Van-der-Vaart-Gerüchte beim HSV: Die Sehnsucht stirbt zuletzt
Mit Macht will Klaus-Michael Kühne Rafael van der Vaart zum Hamburger SV lotsen. Der Milliardär und HSV-Gönner fordert den finanziell klammen Bundesligisten nun sogar öffentlich zum Handeln auf, ignoriert den Willen des Spielers - und bringt den Verein in Verlegenheit.
Am Freitagmittag konnte man für kurze Zeit den Eindruck gewinnen, der Hamburger SV sei in der Fußball-Bundesliga mal wieder eine ganz große Nummer. Der sechsfache Deutsche Meister, der in der vergangenen Saison nur mit Mühe den Klassenerhalt geschafft hatte, sorgte unter anderem beim Kurznachrichtendienst Twitter für helle Aufregung.
Erst erfuhr man, dass sich beim Training die Kollegen Slobodan Rajkovic und Heung Min-Son geprügelt hatten. Dabei wurde offenbar Mitspieler Tolgay Arslan verletzt. Die Worte "Platzwunde" und "Kung-Fu-Manier" fielen. Der Fall war jedoch rasch erledigt: Der Serbe darf nach Angaben des Hamburger SV vorerst nicht mehr am Trainingsbetrieb der Profimannschaft teilnehmen.
Ein andere Information, die über Twitter verbreitet worden war, könnte allerdings eine etwas stärkere Langzeitwirkung entfachen. Die nämlich über eine Pressemitteilung von Klaus-Michael Kühne. Unter dem Motto "Mit van der Vaart zur Spitze" präsentierte der Milliardär - Mehrheitseigner des internationalen Logistikdienstleisters Kühne + Nagel - seine Ideen für eine erfolgreiche Zukunft des klammen Traditionsvereins, Forderungen und Vorschläge zur künftigen Vereinspolitik inklusive. Die Reaktionen in den sozialen Netzwerken reichten kurz darauf von Mitleid bis Fremdschämen.
HSV-Gönner Kühne, der sich 2010 ein Drittel der Transferrechte an sechs HSV-Profis gesichert hatte und dafür im Gegenzug 12,5 Millionen Euro locker machte, will Rafael van der Vaart mit aller Macht zurückholen. Der Niederländer spielte bereits von 2005 bis 2008 an der Elbe und ist aktuell beim Premier-League-Club Tottenham Hotspur unter Vertrag. Mit "van der Vaart hätte der HSV nach einigen bitteren Jahren endlich die Perspektive, zu einem Spitzenclub heranzureifen und an den Wettbewerben im europäischen Fußball teilzunehmen", heißt es in Kühnes Schreiben.
Hamburger SV kann sich van der Vaart nicht leisten
Diese "bitteren Jahre" mit ausbleibenden Erfolgen und Einnahmen haben in Hamburg die Sehnsucht weiter wachsen lassen. Die Sehnsucht nach neuen Stars, nach besseren Zeiten, irgendwann. Da werden Gerüchte gerne aufgenommen. Selbst, wenn an ihnen noch so wenig wahr sein mag.
Vor zwei Tagen, mitten im lauen Transfersommer, brachte die "Bild-Zeitung" den Namen des Niederländers beim HSV ins Spiel. Der Club sucht nach den Transfers von Torwart René Adler (abslösefrei), Stürmer Artjoms Rudnevs (drei Millionen Euro Ablöse) und Mittelfeldspieler Maximilian Beister (war ausgeliehen) seit Wochen einen kreativen Mann für das zentrale Mittelfeld. Auch Trainer Thorsten Fink kokettierte mit einem Transfer: "Wir haben ein Anforderungsprofil erstellt, Rafael würde ideal zu uns passen, über ihn würde sich jeder Trainer freuen."
Würde auch er, wollte er damit sagen. Doch dem Verein fehlt das Geld für einen Mann wie van der Vaart, der in London noch einen Vertrag bis zum Jahr 2014 hat und wohl rund zehn Millionen Euro kosten dürfte. Und dann ist da noch die Frage nach dem Wechselwillen des 29-Jährigen. Noch am Freitagmorgen ließ der Profi in der "Bild"-Zeitung mitteilen, dass er wohl auch "in der kommenden Saison für Tottenham Hotspur" spielen werde. Er habe "in England bisher zwei sehr gute Spielzeiten" gehabt und fühle sich wohl.
"Auf eigene Initiative veröffentlicht"
Ein Thema ist er in Hamburg trotzdem noch immer. Kühne schlägt der HSV-Führung nun öffentlich vor, sowohl private Geldgeber als auch Vereinsmitglieder an einem van-der-Vaart-Deal zu beteiligen. Die fordernden Worte des Milliardärs bringen den Verein in Verlegenheit. "Die Pressemitteilung hat Herr Kühne auf eigene Initiative hin veröffentlicht", sagte ein HSV-Sprecher SPIEGEL ONLINE. Eine Beteiligung der Vereinsmitglieder an Transfers jedweder Art komme für den Club nicht in Frage. Dieser Punkt ist beim HSV ohnehin ein heikles Thema.
Im Juli 2010 hatte es auf einer Mitgliederversammlung noch heftige Proteste gegen das Kühne-Modell gegeben. Besonders die mächtigen Supporters kritisierten die damalige Vereinsführung für diesen "Ausverkauf". Etwa zwei Jahre später - mittlerweile sitzen mehrere Supporters-Mitglieder im Aufsichtsrat - ist von diesen Protesten dann nichts mehr zu hören.
Kühne kann trotz der öffentlichen Zurückhaltung des Clubs weiter auf van der Vaart hoffen, der 75-Jährige gab am Freitag sogar noch eine Telefonkonferenz, in der er den Medien seine Bedingungen nochmals erläuterte. "Vorausgesetzt, dass der HSV diese und andere Initiativen ergreift", schrieb Kühne bereits in der Pressemitteilung, "bin ich bereit, über mein bisheriges Engagement bei mehreren HSV-Spielern hinaus eine maßgebliche Summe beizusteuern."
Hamburgs Jagd auf "neuen Glanz" (Kühne) geht also noch ein wenig weiter. Und vielleicht taucht van der Vaart ja doch noch einmal beim HSV auf. Womöglich sogar in diesem Sommer. Passen würde es irgendwie.
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