HSV vor dem Bundesliga-Abstieg Jetzt stirb endlich, du Bestie!

Explosionen, Flammenwerfer, Unterdruck? Egal. Das Monster aus den "Alien"-Filmen ist eine der zähesten Kreaturen der Kinogeschichte. So zäh, dass es am Ende nur noch nervt. Mit dem HSV ist es nicht anders.

Filmszene aus "Alien: Covenant"
Twentieth Century Fox/ AP

Filmszene aus "Alien: Covenant"

Eine Filmkritik von


Mehrfach denkt Ellen Ripley, einzige Überlebende des Raumschiffs Nostromo, sie habe die zähe Bestie besiegt. Endlich, das verfluchte Biest ist tot! Der Zuschauer versinkt in seinem Kinosessel, atmet gemeinsam mit der von Sigourney Weaver gespielten Heldin durch - ehe das Weltraummonster plötzlich doch wieder aus irgendeiner dunklen Ecke auf sie zuspringt. Es hat überlebt, irgendwie.

Im Science-Fiction-Klassiker "Aliens - Die Rückkehr" treibt Regisseur James Cameron dieses Spiel im Jahr 1986 auf die Spitze. Immer wieder lässt er das Monstrum nur scheinbar verenden, immer wieder steht es auf, nur um sich auf der Leinwand den nächsten Schlag abzuholen. Spätestens jedoch, wenn der Film in seine dritte Stunde geht, nervt dieses Ritual. Auch der naivste Kinobesucher weiß längst, dass der Alien diesen Kampf nicht überleben wird.

Sehr ähnlich verhält es sich mit dem Hamburger SV.

Dessen Abschied aus der Fußball-Bundesliga wird ebenfalls seit Jahren mit kurios inszenierten Wendungen künstlich in die Länge gezogen. Wie Cameron ist der HSV ein Meister des verschleppten Endes. Irgendwann aber muss (!) jeder Film einmal enden. An diesem Wochenende könnte es erneut so weit sein, auch wenn dafür einiges zusammenkommen muss.

Säure in den Adern, dazu flink wie Dennis Diekmeier

Zu Beginn des Films wird der Alien noch als schlagkräftiger Koloss eingeführt. Säure in den Adern, dazu flink wie Dennis Diekmeier. Ein geheimnisvolles Wesen, das in grauer Vorzeit in seiner Heimatwelt angeblich sogar einmal den Europapokal der Landesmeister gewonnen hat. Ein Sympathieträger ist er natürlich nicht, er frisst sich stattdessen fauchend durch die Kolonie auf dem Planeten LV-426. Der Alien macht kaum Identifikationsangebote, seine Motivation bleibt unklar. Dennoch war er einmal: eine respektable Kreatur.

Im Verlauf des Films jedoch trifft er manch unkluge Entscheidung, hat vielleicht hier und da auch etwas Pech. Und so wird der Zuschauer Zeuge der langsamen Metamorphose eines stolzen Lebewesens zu einer jämmerlichen Gestalt, die ihren Kampf gekämpft und augenscheinlich verloren hat, sich aber einfach dem Abstieg verweigert.

Einmal überlebt das Biest eine gewaltige Explosion und huscht mit zwei Unentschieden gegen Fürth in einen Luftschacht. Dann hat es sich im Fahrwerk versteckt, dort dank der Unterstützung von Manuel Gräfe und Marcelo Díaz noch einmal eine Verlängerung erzwungen, zuletzt krallte es sich mit einem späten Kopfballtreffer gegen Wolfsburg an der Schiffsaußenhülle fest.

In your face, Alienkönigin!

"Ripley, hinter dir!" - Flammenwerfer. In your face, Alienkönigin! Von dieser Hinserie 2017 kann sie sich einfach nicht erholen. Dann folgen Siege gegen Schalke und Freiburg. "Lass sie gefälligst in Ruhe, du Mistvieh!" Das bemitleidenswerte Monstrum hat inzwischen kein anderes Ziel mehr als das Überleben, strategische Entscheidungen trifft es längst nicht mehr. Aber in Würde absteigen, das darf es einfach nicht.

Dabei ist diesem verdammten Monster wenig so sehr zu wünschen wie diese Erlösung. Möge es doch endlich aus der Luftschleuse gesaugt werden, still und heimlich die Uhr von seinem Raumschiff schrauben und sich im Weltraum in aller Ruhe erneuern. Im Grunde warten die Leute doch alle nur noch auf den Abspann.

Darauf, dass das Licht angeht und jemand das Popcorn aufsammelt.

Anmerkung: Der Autor schlief als Kind nicht nur im übertragenen Sinn in HSV-Bettwäsche, er hatte zudem mehrere Dauerkarten im Volkspark und noch immer eine kleine Trikotsammlung des Klubs. Aber auch er ist in den vergangenen Jahren mürbe geworben. Sehr mürbe.



insgesamt 52 Beiträge
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Daedalus 28.04.2018
1.
Sehr schöner Text, der die Verzweiflung der HSVler ob der nie endenden Geschichte gut ausdrückt. Ich wünsche dem HSV ebenfalls den rettenden Abstieg, damit endlich mal eine richtige Erneuerung stattfinden kann.
ausmisten 28.04.2018
2. Frau Burmester,
die Hamburger Deern und Bayern Hasserin bitte fuer den Abschlussbericht der BL Saison reaktivieren. So viel Spass muss sein!
sking 28.04.2018
3. Hallo?
Erstens: Ich habe sehr über den von Babak Milani unter Pseudonym geschriebenen Text geschmunzelt. Zweitens: Ich bin HSV-Fan und habe in den letzten Jahren mehr Emotion mit Happy End erlebt als die Anhänger aller anderen Mannschaften (außer vllt Kiel). Neidisch? Drittens: Meine Mannschaft und mich erwartet heute zum x-ten Mal DAS Spiel der Saison. Welcher andere Fan kann in Sachen Spannung da mithalten? Mainz, Freiburg und v.a. Wolfsburg versuchen es. Scheitern aber kläglich. Viertens: Die Art und Weise, wie kalt Ripley gegen Ende des zweiten Teils mit ungeborenem Leben oder der verzweifelten Alien-Mutter umgeht, erinnert mich an Addi oder Bayern München. Ich bin froh als HSV-Fan von Instinkten geleitet zu sein anstatt von sogenannter "Vernunft". NUR der HSV! Fünftens: Der Hauptrolle im Erstliga-Abstiegskampf 19/20 wird auch dem HSV gehören. Tut mir leid für alle Vereine, die neben München aus sportlichen Gründen mal auf die Titelseite kommen wollten. Sechstens: Wieviele Alien-Teile gibt es nochmal? Siebtens: Wenns doch nix wird, freue ich mich schon jetzt auf ein hungriges , junges Team mit eigenen Talenten von denen die Ripley-Anhänger nur träumen können.
rgsf 28.04.2018
4. Labbadia nimm Rache!
Dafür dass auch du vom Monster aufgesaugt, durchgekaut und wieder ausgespuckt wurdest. Heute ist deine Chance uns alle der Erlösung einen Schritt näher zu bringen!
Nonvaio01 28.04.2018
5. Sorry aber
der HSV nervt, die Alien Filmreihe mit dem HSV zu vergleichen ist eine frechheit. Wenn dann sollte man den HSV lieber mit Police Academy vergleichen wo es am ende auch 8 oder 9 teile gab. Alien Filme sind professionell erstellt mit Visionen, soetwas gibt es beim HSV nicht.
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