Sport

Pyrotechnik beim HSV-Abstieg

Viel Rauch um wenig

Mit dem Einsatz von Böllern und Pyrotechnik haben einige HSV-Fans beim Abstieg für unschöne Bilder gesorgt. In der öffentlichen Hysterie geht aber unter: Es wurde niemand verletzt.

Ein Kommentar von Eike Hagen Hoppmann

AFP

Polizisten im Volksparkstadion

Montag, 14.05.2018   14:19 Uhr

Als die Nachspielzeit schon lief und der erste Hamburger Bundesliga-Abstieg nicht mehr abzuwenden war, zogen HSV-Fans auf der Nordtribüne eine Blockfahne hoch, vermummten sich darunter und zündeten anschließend Pyrotechnik, Rauchbomben und Böller. Einen Teil davon warfen sie auf das Spielfeld, das Spiel musste minutenlang unterbrochen werden. Ein Großteil der 57.000 Zuschauer im Volksparkstadion pfiff die Verursacher aus und forderte mit Sprechchören von den Polizisten auf dem Rasen: "Holt Sie raus! Holt sie raus!"

Auch außerhalb des Stadions war die Empörung groß. "Kriminelle Arschlöcher" und "Abschaum" waren nur ein paar der Bezeichnungen für die Verursacher in den sozialen Medien. Einige wünschten sich, die 55.000 anderen Zuschauer sollten doch am besten vor dem Stadion auf die Pyro-Zünder "warten", andere ein härteres Durchgreifen der Polizei. Die "Süddeutsche Zeitung" schrieb von "wahnsinnigen Hooligans". Der Chefredakteur der "Bild"-Zeitung konnte sogar einen "Gewaltausbruch" beobachten. In der "Welt" hieß es, man müsse in der Bundesliga Angst haben, von "geistig tiefergelegten Chaoten erschlagen zu werden."

Keine Verletzten während oder nach dem Spiel

Aber zu Gewalt ist es im Hamburger Stadion gar nicht gekommen. "Es sind keine Personen verletzt worden - weder vor noch nach dem Spiel", sagt eine Sprecherin der Polizei Hamburg auf SPIEGEL-Anfrage. Zu Sachbeschädigungen konnte die Sprecherin keine Angaben machen. Das kann alles nur Glück gewesen sein, ändert aber nichts am Ergebnis. Wer viele Berichte zu den Vorkommnissen gelesen hat, muss den Eindruck haben, dass deutlich mehr passiert ist.

Die "Süddeutsche" fand es "besonders irre", dass bei den Vorbereitungen der Pyroaktion niemand dazwischenging. Was wäre aber das Ergebnis gewesen, wenn die Polizei die Aktion zu unterbinden versucht und "sie rausgeholt" hätte? Ein Blocksturm hätte unkalkulierbare Folgen gehabt. "Es hätte ein unübersichtliches Handgemenge auf der Tribüne gedroht", sagte Hamburgs Innensenator Andy Grote. Als hunderte Polizisten im Jahr 2013 beim Champions-League-Spiel zwischen Schalke 04 und Paok Saloniki wegen eines Banners die Schalker Nordkurve stürmten, gab es insgesamt 89 Verletzte.

Pyrotechnik ist eine Ordnungswidrigkeit

Die Polizei hat nach dem Prinzip der Verhältnismäßigkeit zu handeln. Das Abbrennen von Pyrotechnik ist aber häufig nur eine Ordnungswidrigkeit nach dem Sprengstoffgesetz und keine Straftat. Wenn deshalb nicht sofort eine mehrere tausend Personen fassende Stehplatztribüne gestürmt wird, hat das wenig mit dem Entstehen rechtsfreier Räume in Fußballstadien zu tun, sondern ist das Ergebnis einer polizeilichen Abwägung.

Ob Pyrotechnik generell in deutsche Stadien gehört oder nicht, ist umstritten. Fakt ist: In Deutschland ist der Einsatz in Stadien verboten. Deshalb muss der Einsatz im Hamburger Stadion auch dementsprechend bewertet werden. Die Bilder der dichten schwarzen Rauchsäulen und die Geräusche der Böller können vor allem die Kinder im Stadion verstört haben. Dafür müssen die Verursacher kritisiert werden. Aber nicht für Gewalt, die es im Volksparkstadion nicht gegeben hat.

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