Sieg beim Hamburger SV Die Billig-Bayern

Endlich wieder Bundesliga - und es ging gut los. Beim Duell des HSV gegen Bayern München gab es weniger Tore als erhofft, dafür aber mehr Spannung als erwartet. Zwei Duseltreffer und ein Coach in Doppelrolle: das Wichtigste zum Spiel.

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Ausgangslage: 0:8, 2:9, 0:5 - Duelle gegen die Bayern sind den HSV-Fans in jüngster Vergangenheit immer wieder in den schlimmsten Albträumen erschienen. 53 Gegentore waren es zuletzt in 14 Pflichtspielen, Scherzkekse fragten deshalb vor dem Spiel, ob es wirklich der Rückrundenstart der Bundesliga werden würde oder die Fortsetzung der Handball-EM. Der letzte Sieg der Hamburger gegen München: Ein 1:0, 2009, Trainer damals: Bruno Labbadia.

Aufstellungen

Hamburg: Adler - Ostrzolek, Cléber, Djourou, Diekmeier - Kacar (81. Jung), Holtby - Ilicevic (70. Gregoritsch), Hunt, Müller - Lasogga (77. Rudnevs)
München: Neuer - Alaba, Boateng (56. Martínez), Badstuber, Lahm - Alonso - Coman, Thiago, Müller (69. Vidal), Costa (81. Robben) - Lewandowski

Ergebnis: 1:2 (0:1) - Lesen Sie hier den Spielbericht.

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Bayern in der Einzelkritik: Typisch Müller!
Die erste Halbzeit: War zunächst geprägt von einer gewissen klaustrophobischen Stimmung im Mittelfeld, so eng machten die Hamburger das Zentrum. Der perfide Plan, die notorisch nach Ballbesitz strebenden Münchner so auf die Außen zu zwingen, ging lange auf. Weil die Turbo-Dribbler Kingsley Coman und Douglas Costa dort auch früh bei der Ballannahme gestoppt wurden, verdiente sich der HSV ein 0:0. Erst der Elfmeter (verwandelt von Robert Lewandowski nach Foul René Adlers an Thomas Müller) brachte die Bayern-Führung (37. Minute).

Debüt des Spiels: Aaron Hunt. Schoss als erster Spieler in der Rückrunde aufs Tor, und wir denken uns hier ein "ausgerechnet". Ausgerechnet Hunt, der es in seiner bisherigen Hamburger Zeit auf null Tore, null Vorlagen und eine Gelbe Karte gebracht hat (in neun Bundesligaspielen). Endgültig kathartisch wurde es dann in Halbzeit zwei, als ausgerechnet Hunt auch noch... aber dazu später mehr.

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Auf Wiedersehen: Ohne ihn wäre der HSV nicht mehr in der Bundesliga. Und so bekam Marcelo Díaz, Torschütze aus dem Relegations-Rückspiel, vor dem Bayernspiel seinen offiziellen Abschied. Es flossen auch Tränen. Ebenfalls sahen sich wieder: Der ehemalige Hamburger Jérôme Boateng (auf dem Platz) sowie die ehemaligen Münchner Ivica Olic (auf der Tribüne) und Bruno Labbadia (auf der Bank).

Die zweite Halbzeit: Ging gut los für die Hamburger, als (ausgerechnet) Aaron Hunt einen Freistoß trat, der dann unter gespannter Beobachtung vieler Beteiligter, aber ohne Berührung neben Manuel Neuer einschlug (53.). Dass Pierre-Michel Lasogga sich danach kurzerhand als Torschütze abfeiern ließ, würde man mit Empörung kommentieren, wäre es eben nicht Lasogga. Acht Minuten später war es Lewandowski, der erneut für die Bayern traf. Auch der Pole (17 Saisontore) wusste zunächst nicht recht, wie das geschehen war (Schuss von Müller mit dem Zeh abgefälscht). Jubelte dann aber zu Recht.

HSV-Torschütze Lasogga: Er war nicht dran
DPA

HSV-Torschütze Lasogga: Er war nicht dran

Zirkuskünstler des Spiels: Douglas Costa. Dachte man jedenfalls, als sich der (ansonsten eher schwache) Brasilianer in der 20. Minute einen halbhohen Ball mit der Hacke an Matthias Ostrzolek vorbeilegte. Aber dann kam da die 66. Minute, als Thiago eine hohe Flanke schlug und Lewandowski infolge unglaublicher Augen-Fuß-Koordination den Ball aus der Drehung traf und nur knapp neben das Tor beförderte.

Verletzung des Spiels: Erwischte Jérôme Boateng. Der neben Thomas Müller bisher wichtigste Bayernprofi verletzte sich bei einem Zweikampf an den Adduktoren. Wie lange er ausfällt, steht noch nicht fest. Immerhin führte sich sein Ersatz Javier Martínez gut ein - der Spanier bereitete den Siegtreffer mit vor.

Diplomat des Spiels: Bruno Labbadia. Schaffte es vor dem Spiel, seine Taktik gegen die Bayern vor den Sky-Kameras mit vielen Worten zu beschreiben, aber nichts zu verraten. Auszug: "Wir wollen bestimmte Dinge tun heute." Offensiv oder defensiv? "Ein Gemisch."

Klartexter des Spiels: Auch Bruno Labbadia. Schaffte es nach dem Spiel, mit deutlichsten Worten sein Innerstes nach außen zu kehren. "Zum Kotzen" sei das Ergebnis, der HSV habe "billige Tore" kassiert.

Disclaimer des Spiels: Dieser Beitrag kam (haben Sie es bemerkt?), komplett ohne den Bayern-Trainer aus. Wir wollten schonmal üben.

Zum Autor
Saima Altunkaya
Christian Gödecke ist Sportchef von SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Christian_Goedecke@spiegel.de

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insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
uli-schmitt 22.01.2016
1. Was soll denn diese Überschrift?
Klar, das augsteinsche Verlagshaus steht ja in Hamburg. Ich vergaß.
Spanier.cs 23.01.2016
2.
Ich bin sehr enttäuscht über die Schiedsrichterleistung. Gegen den FCB muss man ja aggressives Pressing spielen, dass das aber in aggressiven tacklings ausarten muss, finde ich echt unsportlich. Die Aktionen gegen Coman wurden ja immerhin zweifach geahnt, aber für die Aktion gegen Alonso hätte es gelb rot für Müller geben müssen. Dann der nicht gegebene Elfmeter und Lasoggas Abseitsstellung beim Ausgleich. Das Gute daran: Bayern hat dennoch gewonnen! Auch, wenn Boateng sicher mindestens einige Wochen ausfallen wird -.-
dasistdasende 23.01.2016
3. Spielzusammenfassung
Ein FC Bayern mit ordentlichem Kater aus der Winterpause besiegt in einem ziemlich mittelmässigen Kick mit Glück einen HSV dem man seine sehr limitierten Möglichkeiten ansah. Fazit: Für den HSV winkt der Abstiegskampf. Na gut, betrifft 2 drittel der Liga. Für die Bayern die Meisterschaft. Aber Trippel ? Nee, in der Form wohl eher nicht.
artner 23.01.2016
4.
Womit wir alles abgelenkt werden sollen, dabei steht uns der Kollaps und das Chaos unmittelbar bevor: https://www.bayernkurier.de/ausland/9630-die-lawine-kommt-ins-rollen "Die Lawine kommt ins Rollen Ein Alarmsignal: In der Ägäis hat sich im Januar die Zahl der Migranten gegenüber dem Januar 2015 verzwanzigfacht. Ein Jahr lang haben potentielle Migranten von Afrika bis Asien zugeschaut, wie einfach der Weg über die Balkanroute ist. Jetzt machen sie sich auf den Weg. Die Europäer haben nur noch wenige Winterwochen, um die EU-Außengrenzen abzuriegeln. Sonst droht Dramatisches... Was SPON sich da leistet, ist einfach nur unfaßbar.
christoph_seufert 23.01.2016
5. Nicht untypisch...
Die Bayern nicht zwingend aber überlegen. Der Überlegenheit kann der Gegner rund 60 Minuten standhalten und beginnt dann zunehmend Konzentrationsfehler zu machen. Bei den Bayern stimme komischerweise die Raumaufteilung so gar nicht.
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