HSV-Niederlage gegen Holstein Kiel Man sieht sich immer zweimal

Der Hamburger SV will, nein, muss aufsteigen. Die Pleite gegen Holstein hat gezeigt, wie schwer das in dieser zweiten Liga wird. Unter den Kieler Torschützen: ein Relegationsopfer von 2015.

Kiels Torschütze Jonas Meffert
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Kiels Torschütze Jonas Meffert

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Späte Rache: Erinnern Sie sich noch an die Relegation 2015? Als der Hamburger SV beim Karlsruher SC kurz vor dem ersten Abstieg aus der Bundesliga stand? Bis zur 90. Minute führte der KSC 1:0, es folgte ein zweifelhaftes Handspiel, der anschließende Freistoß von Marcelo Diaz rettete den HSV in die Verlängerung - der Rest ist bekannt. Der vermeintliche Handspieler war Jonas Meffert, der nun, über drei Jahre später, für Holstein Kiel spielt und den mittlerweile wirklich in der zweiten Liga gelandeten HSV mit seinem Tor zum 0:1 in die nächste Krise stürzte.

Das Ergebnis: Es kam noch schlimmer, der HSV verlor das erste Heimspiel der Saison 0:3 gegen stark aufspielende Kieler. Hier geht es zum Spielbericht.

"Wenn du aus Bremen kommst": Der an diesem Spieltag verhinderte Lotto King Karl hatte sich früh entschieden, seine Stadionhymne "Hamburg, meine Perle" nicht umzutexten. So sangen die Fans im ausverkauften Volksparkstadion gewohnte Textzeilen wie "Wenn du aus Bremen kommst, gibt's für dich hier nichts zu holen". Die Ironie an diesem Abend: Sturm-Talent Jann-Fiete Arp stand nicht im Kader, spielte stattdessen parallel mit der U21 in der Regionalliga bei Werder Bremen - und verlor 0:4.

Banner der HSV-Fans
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Erste Hälfte: "Dies ist die Geschichte eines Vereins, der fällt.… Aber wichtig ist nicht der Fall, sondern die Landung - auf geht's HSV." Mit diesem Spruch wurden die Spieler beim ersten Zweitliga-Heimspiel der Vereinsgeschichte von ihren Fans in Empfang genommen.

Die Landung hätte viel weicher sein können, wenn die Chancenverwertung besser gewesen wäre. Tatsuya Ito, Jairo, Lewis Holtby und zweimal Khaled Narey hatten exzellente Gelegenheiten, verpassten aber entweder knapp oder wie Narey sehr deutlich. Die beiden Torchancen von Lee Jae-Sung und Mathias Honsak hätten die Hamburger allerdings warnen sollen - denn die Kieler wurden mit jeder Minute besser.

Kapitän Holtby: Weil Aaron Hunt angeschlagen nicht im Kader stand, trug Holtby die Kapitänsbinde. Das ist eine erstaunliche Wendung, denn bevor Christian Titz im vergangenen März den Job des Cheftrainers übernahm, war der ehemalige Nationalspieler aussortiert und das Gesicht der verfehlten Transferpolitik der vergangenen Jahre. Titz kennt Holtby aber gut, schenkte ihm sofort das Vertrauen, und Holtby zahlte das Vertrauen mit fünf Toren in acht Spielen zurück. Nun gilt er als Hoffnungsträger - und darf den ruhmreichen HSV als Kapitän anführen.

Zweite Hälfte: Holstein, das Überraschungsteam der vergangenen Saison, musste viele Abgänge verkraften. Trotzdem schaffte es der neue Trainer Tim Walter schon zu diesem frühen Zeitpunkt, eine eingespielte Mannschaft mit klarer Spielidee zusammenzustellen. Das Übergewicht wurde mit jeder Minute größer, und so waren die Tore von Meffert, David Kinsombi und Honsak die logische Folge einer Entwicklung, die viele HSV-Fans vor dem weiteren Saisonverlauf zittern lassen.

Kiel zerstörte das auf Ballbesitz ausgelegte Titz-System mit einfachen Mitteln - und brachte die Hamburger Defensive mit schnellem Umschaltspiel immer wieder in Bedrängnis. Einziger Trost: In der zweiten Liga werden nur wenige Mannschaften so gegen den HSV antreten, doch dann werden spielerische Lösungen gefragt sein. Für die Hamburger dürfte es eine ganz lange Saison werden.

Lee Jae-Sung
Getty Images

Lee Jae-Sung

Der beste Zugang: Der HSV war gezwungen, wenig Geld auf dem Transfermarkt auszugeben. Trotzdem wurden mit Narey, David Bates, Christoph Moritz und Jairo Spieler verpflichtet, die zum Plan des sofortigen Wiederaufstiegs passten. Die wahren Gewinner sind aber die Kieler, denen mit Lee ein wahrer Coup gelungen ist. Der 25-Jährige Mittelfeldspieler stand im WM-Kader von Südkorea und war direkt im ersten Pflichtspiel für Holstein mit zwei Torvorlagen, vielen klugen Pässen und einer für die zweite Liga einzigartigen Übersicht der beste Mann auf dem Platz.

Hamburger SV - Holstein Kiel 0:3 (0:0)
0:1 Meffert (56.)
0:2 Kinsombi (78.)
0:3 Honsak (90.+3)
Hamburg: Pollersbeck - Sakai, Bates (57. David), van Drongelen, Santos - Steinmann, Janjicic (83. Moritz) - Holtby - Narey, Samperio (57. Lasogga), Ito.
iel: Kronholm - Dehm (70. Patrick Herrmann), Schmidt, Wahl, van den Bergh - Mühling, Meffert - Schindler, Lee (81. Mörschel), Honsak - Serra (70. Kinsombi).
Zuschauer: 57.000 (ausverkauft)
Schiedsrichter: Fritz
Gelbe Karten: Steinmann - Meffert, Lee, Schmidt



insgesamt 26 Beiträge
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skeptikerjörg 04.08.2018
1. Willkommen
Willkommen in der harten Realität der 2. Liga. Es war schon immer schwerer, in die BuLi aufzusteigen, als drin zu bleiben. Dazu braucht es Kampf und die Bereitschaft, Fußball auch mal zu arbeiten. Muss man lernen, auch, wenn man HSV heißt.
mirkor 04.08.2018
2. 0:3 für Kiel
Kann eine ganz harte Saison für den HSV werden, da alle 2. Ligisten dem ausgestorbenen Dino ein Bein stellen werden wollen...
frank.huebner 04.08.2018
3. Der HSV wird sich shcon umgucken
Der HSV wird es schwer haben in der 2. Liga. Die oberen 3-5 Mannschaften der "alten" 2. Liga waren weitaus besser ais die schwachen Hamburger. Daher war der Sieg nicht zu erwarten. Mit dem sofortigen Aufstieg wird es meiner Meinung nichts werden.
skla5555 04.08.2018
4. Willkommen HSV....
.....in der zweiten Liga. Wer weiß - am Ende ist eine solche Niederlage zu Beginn einer Saison ein heilsamer Schock. Lieber jetzt drei Punkte liegen lassen und daraus lernen, als wieder mit geeier durch die Saison. Hoffen wir für den immer noch großen HSV das der Lerneffekt vorhanden ist.
gruebi01 04.08.2018
5. Der HSV - ein Verein, der selten enttäucht…
…zumindest, wenn man es aus der Perspektive seiner Liga-, neuerdings Zweitligakonkurrenten betrachtet. In diesem Spiel waren 3 Punkte eigentlich Pflicht für eine Mannschaft, die sich schon auf dem Weg zurück in die erste Liga sah. Das Problem: Auch in der 2. Liga gibt es Vereine, die Fussball cleverer spielen, als der "große" HSV.
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