Hamburg - Fast 500-mal spielte Uwe Seeler für den Hamburger SV, er schoss über 400 Tore für den Club, er ist der wohl größte Spieler, der je für den Verein aufgelaufen ist. Doch schon seit Monaten herrscht zwischen Club und Legende Streit, nun erreichten die Reibereien ihren vorläufigen Höhepunkte: Seeler lehnt es ab, Ehrenpräsident des Hamburger SV zu werden.
"Das stimmt. Es ist eine Entscheidung, die ich mal vor längerer Zeit getroffen habe. Und dabei bleibt es", sagte der 76-Jährige. Der Ex-Profi und -Präsident des HSV bestätigte damit einen "Sport Bild"-Bericht. Der vom befreundeten Unternehmer Heinrich Höper gestellte Antrag auf Ernennung zum HSV-Chef ehrenhalber, über den auf der nächsten Mitgliederversammlung abgestimmt werden sollte, sei auf seinen Wunsch zurückgezogen worden, sagte Seeler. Gründe für diesen Entschluss wollte er nicht nennen.
Clubboss Carl Edgar Jarchow sagte: "Das haben wir zu akzeptieren. Zugleich legt der aktuelle HSV-Vorstandsvorsitzende "Wert auf die Feststellung, dass Uwe Seeler das größte Aushängeschild des HSV war und ist."
"Arnesen sollte sich gut überlegen, was er von sich gibt"
Anders als Seeler sprach Höper in der "Sport Bild" zum Thema: "Er hat das Verhalten von Sportchef Frank Arnesen satt. Dessen Gedanken und Handlungsweisen sind für ihn nicht nachvollziehbar." Mit Arnesen war Seeler zuletzt im Februar wegen des Wechsels seines Enkels Levin Öztunali zu Bayer Leverkusen aneinandergeraten.
Arnesen hatte im Bemühen, das Talent zu halten, mit der Aussage, "es liegt an Levin, ob er sich für Ausbildung und Familie oder fürs Geld entscheidet", Druck ausgeübt - und Seeler damit verärgert. Denn Seeler wollte niemanden in seiner Familie dem Vorwurf der Geldgier ausgesetzt sehen. "Armselig" nannte Seeler das Vorgehen des Dänen. Und: "Arnesen sollte sich gut überlegen, was er von sich gibt."
Seeler hatte zuletzt wiederholt Kritik am HSV geübt. Nach der vergangenen Saison, als es fast bis zum Schluss gegen den Abstieg ging, merkte er an: "Ich meine vieles, wenn nicht alles, muss sich bei uns ändern. Zum Glück waren drei Clubs schlechter als wir." Nach dem Fehlstart in diese Bundesliga-Saison griff er erstmals offen Arnesen an: "Ich bin nachdenklich geworden, da ich überhaupt keinen Fortschritt sehe. Auch daran muss sich ein Sportchef messen lassen." Nach dem Weckruf ging es - allerdings dank der auch von Arnesen eingefädelten Transfers von Rafael van der Vaart und Co., aufwärts: Aktuell ist der HSV Sechster.
leh/dpa
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