HSV-Sieg im Abstiegskampf Ekstase dank der Abrissbirne

2:0 geführt, dann doch noch den Ausgleich kassiert - der Hamburger SV schien sich auch gegen Augsburg wieder selbst im Weg zu stehen. Doch dann wuchtete Pierre-Michel Lasogga den HSV zum im Abstiegskampf so wichtigen Sieg.

Hamburgs Lasogga: Wieder in Form
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Hamburgs Lasogga: Wieder in Form


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In den letzten Sekunden wechselte der Hamburger SV noch einmal. Stadionsprecher Lotto King Karl nutzte die Gelegenheit, um Schiedsrichter Tobias Welz darauf hinzuweisen, dass das Spiel eigentlich schon zu Ende sein müsste. Er möge doch bitte schnell abpfeifen. Als Artjoms Rudnevs für Gojko Kacar den Rasen betrat, moderierte der Stadionsprecher den Tausch demonstrativ mit den Worten an: "In der vierten Minute der Nachspielzeit...". Dabei hatte der Schiedsrichter nur drei zusätzliche Minuten anzeigen lassen.

Der HSV musste noch ein paar Momente länger um den ersten Sieg seit Anfang Februar und nach zuletzt fünf Niederlagen bangen.

Doch dafür bebte das Stadion im Volkspark um so mehr, als Schiedsrichter Welz die Partie gegen Augsburg nach 94 Minuten beim Stand von 3:2 abpfiff.

Und als die Hamburger Spieler sich nach der obligatorischen Feier vor der Fankurve in die Kabine verabschiedeten und viele Zuschauer schon auf dem Weg zu den Ausgängen waren, erreichte der Lärmpegel noch einmal Düsenjäger-artige Werte. Denn auf den Anzeigetafeln wurden die Ergebnisse der Konkurrenten im Abstiegskampf eingeblendet, die allesamt zugunsten des HSV ausgefallen waren: die Niederlage von Hannover 96 und das Unentschieden zwischen Stuttgart und Freiburg.

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Fußballbundesliga: Hamburger Befreiungsschlag
"Die Totgeglaubten haben die anderen Mannschaften unter Druck gesetzt", sagte Hamburgs Verteidiger Westermann. Die Totgeglaubten, damit meinte er sein eigenes Team.

Der HSV hat sich durch den Sieg gegen Augsburg vom letzten Rang auf den Relegationsplatz 16 hochgearbeitet, zumindest vorläufig. Der SC Paderborn kann die Hamburger mit einem Sieg im Spiel gegen Werder Bremen am Sonntag (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) wieder überholen.

Ein wichtiger Sieg für die Moral und die Fans

Nicht nur für das Punktekonto war der Erfolg gegen den Europapokal-Aspiranten aus Schwaben wichtig, genauso viel Bedeutung hat er für die Moral des HSV und für das Gefühl in seiner Fangemeinde. Das Team war zuletzt ja scheinbar unaufhaltsam dem ersten Abstieg der Vereinsgeschichte entgegengerauscht, selbst hartnäckige Optimisten sahen kaum Hinweise, dass die Hamburger jemals wieder ein Tor schießen oder sogar punkten würde.

Das Restprogramm des Hamburger SV

Spieltag Gegner Heim/Auswärts
33. VfB Stuttgart A
34. FC Schalke H
Und dann? Nach zwei Monaten Torflaute gelang den Hamburgern nicht nur ein Treffer, sondern gleich zwei in nur wenigen Minuten. Der HSV führte 2:0 durch den ersten Treffer von Ivica Olic seit dessen Heimkehr vom VfL Wolfsburg und durch Pierre-Michel Lasogga. Durch HSV-typische Unachtsamkeiten kassierten sie den Ausgleich - und schlugen nur Sekunden später durch Lasoggas Siegtreffer zurück. Mit der Wucht einer Abrissbirne drosch er den Ball ins kurze Eck und versetzte damit das Publikum im Volkspark in Ekstase.

"Die Mannschaft hat sich, dem Klub und der ganzen Stadt die Hoffnung zurückgegeben", sagte Trainer Bruno Labbadia nach dem ersten Sieg bei seinem zweiten Engagement in Hamburg. Dabei dürfte es ihm egal sein, dass es auch Teile der Stadt gibt - vor allem St. Pauli und Umgebung -, in denen eigentlich auf den Abstieg des HSV gehofft wird.

Die Situation bleibt brenzlig

Entscheidend für den Sieg gegen Augsburg war, dass die Mannschaft nicht einbrach, nachdem sie den 2:0-Vorsprung verspielt hatte. Das sah auch Labbadia so: "Wir sind wieder aufgestanden. Ich hoffe, dass uns das sehr viel Auftrieb gibt." Den wird der HSV brauchen. Denn die Glücksgefühle können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Lage der Hamburger immer noch brenzlig ist. Das Restprogramm heißt Mainz, Freiburg, Stuttgart und Schalke.

"Wir müssen realistisch bleiben und sehen, wie viel wir investieren müssen, um einen Dreier mitzunehmen", sagte Marcell Jansen. Der HSV hat gegen Augsburg den frühzeitigen Abstieg verhindert, den Klassenerhalt aber noch längst nicht geschafft. Auch dank Lasogga schöpfen die Hamburger aber neuen Mut.

Der Angreifer kann in dieser Saison nicht annähernd an die Leistungen der vergangenen Spielzeit anschließen, als er den HSV mit 14 Treffern inklusive Relegation beinahe allein in der Liga hielt. Labbadia spricht dem Angreifer nachdrücklich das Vertrauen aus, ließ ihn schon bei der Niederlage in Bremen von Beginn an spielen - und freute sich gegen Augsburg über Lasoggas Explosion mit zwei Toren.

In Notsituationen müsse man klare Entscheidungen treffen, findet Labbadia, und voller Überzeugung handeln: "Und ich war der Überzeugung, dass ich Lasogga hinkriegen muss. Dazu gehört natürlich auch Glück."

Darauf hoffen die Hamburger auch im Endspurt der Saison.

Hamburger SV - FC Augsburg 3:2 (2:1)
1:0 Olic (11.)
2:0 Lasogga (19.)
2:1 Bobadilla (25.)
2:2 Tobias Werner (69.)
3:2 Lasogga (71.)
Hamburg: Adler - Westermann, Djourou, Rajkovic, Ostrzolek - Kacar (90.+3 Rudnevs), van der Vaart (75. Jiracek) - Stieber, Ilicevic (67. Jansen), Olic - Lasogga
Augsburg: Hitz - Verhaegh, Hong, Klavan, Baba - Baier - Esswein (78. Matavz), Feulner (60. Ji), Altintop (67. Höjbjerg), Tobias Werner - Bobadilla
Schiedsrichter: Tobias Welz
Zuschauer: 51.321
Gelbe Karten: van der Vaart (9), Kacar (2), Lasogga (2) - Ji

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insgesamt 31 Beiträge
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Seite 1
spon_2937981 25.04.2015
1. Irre Sachen
Heute sind eine Menge total irrer Sachen im Hamburger Volkspark geschehen: - der HSV hat gewonnen - der HSV hat ZUHAUSE gewonnen - der HSV hat ein Tor geschossen - sogar drei Tore - in EINEM Spiel - der HSV hat 2 Tore kassiert und nicht verloren Das muss es das letzte Mal vor gefühlt 100 Jahren gegeben haben... Noch zu erwähnen, dass nicht mal Djourou eine Slapstick-Nummer hingelegt hat.
haltetdendieb 25.04.2015
2. Zack, mein Kommentar vom 20.04.2015 02:27 Mehr Fußballverstand braucht es nicht!
#12 20.04.2015, 02:27 von haltetdendieb Quatsch mit Soße! Nächstes Wochenende wird Augsburg weggeputzt, dann ein Unentschieden in Mainz! Dann ein Sieg zu Hause gegen Freiburg. Dann auswärts ein Sieg oder unentschieden gegen Stuttgart. Und zum Guten Schluss ein 3:0 Hemsieg gegen Schalke 04! Das dürfte dann reichen! Vielleicht muss der HSV nicht einmal in die Relegation. Die Niederlage gegen Werder war voraussehbar, nur komisch, dass Werder so wenig Tore geschossen hat. Ein 0:1 gegen Werder ist aller Anlass auf Hoffnung. Absteiger Paderborn und Freiburg. Drittletzter: Hannover oder Hamburg oder Stuttgart.
pepe ik 25.04.2015
3. Vielleicht
es wird trotzdem eng für den HSV. als Freiburg fan. sehe ich natürlich Stuttgart und Paderborn auf den direkten Abstiegsrängen ;-)
Ihr5spieltjetzt4gegen2 25.04.2015
4. Bruno L.
Nach der Bekanntgabe der Verpflichtung Labbadias meinte ich, dass dies bei aller Kritik an den bisherigen Trainerentscheidungen dieser Saison die vernünftigste ist. Auch dass die Wahrscheinlichkeit des Klassenerhalts für den HSV gestiegen sei. Weil sich Labbadia vornehmlich um den größten aller großen Knackpunkte kümmern wird, nämlich dass man kaum Tore erzielt. Wenn Bruno eines kann, dann ist es seinen Teams am Anfang wenn er eine Mannschaft übernimmt zu zeigen, wo das Tor steht. Heute jedenfalls hat sie es schon einmal, pardon dreimal gefunden. Wie die Mannschaften von Labbadia sich dann mittelfristig entwickeln ist wiederum eine ganz andere Frage, die aber für die letzten Spiele dieser Saison nicht interessiert. Ob Bruno L. nun tatsächlich mit seiner Mannschaft den Abstieg verhindern wird, kann man bei der engen Situation am Tabellenende kaum prognostizieren. 4 Spieltage vor Schluss haben 5 Teams fast die gleichen Voraussetzungen und Chancen. Wobei man das Spiel des SCP morgen noch abwarten muss. Aber ganz gleich wie es ausgeht, an der prinzipiellen Situation ändert es nichts. Jedenfalls bleibe ich dabei, die Chancen des HSV auf den Klassenerhalt ist durch die Verpflichtung Labbadias gestiegen.
821943 25.04.2015
5. Unfaire Einflussnahme durch den Stadionsprecher!!!
Diese Art der unzulässigen Kommentierung durch den Stadionsprecher wird den HSV teuer zu stehen kommen. In den offiziellen Bestimmungen des DFB (Handbuch) steht explizit, dass solche Versuche von Einflussnahmen unfair und verboten sind. Bei Ansagen von Toren oder Auswechslungen in der Nachspielzeit muss es heissen "In der Nachspielzeit....". Wenn überhaupt eine Minute genannt wird, dann stets die 45. bzw. 90., egal, ob es schon z.B. die 47. oder 92. Minute ist. So soll eine Beeinflussung von Außen vermieden werden.
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