Debatte um HSV-Coach Zinnbauer Welcher Trainer möchte diese Truppe übernehmen?

Dem Hamburger SV droht erneut ein Trainerwechsel. Nach dem 0:1 im Abstiegsduell gegen Hertha BSC steht Josef Zinnbauer vor dem Aus. Doch wer soll ihn ersetzen?

Von , Hamburg

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Der Zorn des Publikums legte sich schnell. Natürlich, unmittelbar nach der Partie gegen Hertha BSC wurden die Spieler des Hamburger SV mit Pfiffen der eigenen Fans bedacht angesichts der 0:1-Niederlage im Abstiegsduell. Doch anders als vor etwas mehr als einem Jahr, als die Hamburger nach einem 0:3 gegen das Team aus der Hauptstadt wütenden Fan-Protesten mit Blockade des Spieler-Eingangs und Becherwürfen ausgesetzt waren, regierten beim Anhang des HSV diesmal Ratlosigkeit und Resignation statt Wut.

Denn die Niederlage ist schwer zu erklären. Sie erscheint unlogisch und unverdient aus Sicht des HSV. Die Hamburger hatten phasenweise gut gespielt. Anders als in den Partien zuvor trachteten sie nicht nur danach, das Spiel des Gegners zu zerstören. Sie ergriffen selbst die Initiative und hatten reihenweise gute Chancen, vor allem in der ersten Halbzeit. Doch es waren die Berliner, denen das einzige Tor der Veranstaltung glückte. Sebastian Langkamps Kopfballtreffer nach einem Freistoß kurz vor dem Ende stürzte den HSV in tiefe Depression.

"Wir müssen einen hohen Aufwand betreiben, um uns zu belohnen. Beim Gegner langt eine Standardsituation, um zu drei Punkten zu kommen", klagte Sportchef Peter Knäbel mit leiser Stimme. Wenn es blöd läuft, sind die Hamburger am Ende des 26. Spieltags Vorletzter der Tabelle. Dabei sollte doch in dieser Saison alles besser werden nach dem Fast-Abstieg in der vergangenen Saison. Im Moment sieht es so aus, als sei der erste Absturz in die zweite Liga für den HSV nur aufgeschoben, nicht aufgehoben.

Treueschwüre? Gibt's nicht

Die dramatische Zuspitzung erhöht den Druck. In der nach diesem Spieltag beginnenden Länderspielpause wollte Sportchef Knäbel mit Trainer Josef Zinnbauer über die Zukunft beraten, wobei damit bisher die Frage gemeint war, ob Zinnbauer auch über die Saison hinaus Trainer der Hamburger Profis sein wird. Nach der Niederlage gegen Hertha, dem sechsten sieglosen Spiel in Folge, droht Zinnbauer das sofortige Aus, nach einem halben Jahr im Amt. "Die Frage ist, wie wir die verbleibenden acht Spiele bestreiten, um uns im Abstiegskampf zu behaupten", sagte Knäbel.

Er unternahm gar nicht erst den Versuch, dem Trainer demonstrativ Rückendeckung zu geben. Knäbel weiß selbst, dass solche Beteuerungen in der schnelllebigen Bundesliga-Branche eine kurze Halbwertszeit haben. "Ich mag keine Leute, die irgendwelche Treueschwüre machen und dann plötzlich jemand anders aus dem Hut zaubern", sagte Knäbel. Er ließ die Treueschwüre gleich bleiben, denn angesichts der akuten Abstiegsgefahr ist es wahrscheinlich, dass Knäbel einen Nachfolger für Zinnbauer aus dem Hut zaubert. Nicht als Panikreaktion, sondern nach gewissenhafter Beratung, in die auch der Trainer selbst einbezogen werden soll - so beschreibt es Sportchef Knäbel: "Es steht auf dem Prüfstand, wie wir miteinander die Liga halten. Da wird Joe sicher seine Analysen präsentieren."

Zinnbauer kommt aus der Nachwuchsabteilung, kennt den Klub, ist beliebt bei den Spielern. Die Fans stehen ihm wohlwollend gegenüber. Doch sein Problem ist, dass die Mannschaft keine Tore schießt, was auch gegen Berlin wieder zu besichtigen war. In 26 Spielen trafen die Hamburger gerade 16 Mal. Stellt Zinnbauer seine Mannschaft defensiv auf, steht das Spiel nach vorne still. Stellt er sie offensiv auf, klaffen hinten Lücken, die so groß sind, dass die Elbe hindurchfließen könnte. Unter Zinnbauer findet der HSV keine Balance. Er hätte Verständnis, falls ihm der Klub in den kommenden Tagen die Verantwortung für die Profi-Mannschaft entziehen würde. "Es geht nicht um mich, es geht um den HSV", sagte Zinnbauer mit dem in der Branche üblichen Pathos.

Zwei Kandidaten werden genannt

Problematisch wäre seine Nachfolge. Welcher Trainer möchte schon in der aktuellen Lage den Hamburger SV übernehmen und am Ende schuld sein, wenn der Verein zum ersten Mal aus der Bundesliga absteigen sollte? Als Kandidat wird der langjährige Hamburger Profi Thomas von Heesen genannt. Auch Bruno Labbadia ist Gerüchten zufolge ein Anwärter auf den Trainerposten.

Noch ist Zinnbauer aber im Amt, und mindestens einen Tag wird es auch dabei bleiben, wenn man Knäbel glaubt. Eine Entscheidung schon an diesem Samstag schloss er nach der bitteren Niederlage gegen Hertha BSC aus.

Hamburger SV - Hertha BSC 0:1 (0:0)
0:1 Langkamp (84.)
Hamburg: Adler - Diekmeier (87. Beister), Djourou, Cléber, Westermann - Behrami, van der Vaart (75. Holtby) - Nicolai Müller, Stieber, Ilicevic (63. Lasogga) - Olic
Berlin: Kraft - Pekarik, Langkamp, Brooks, Plattenhardt - Skjelbred, Lustenberger - Beerens, Stocker (77. Hegeler), Ben-Hatira (46. Haraguchi) - Kalou (87. Nico Schulz)
Schiedsrichter: Dingert (Lebecksmühle)
Zuschauer: 53.640
Gelb-Rote Karte: Cléber wegen wiederholten Foulspiels (81.)
Gelbe Karten: Behrami (7), Holtby (4) - Langkamp (2)



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insgesamt 76 Beiträge
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Seite 1
Levator 21.03.2015
1. Robin Dutt
könnte wieder ins Trainergeschäft beim HSV einsteigen, seinen Job als "Managerle" des VfB erfüllt ihn ja augenscheinlich nicht. Immerhin wäre er dann die einzige Person in der Buli, welche innerhalb einer Saison auf zwei verschiedenen Positionen 2 völlig andere Vereine in den Abgrund führt. Wenn das mal keinen Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde wert ist....
diezwo 21.03.2015
2. Abstieg
So leid es mur ja für den HSV tut, aber sie hätten schon letzte Saison den Abstieg verdient gehabt. Steigt der HSV slso diese Saison ab, so ist dss nur folgerichtig...
xbtfx 21.03.2015
3. falsche Überschrift...
... die richtige müsste lauten: Welcher Trainer möchte diese "untainierbare, unfassbar schlechte GURKEN"-Truppe übernehmen? Nur der HSV - das war mal, jetzt muss es heißen: nie mehr HSV. LEIDER.
berviola 21.03.2015
4. Kleine Anfrage
Wieviele Trainer hat der HSV in den letzten 10 Jahren verschlissen ??? Ein Trainer steht in der heutigen Schnelllebigkeit bei Misserfolg schnell in der Kritik. Aber mal Hand aufs Herz, mit einem solchen Kader an mittelmäßige Möchtegernstars gibt es keinen Trainer, der diese Treter- und Trümmertruppe auf Linie bringt ! Verwunderlich nur, das in Hamburg bei Heimspielen das Stadion immer noch gut besucht ist, aber wahrscheinlich mit dem Hintergrund, einfach mal erste Liga gucken, solange das noch möglich ist. Für den HSV gehen sicherlich die wenigsten Leute ins Stadion, kann man auch gut verstehen.
sanierer 21.03.2015
5. Magath
Mein Tip: Magath übernimmt. Ob der mit seinen dikatorischen Methoden diesen seelenlosen Söldnerhaufen auf Vordermann bringen kann ist allerdings fraglich. Hier hilft nur kräftiges Ausmisten des überbezahlen Kaders
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