Fußball-Idol Löhr gestorben Er wird Köln fehlen

Spieler, Manager, Trainer: Hannes Löhr war eine Kölner Fußball-Legende. 14 Jahre stand er für den Klub ein, nie wieder war der FC so erfolgreich. Und nie wieder hatte er solche Typen wie Löhr.

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DPA

Flanke von Jürgen Grabowski von der rechten Seite, sie segelt in den Strafraum, der Ball jedoch scheint zu weit zu fliegen, aber dann: "Löhr springt", erkennt ZDF-Live-Kommentator Werner Schneider die Situation, aber Löhr springt nicht nur, er köpft den Ball auch zurück zur Mitte, dort wo Gerd Müller steht und zum 3:2-Sieg in der Verlängerung verwandelt. WM-Viertelfinale 1970 in Mexiko gegen England.

Eines der Legendenspiele der Nationalmannschaft - es ist die Partie, die Hannes Löhr als Nationalspieler zum Unvergessenen machte.

Löhr, Spitzname "De Nas", das Kölsche Fußballidol, er ist mit 73 Jahren gestorben. Schon der Vierte aus jener Kölner Meistermannschaft von 1978, der letzten, die den Bundesligatitel in die Domstadt holen konnte.

Nach Trainer Hennes Weisweiler, nach dem genialen Mittelfeldspieler Heinz Flohe und Verteidiger Roland Gerber. Löhr war damals schon 35 Jahre alt, es war seine Abschiedssaison, er hat kaum noch gespielt, aber niemandem hatte man diesen Titel so gegönnt wie ihm.

14 Jahre beim 1. FC Köln

1964 war er als junger Kerl zum FC gekommen, die Mannschaft war da gerade der erste deutsche Bundesligameister geworden, sie strotzte damals vor Stars wie dem 54er-Weltmeister Hans Schäfer und dem jungen Wolfgang Overath. Löhr fand sofort seinen Platz in der Mannschaft, und im Grunde gab er ihn bis kurz vor seinem Karriereende nicht mehr ab.

14 Jahre 1. FC Köln, heute eine fast nicht mehr vorstellbare Vereinstreue, 381 Ligaspiele, 166 Tore, zahlreiche Europapokalschlachten. Löhr hat in diesen 14 Jahren alles erlebt, und es waren beileibe nicht nur die Höhen. So musste er den berühmten Münzwurf von Rotterdam auf dem Feld miterleben, als die Kölner aus dem Europacup ausschieden, weil zuvor in drei Spielen gegen den FC Liverpool keine Entscheidung gefallen war und die Münze am Ende den Ausschlag gegen die Deutschen gab.

Er war beim DFB mit dabei, als die Nationalmannschaft ihre bitterste Stunde erlebte und nach dem 0:0 in Albanien die Qualifikation zur EM verpasste - das einzige Mal, das sich eine deutsche Fußballnationalelf nicht für ein Turnier qualifizieren konnte. Er stand im Jahrhundertspiel gegen Italien im WM-Halbfinale 1970 auf dem Feld, in dem er allerdings in der zweiten Halbzeit gegen Stan Libuda ausgetauscht wurde und so die Mutter aller Verlängerungen verpasste.

Irgendwo zwischen Millowitsch, Böll und Podolski

Ohnehin war Löhr trotz seiner 20 Länderspiele, trotz seiner Vorlage gegen England immer eher der Vereinsspieler gewesen. Drei Mal holte er mit dem FC den Pokal, im wohl berühmtesten DFB-Pokalspiel gehörte er allerdings zu den Verlierern, als der FC 1973 Borussia Mönchengladbach 1:2 unterlag und Günter Netzer in seinem letzten Spiel für die Borussia den Siegtreffer erzielte.

Kurz danach wollte Löhr seine Karriere eigentlich schon beenden. Die Kölner überredeten ihn noch einmal zum Weitermachen. Zu seinem Segen. Die größten Vereinserfolge hätte er sonst verpasst. Pokalsieg 1977 unter Weisweiler, Pokalsieg 1978 unter Weisweiler, und endlich nach 14 Jahren des Wartens der Deutsche Meistertitel 1978. Im finalen Wettschießen gegen den Erzrivalen Mönchengladbach.

Danach konnte Löhr endlich aufhören. Der Fußball ließ ihn aber noch lange nicht los. Erst Co-Trainer bei seinem geliebten FC, danach Manager, zwischendurch auch mal als Trainer eingesprungen, wechselte er in den Achtzigerjahren zum DFB. Und setzte dort die Liste seiner Erfolge fort. Als Coach der Olympia-Auswahl errang sein Team die Bronzemedaille in Seoul. Das ist danach keiner deutschen Männer-Fußballmannschaft gelungen.

In Köln, dort, wo sie ihre Stars zelebrieren und lieben wie in keiner anderen deutschen Stadt, hatte Löhr Heldenstatus. Irgendwo zwischen Willy Millowitsch, Heinrich Böll und Lukas Podolski. Löhr wurde verehrt, auch, weil er keine Allüren hatte, er war, auch wenn er nicht in der Stadt geboren wurde, einfach ne Kölsche Jung.

Im Vorjahr erlitt Löhr einen Schlaganfall, von dem er sich aber gut erholt zu haben schien. Im Dezember gab er "dfb.de" noch ein Interview. Das Gespräch hatte die Überschrift: "Ich habe noch so viel vor."

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insgesamt 8 Beiträge
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denis111 29.02.2016
1. Mach et joot
...Kölsche Jong. Ich bin zwar 30 jahre jünger als Du und komme auch noch aus Düsseldorf, aber Du kamst immer sympathisch rüber.
Mondaugen 29.02.2016
2. Ohne Allüren
Hennes Löhr war ein hervorragender Mannschaftsspieler ohne Allüren, der damit den divenhaften Overath und den launischen Flohe perfekt ergänzte. Leider konnte er bis auf die WM 1970 seine Qualitäten in der Nationalelf nicht zur Geltung bringen, vielleicht hätte er da doch mehr Eigenwerbung machen müssen.
LPS333 29.02.2016
3. Gute alte Zeit
Zu seiner Zeit gabs ja auch noch keine Viererkette oder ne Doppelsechs. Dafür gabs noch Vorstopper, nen rechten Läufer oder nen Linksaußen. Und Fussballspiele wie etwa 1970 gegen England und Italien oder 1971 der erste Sieg in Wembley oder das legendäre Pokalfinale 1973. Und es gab echte Typen wie Seeler Müller Höttges Schulz oder eben Hannes Löhr. Vielleicht war früher doch alles besser . . . . . . .
Currie Wurst 29.02.2016
4. Das war mein Text:-)
Zitat von denis111...Kölsche Jong. Ich bin zwar 30 jahre jünger als Du und komme auch noch aus Düsseldorf, aber Du kamst immer sympathisch rüber.
Bin auch aus Düsseldorf, 20 Jahre jünger. Habe ihn sogar noch spielen sehen. Die Nachricht von seinem Tod macht mich traurig, ein authentischer Typ.
nn280 29.02.2016
5. Es war mehr Identität und Ehrlichkeit
Zitat von LPS333Zu seiner Zeit gabs ja auch noch keine Viererkette oder ne Doppelsechs. Dafür gabs noch Vorstopper, nen rechten Läufer oder nen Linksaußen. Und Fussballspiele wie etwa 1970 gegen England und Italien oder 1971 der erste Sieg in Wembley oder das legendäre Pokalfinale 1973. Und es gab echte Typen wie Seeler Müller Höttges Schulz oder eben Hannes Löhr. Vielleicht war früher doch alles besser . . . . . . .
im Fußball zu dieser Zeit. Sie haben völlig recht, es gab noch echte Typen und Löhr wäre auch nicht für 10 bis 72 Millionen zu einem FC Bayern München gegangen. Es war der beschriebene Kölsche Jong. Leider wurde er nur 73 Jahre alt. Großartiger Spieler, großartiger Mensch, Ruhe in Fieden Hannes!
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