HSV-Niederlage beim VfB Stuttgart Kreisklasse-Kick der Abstiegskandidaten

Die Stuttgarter sprachen von der "schlechtesten Leistung seit Ewigkeiten". Machte nichts: Denn es ging ja gegen den Hamburger SV - und der war noch schlechter. Doch trotz des VfB-Siegs redete Neu-Trainer Huub Stevens von "Kreisklasse".

Aus Stuttgart berichtet

REUTERS

Es lief die Nachspielzeit, Stuttgart führte 1:0 und 50.000 VfB-Fans sahen genau das, was sie in dieser Saison schon so oft gesehen hatten: Einer ihrer Spieler leistete sich einen schlimmen Fehler, ein anderer schaffte es nicht, den Ball aus der Gefahrenzone zu befördern, und das Verhängnis drohte, seinen Lauf zu nehmen.

Nahm es aber nicht, denn diesmal spielte der VfB gegen den Hamburger SV. Der hatte an diesem Samstagnachmittag offenbar friedliche Absichten und schien den Schwaben ihren 1:0-Sieg nicht zu neiden. Und das, obwohl die Stuttgarter die "schlechteste Leistung seit Ewigkeiten" zeigten, wie ihr Kapitän Christian Gentner einräumte. Der HSV steht nun auf Relegationsrang 16, am Sonntag kann ihn der 1. FC Nürnberg noch überholen.

Auch die VfB-Fans feierten nach dem Spiel eher verhalten. Dass es in der Form von Samstag auch gegen andere Gegner gutgehen könnte, konnten sie sich kaum vorstellen. Die Stuttgarter hatten zeitweise nicht einen einzigen Spieler in der gegnerischen Hälfte. Dabei wusste der HSV mit seinem Ballbesitz gar nichts anzufangen. Das Resultat: Im ersten Durchgang hatte der VfB eine Viertel-Chance durch Christian Gentner (16.), der HSV eine etwas bessere durch Milan Badelj (34.) - das war's.

"Beide Mannschaften hatten ein ähnliches taktisches Konzept", erläuterte HSV-Coach Mirko Slomka nach dem Spiel. "Das war nicht schön für die Zuschauer, aber es war spannend zu beobachten, wer früher aufmacht."

Westermann ließ sich immer wieder überlaufen

Nur eine Frage der Taktik? Wer sah, wie schwach der VfB seine Konter zu Ende spielte, wunderte sich jedenfalls genauso wenig über den Tabellenstand der Stuttgarter wie Anhänger des HSV über den des Nordclubs. Die mussten mitansehen, wie Heiko Westermann sich immer wieder von Ibrahima Traoré überlaufen ließ und außerdem völlig unbedrängt mit dem Ball über die Seitenauslinie lief.

Spielgestalter Rafael van der Vaart tauchte in der Anfangsphase ein Mal vor Keeper Sven Ulreich auf und ordnete sich danach dem gemächlichen Tempo der Kollegen unter. Milan Badelj und Tolgay Arslan, die beiden Sechser, spielten ausschließlich Sicherheitspässe. Beinahe hätte all das trotzdem zu einem torlosen Remis gereicht, denn der VfB war ähnlich uninspiriert.

Dann allerdings kam die 53. Minute: Hakan Calhanoglu sah nach einem Foul an Gentner die Gelb-Rote Karte (53.). Slomka wütete und konnte sich gar nicht mehr beruhigen - kommentierte die Entscheidung nach dem Spiel jedoch umso verständnisvoller. "In beiden Fällen kann man Gelb geben", sagte Slomka, "ich hätte mir aber mehr Fingerspitzengefühl gewünscht". Schließlich sei Calhanoglu "nicht als Treter bekannt".

Slomka stellte nach dem Platzverweis um: Er nahm van der Vaart aus der Partie, um mit Petr Jiracek die linke Seite zu stabilisieren. "Es war wichtig, beide Außenbahnen dicht zu halten."

Auch nach dem Rückstand blieb der HSV bei seiner Spielweise

Der Plan war gut, die Umsetzung nicht: In der 61. Minute setzte sich Traoré einmal mehr gegen Westermann durch und passte nach innen, der eingewechselte Alexandru Maxim erzielte die 1:0-Führung für den VfB (69.). Das Hamburger Vorhaben, nicht nur auf Beton, sondern sogar auf Granit zu setzen, war gescheitert.

Allerdings schien es, als hätten die neun HSV-Feldspieler den ursprünglichen Plan, das Ergebnis über die Zeit zu retten, so fest verinnerlicht, dass sie sich auch nicht durch den Rückstand davon abbringen ließen. Dass indes Stuttgart es nicht schaffte, gegen eine dezimierte und mutlose Hamburger Mannschaft einen zweiten Treffer nachzulegen, spricht ebenfalls Bände. In den Schlussminuten kamen Konstantin Rausch (88.) und Vedad Ibisevic immerhin noch einmal zum Abschluss (90.), scheiterten aber beide.

Möglicherweise dachte VfB-Trainer Huub Stevens auch an diese Szenen, als er sagte: "Es gab sehr gute Momente, aber auch Momente, die waren Kreisklasse." Tatsächlich überwogen die Kreisklasse-Momente bei diesem Spiel in Stuttgart. Die Konkurrenten in Braunschweig, Frankfurt, Freiburg, Nürnberg und Bremen werden es erleichtert registriert haben.



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insgesamt 18 Beiträge
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frowin 23.03.2014
1. ist das ihr ernst?
was in diesem Artikel steht ist nur lächerlich: "die VfB Fans feierten nur verhalten nach dem Sieg" wir kommt man darauf sowas zu schreiben??? Vor dem abpfiff ist keiner gegangen, in der Sekunde des Abpfiffs ist das Stadion explodiert wie seit der Meisterschaft nicht mehr. Auch 10 Minuten danach sind nur vereinzelt Leute gegangen und die Mannschaft wurde gefeiert. Erbärmlich was hier steht und die Leute glauben ihnen das auchnoch, schade das mein Kommentar nicht freigegeben wird.
zeyfor 23.03.2014
2. Unverständlich
schaut man sich in Stellingen keine Spiele der Vorwoche an ? Da hat der Traorè schon eine gut Leistung gezeigt. Da kannste halt keinen Westermann als Gegenspieler aufstellen. Na egal, der HSV geht so direkt in die 2. Liga. Lebenslang grün weiß.
s.schlobb 23.03.2014
3. Egal, 1:0 sind 3 wichtige Punkte
Egal wie, man muss die dreckigen Spiele gewinnen und das ist dem VfB schon lang nicht mehr gelungen. Geackert bis zur 80min und dann in den letzten 10min das Spiel verloren. Endlich mal einen Dreier! So wichtig. Vielleicht kann Stevens den Spielern noch ein bisschen Selbstvertrauen geben - dann klappt's auch mit dem Klassenerhalt.
frank_w._abagnale 23.03.2014
4. Slomka hat alles nur verschlimmert.
Der inspirationslose und einfach gestrickte Fußball à la Slomka hat schon die Fans von Hannover 96 in die Verzweiflung getrieben. Man kann es drehen und wenden wie man will, Slomka ist kein guter Trainer. Dwr HSV wird bis zum letzten Spieltag gegen den Abstieg kämpfen. Zur neuen Saison wäre man -egal wie diese Saison ausgeht- gut beraten, wenn man sich einen neuen Coach sucht.
rosmarino 23.03.2014
5. Naja, man muss nichts schönreden aber
dieser Bericht konzentriert sich über Gebühr auf die schwachen Momente. Wie schon Huub Stevens sagte meinen auch viele VfB-Fans, dass es durchaus auch Gutes zu sehen gab. Wie kann man Gentners Kopfball, der knapp am Pfosten vorbeistrich als "Viertel-Chance" bezeichnen? Hätte denselben Kopfball ein Bayern-Spieler markiert wär's eine Weltklassechance gewesen. Dreckige 3 Punkte sind in dieser Situation besser als wie in der Vergangenheit fürs Auge etwas schöner gespielt und kurz vor Schluss vergeigt.
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