wie er immer wieder betont.

Mit dem alten Stadionnamen erscheint Kühne als Wohltäter

Volksparkstadion - das erinnert an die ganz großen und lange vergangenen Zeiten des Klubs. Im Volksparkstadion hat der HSV seine Meisterschaften gefeiert, hier hat er seine Europapokalschlachten geschlagen. Felix Magath, Manfred Kaltz, Horst Hrubesch, Rudi Kargus, Peter Nogly und über allem selbstverständlich Uwe Seeler - mit der Nordbank-Arena oder der Imtech-Arena verbindet man diese Spieler beileibe nicht.

Wenn Kühne dem Fanvolk jetzt den alten Stadionnamen zurückschenkt, wird er damit in der vereinsöffentlichen Meinung zum großen Wohltäter. Dadurch wird so mancher weich, der in dem 77-Jährigen bislang weniger den Traditionsbewahrer als vielmehr den harten Investor sah, der den HSV in sein Imperiumsportfolio einsortieren will.

"Wir sind sehr glücklich, dass mit Herrn Kühne ein echter HSVer, verlässlicher Begleiter und wirklicher Unterstützer jetzt auch als strategischer Partner eingestiegen ist", sagte Dietmar Beiersdorfer, der Vorstandsvorsitzende der Fußball AG. Beiersdorfer war von 2009 bis 2011 für die Fußballaktivitäten im Red-Bull-Konzern des Dietrich Mateschitz verantwortlich. Er kennt sich also bestens aus mit alten reichen Männern, die im Verein mitregieren wollen.



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insgesamt 56 Beiträge
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Seite 1
paulvernica 22.01.2015
1. war das noch schön
als es noch das Westfalenstadion gab, oder das Weserstadion oder das Müngersdorfer Stadion. Aber alles dem Kommerz geopfert. Seelenlos halt.
derhatschongelb 22.01.2015
2. Das Weserstadion,
Darauf will ich hier aber mal Wert legen, heißt immer noch so!
bockwurst08 22.01.2015
3.
Zitat von paulvernicaals es noch das Westfalenstadion gab, oder das Weserstadion oder das Müngersdorfer Stadion. Aber alles dem Kommerz geopfert. Seelenlos halt.
Das Weserstadion gibt es immer noch. http://de.wikipedia.org/wiki/Weserstadion
axelkli 22.01.2015
4.
Für mich wird sie immer die AOL-Arena bleiben...
raumzeit3000 22.01.2015
5. Kühne wird das Sagen im Klub haben?
...mit 7,5 Prozent Anteilen? Komische Rechnung, lieber Spiegel.
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