Führungskrise beim Traditionsclub Magath wird offenbar nicht HSV-Trainer

Wer wird am Wochenende auf der Trainerbank des Hamburger SV sitzen? Der Vorstand hält zu Trainer Bert van Marwijk. Felix Magath ist laut einem Zeitungsbericht angeblich kein Kandidat mehr. Das zumindest wollen einige Spieler erfahren haben.

Felix Magath: Aus dem Rennen beim HSV?
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Felix Magath: Aus dem Rennen beim HSV?


Hamburg - Felix Magath wird offenbar nicht Trainer des Hamburger SV. Das berichtete der "Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag" (SHZ) ohne Nennung einer Quelle. Statt Magath sollen der ehemalige Hannover-96-Coach Mirko Slomka oder der frühere Werder-Trainer Thomas Schaaf den aktuellen Übungsleiter Bert van Marwijk ablösen. Demnach soll der Trainerwechsel noch an diesem Donnerstag bekannt gegeben werden. Beim HSV war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Laut "SHZ" sollen nach dem DFB-Pokal-Spiel gegen Bayern München (0:5) am Mittwochabend mehrere Spieler gesagt haben, Magath werde nicht ihr Trainer werden. In diesem Zusammenhang sollen die Namen Slomka und auch Schaaf gefallen sein. Seit der 0:3-Niederlage gegen Hertha BSC wird in Hamburg über eine Ablösung von van Marwijk spekuliert, der selbst erst in der Hinrunde für den entlassenen Thorsten Fink gekommen war. Der Aufsichtsrat des kriselnden Bundesligisten hielt am Tag nach der Partie gegen Berlin eine acht Stunden dauernde Sitzung ab, ohne allerdings zu einem konkreten Ergebnis zu gelangen.

Offenbar wurde auf dieser Sitzung eine Ablösung von Trainer van Marwijk und auch des Vorstands um den Vorsitzenden Carl-Edgar Jarchow diskutiert. Die nötige Stimmenmehrheit für die Absetzung des Vorstands kam aber nicht zustande. Acht Stimmen sind nötig, um ein Mitglied des Vorstands abzuberufen. Magath, der mit dem Hamburger SV Ende der siebziger und Anfang der achtziger Jahre drei Meisterschaften und zwei Europapokalsiege feierte und den Club später auch trainierte, soll in dieser Sitzung mehrmals telefonisch zugeschaltet worden sein. Neben dem Traineramt ist er in Hamburg auch als Vorstand im Gespräch.

Über Facebook hatte sich Magath zuvor zur Situation des Tabellen-17. geäußert. "Beim HSV muss ab sofort auf allen Ebenen der Fußball wieder im Vordergrund stehen. Es geht jetzt nur noch um den Klassenerhalt. Es bedarf nun endlich einer Lösung im Sinne unseres Vereins", schrieb Magath, dessen größte Erfolge als Trainer das zweimalige Double mit dem FC Bayern (2005 und 2006) sowie der Titelgewinn mit dem VfL Wolfsburg (2009) sind.

Magath kommt am Donnerstag für einen Vortrag nach Hamburg

Vorstandschef Jarchow und Sportvorstand Oliver Kreuzer halten zu Trainer van Marwijk. Im Anschluss an die 0:5-Niederlage im Pokal gegen den FC Bayern und mit Blick auf die richtungsweisende Partie beim Tabellenletzten Eintracht Braunschweig (Samstag, 15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) sagte Kreuzer: "Bert sitzt in Braunschweig auf der Bank. Ob ich dann aber noch Sportchef bin, weiß ich nicht." Klar scheint, dass der Vorstand nun zügig handeln muss, damit er nicht wegen Untätigkeit vom Aufsichtsrat rausgeworfen werden kann.

Aufsichtsratschef Jens Meier hatte nach der Niederlage gegen die Bayern ein Bekenntnis zum amtierenden Vorstand um Jarchow sowie zu Trainer van Marwijk verweigert: "Wir sind hier im Profifußball und nicht bei einer Kindergartenveranstaltung. Trainer und Manager müssen Druck aushalten können."

Laut mehreren Quellen soll eine Entscheidung über Magath noch vor der Partie in Braunschweig fallen, später sei Magath nicht mehr für den HSV verfügbar. Denkbar sei demnach auch, dass Sportchef Kreuzer sein Amt behalte und Trainer van Marwijk auf Druck des Aufsichtsrats entlasse. Der Aufsichtsrat selbst darf nicht ins operative Geschäft eingreifen und kann den Trainer nicht seines Amtes entheben.

An diesem Donnerstagabend wird Magath zu einem Vortrag über sein Hobby Schach in Hamburg erwartet. Die Spieler des HSV werden bis zur Partie in Braunschweig indes keine Interviews mehr geben. Das teilte der Verein mit. Auch der Vorstand um Jarchow und Sportchef Kreuzer werde sich bis dahin nicht mehr offiziell äußern.

buc/psk/dpa/sid



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