Hannovers erster Sieg unter Schaaf "Wir leben noch"

Er sollte den Klub vor dem Abstieg retten. Stattdessen startete Trainer Thomas Schaaf in Hannover mit einer heftigen Niederlagenserie. Gegen Stuttgart gelang der erste Sieg - er soll der Wendepunkt für 96 sein.

Hannovers Sakai: Jubel über den Sieg gegen Stuttgart
Getty Images

Hannovers Sakai: Jubel über den Sieg gegen Stuttgart


Am Ende fehlte ihnen die Kraft zum Feiern. Die Spieler von Hannover 96 hatten soeben den VfB Stuttgart 2:1 bezwungen und damit den ersten Sieg nach acht Pleiten in Folge geschafft. Doch der ganz große Jubel blieb zunächst aus, zu anstrengend waren die 90 Minuten zuvor gewesen. 96 wirkte mehr erleichtert denn euphorisch.

Thomas Schaaf bildete da die Ausnahme. Mit dem Schlusspfiff riss er die Arme in die Höhe, lief auf den Platz und herzte seine Spieler. Der Sieg beim VfB war auch der erste überhaupt für Schaaf, seit er in der Winterpause bei 96 angeheuert hatte. Fünf Niederlagen in Serie hatte er bislang erlebt, darunter auch solche gegen direkte Konkurrenten im Abstiegskampf wie Hoffenheim (0:1), Darmstadt (1:2) und zuletzt Augsburg (0:1). In der vergangenen Woche verkündete Klubboss Martin Kind deshalb öffentlich, dass Hannover fortan auch für die zweite Liga plane. Auch Schaaf selbst hatte von "wenig Hoffnung" im Abstiegskampf gesprochen. Diese scheint nun zurück.

"Endlich fahren wir wieder mit einem Erfolgserlebnis nach Hause. Wir sind wieder da", sagte Kapitän Christian Schulz nach dem Erfolg. Der 32 Jahre alte Abwehrspieler, der wegen einer Erkältung fast ausgefallen wäre, stoppte mit seinen Toren in der 32. und 83. Minute den Abwärtstrend der Niedersachsen.

Zieler rettete 96 mehrfach

Zu verdanken hatte Hannover den Erfolg seinem Torwart Ron-Robert Zieler - und der fahrlässigen Chancenverwertung des Gegners. Stuttgart vergab etliche Großchancen. Ein Auszug:

  • Die 37. Minute. Nach einer Ecke von Filip Kostic kommt Georg Niedermeier frei zum Kopfball, Hannovers Oliver Sorg rettet auf der Torlinie.
  • Die 66. Minute. Eine Hereingabe von Christian Gentner landet bei Alexandru Maxim. Der Rumäne überwindet Zieler, doch erneut verhindert Sorg ein sicheres Gegentor.
  • Die 75. Minute. Kostic tankt sich auf der linken Seite in den Strafraum und legt dort quer. Timo Werner schiebt den Ball am leeren Tor vorbei.
  • Die 78. Minute. Stuttgart kontert 96 aus. Kostic geht frei auf Zieler zu, doch der wirft sich dem Angreifer entgegen und vereitelt die Chance.
  • Die 89. Minute. Lukas Rupp kommt aus zwölf Metern völlig frei zum Abschluss, zielt aber auf die Tormitte. Zieler pariert.

Insgesamt gab der VfB 22 Schüsse ab, 17 davon aus dem gegnerischen Strafraum heraus, zehn kamen aufs 96-Tor. Doch nur einer war erfolgreich, nämlich Werners Kopfball aus der 18. Minute. Ausgerechnet Doppeltorschütze Schulz hatte den Stürmer aus den Augen verloren. Darüber sprach hinterher aber niemand mehr.

"Wir haben nie den Glauben verloren. Diese Mannschaft lebt", sagte Trainer Schaaf und fügte an: "Das Selbstbewusstsein ist gewachsen." Vor allem die Rückkehr des lange verletzten Japaners Hiroshi Kiyotake macht Schaaf Hoffnung. "Er ist ballsicher, er kann unser Spiel in Gang bringen. Die anderen können daran wachsen. Er kann die anderen mitnehmen", sagte der 54-Jährige.

"Standen mit dem Rücken zur Wand"

Auch Schulz zeigte sich optimistisch. "Wir standen mit dem Rücken zur Wand. Dieser Erfolg tut allen gut, nicht nur den Spielern, sondern auch dem Verein und den Fans - wir leben noch", sagte Schulz: "Es war ein glücklicher Sieg, aber das ist in der jetzigen Situation egal."

Torwart Zieler äußerte sich zurückhaltender. Um aus dem Tabellenkeller zu gelangen, müsse 96 "jetzt immer so eine Leistung bringen". Die Mannschaft habe "noch einen harten Weg" vor sich. Tatsächlich bleibt die Lage für 96 prekär. Zwar wurde der Rückstand auf den Relegationsplatz dank des Bremer Unentschiedens gegen Darmstadt auf vier Punkte verkürzt. Doch noch immer steht Hannover auf Platz 18. Die nächste Gelegenheit, einen weiteren Schritt aus der Krise zu machen, bietet sich am Dienstag, wenn der nächste Bundesliga-Spieltag ansteht. Der Gegner ist ausgerechnet der Erzrivale VfL Wolfsburg.

mon/sid



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
AndreHa 27.02.2016
1.
Die beste Rückrundenmannschaft verliert gegen die schlechteste Rückrundenmannschaft - im eigenen Stadion. VfB Slapstick, wie es nur der VfB kann.
Bjotr 27.02.2016
2. Naja...
...fragen sie mal einen 95+1 Fan wer der Erzrivale ist. Da werden sie aber bei 9 aus Zehn nicht VW Wolfsburg als Antwort bekommen.
Mastermason 28.02.2016
3.
Zitat von Bjotr...fragen sie mal einen 95+1 Fan wer der Erzrivale ist. Da werden sie aber bei 9 aus Zehn nicht VW Wolfsburg als Antwort bekommen.
Sie meinen den BTSV? Der kann ja nun aus praktischen Gründen nur der theoretische Erzrivale sein. Das ändert sich dann in der nächsten Saison aber wieder.
experte1305 28.02.2016
4. Freue mich für das knarzende
Nordlicht Shaun das..........! Jetzt überholen die sicher noch die Wolfsburger!
dieter 4711 28.02.2016
5. Alles Gute für für Herrn Schaaf
Ich wünsche Herrn Schaaf alles Gute, mit der Eintracht hatte er den 9. Platz erreicht, bis er rausgeekelt wurde.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.