Martin Kind und die 50+1-Regel "Es gab keine Entscheidung gegen meinen Antrag"

Hat Martin Kind Hannover 96 "erheblich" gefördert? Er selbst sagt: ja. Mindestens 46 Millionen Euro will Kind investiert haben. Seinen Ausnahmeantrag zog er nur zurück, weil er die neue Regel mitgestalten möchte.

Martin Kind
DPA

Martin Kind


Vereinspräsident Martin Kind hat nach eigenen Angaben einen hohen zweistelligen Millionenbetrag aus seinem Privatvermögen bei Hannover 96 investiert. "In den 20 Jahren waren die Hauptsponsoreneinnahmen 46 Millionen", sagte der Unternehmer am Dienstag. Er selbst habe eine noch höhere Summe in den Klub investiert. "Das liegt der DFL vor."

Am Montag hatte Kind überraschend bekannt gegeben, dass er seinen Antrag bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) auf eine Ausnahmegenehmigung von der 50+1-Regel ruhen lässt. Laut dieser Regel müssen die Stammvereine der Fußball-Bundesligisten die Mehrheit von 50 plus einer Stimme bei dem ausgelagerten Wirtschaftsunternehmen halten. Dadurch soll der Einfluss von Investoren begrenzt werden.

Die 50+1-Regel...
    ...besagt, dass Investoren ungeachtet der Höhe ihrer Anteile nicht die Stimmenmehrheit an einem Fußballklub erlangen. Viele Bundesligaklubs haben ihre Lizenzspielerabteilungen als Kapitalgesellschaften ausgegliedert, um so Investoren anzulocken. Mit der Regel soll verhindert werden, dass diese Geldgeber die Entscheidungshoheit über diese Bereiche übernehmen können.

Kind möchte aber weiter die Mehrheit bei Hannover 96 übernehmen und setzt auf eine schnelle Einigung bei der nun angekündigten Debatte über eine Reform der Regel. "Wir müssen jetzt die Zeit nutzen, die Diskussion und die Strategie erarbeiten und den Vereinen zur Abstimmung geben", sagte Kind. Einen Zeitrahmen dafür nannte er nicht.

"Bei einer Klage hätten wir keine Gestaltungsmöglichkeiten gehabt"

"Wenn die 50+1-Regel neu gestaltet werden soll, brauchen wir keine Ausnahmegenehmigung. Das ist der Hintergrund", sagte der Hörgeräte-Unternehmer: "Es gab keine Entscheidung der DFL gegen meinen Antrag." Hätte es ihn gegeben, wäre er dagegen juristisch vorgegangen. Aber bei "einer Klage hätten wir keinerlei Gestaltungsmöglichkeiten gehabt", sagte Kind.

Durch die angestoßene Diskussion seien diese nun aber vorhanden. Voraussetzung für eine Neugestaltung der 50+1-Regel ist eine Änderung der DFL-Statuten. Diese kann nur von der Mitgliederversammlung der 36 Klubs der Bundesliga und zweiten Liga beschlossen werden - und zwar mit einer Zweidrittelmehrheit. "Eine Garantie auf Neugestaltung der 50+1-Regel gibt es nicht."

chh/sid/dpa



insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
fallobst24 06.02.2018
1. lol
Glaubt der Kind, dass auch nur irgendjemand, der an der Materie interessiert ist, ihm diesen Unsinn abkauft? Anscheinend hat er nicht den Mumm, um -wie vorher groß angekündigt - bei ablehnender Entscheidung den juristischen Weg zu beschreiten. Scheinbar ist seine jetzt bekannte, marginale Unterstützung über die Jahre, die nicht mal ansatzweise der des Hauptsponsors entspricht, so eine Peinlichkeit, dass er sich wohl wenig Chancen auf ein positives Urteil und dafür endlos viel Spott und Reputationsverlust außerhalb Hannovers ausrechnet. Ist auch richtig so, denn wie sich jetzt zeigt, könnte man die angestrebte Übernahme als Diebstahl (wegen der geringe Investitionen) umschreiben.
sh.stefan.heitmann 06.02.2018
2.
Zitat von fallobst24Glaubt der Kind, dass auch nur irgendjemand, der an der Materie interessiert ist, ihm diesen Unsinn abkauft? Anscheinend hat er nicht den Mumm, um -wie vorher groß angekündigt - bei ablehnender Entscheidung den juristischen Weg zu beschreiten. Scheinbar ist seine jetzt bekannte, marginale Unterstützung über die Jahre, die nicht mal ansatzweise der des Hauptsponsors entspricht, so eine Peinlichkeit, dass er sich wohl wenig Chancen auf ein positives Urteil und dafür endlos viel Spott und Reputationsverlust außerhalb Hannovers ausrechnet. Ist auch richtig so, denn wie sich jetzt zeigt, könnte man die angestrebte Übernahme als Diebstahl (wegen der geringe Investitionen) umschreiben.
...es ist eine Tatasache das bei Klage die 50+1 komplett kassiert wird weil sie gegen EU Recht verstößt. Ob du oder irgendwer das dem Kind abksuft ist vollig egal.
Papazaca 06.02.2018
3. Wie die Unterstützer von Kind auf Kritik reagieren, sagt viel aus
Ich bin nicht im Thema Hannover 96 und Kind. Ich habe nur mal gefragt, wie das funktionieren kann, wenn viele Fans den Chef ihres Vereins so vehement ablehnen. Darauf sind mich einige der Unterstützer von Kind böse angegangen. Wenn das der Stil ist, mit der Kind und seine Unterstützer Kritik angehen, wundert mich nichts mehr.
pric 06.02.2018
4. EU Recht...
Da gehen die Meinungen auseinander, denn so klar ist der Fall nicht. Dahingehend äußerte sich z.B. Christian Müller im DLF: http://www.deutschlandfunk.de/50-1-regel-und-hannover-96-ich-glaube-dass-die-rechnung-von.1346.de.html?dram:article_id=409978
zanderstorm 06.02.2018
5.
Zitat von sh.stefan.heitmann...es ist eine Tatasache das bei Klage die 50+1 komplett kassiert wird weil sie gegen EU Recht verstößt. Ob du oder irgendwer das dem Kind abksuft ist vollig egal.
Soso, dass ist also ein Tatsache und das wissen sie genau woher? Bei ein wenig Recherche wäre ihnen vielleicht aufgefallen, dass das EUGH schon häufig im Sinne des Verbandsrecht geurteilt hat, weil es für schützenswert hält, genau dass ist ein Tatsache, aber ganz bestimmt nicht wie der EUGH letztlich urteilen wird, weil das absolut offen ist, wie man da letztlich entscheidet und welches Gut höher bewertet wird. Noch dazu würde das für Kind ein langjährigen Klageweg bedeuten, ob der nochmal 10 Jahre bis zu einem endgültigen Urteil warten will ist doch mehr als zweifelhaft. Deswegen der "Move" von Kind und Steigbügelhaltern der DFL hier eine angeblich ergebnisoffene Diskussion zu führen, die der Herr Kind mitgestalten will. Klar was am Ende herauskommen wird: Ein Lex Kind, wäre ja nicht die erste Ausnahme von der Regel und wird das 50+1 weiter aushöhlen!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.