Konflikt mit eigenen Fans Hannover 96 soll mehr als 40 kritische Spruchbänder verboten haben

Neuer Streit zwischen Hannover 96 und seinen Fans: Vor dem Heimspiel gegen Leipzig soll der Verein mehrere Banner verboten haben. Darunter eins, das sich wohl gegen Altkanzler Gerhard Schröder richtet.

Fans von Hannover 96
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Fans von Hannover 96


Neues Kapitel im Streit zwischen Hannover 96 und seinen eigenen Fans: Der Bundesligist soll vor dem Heimspiel gegen RB Leipzig (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) über 40 Spruchbänder der eigenen Fans verboten haben. Davon berichtet der Fandachverband Rote Kurve. Darunter ist auch ein Banner, das sich indirekt gegen den Altkanzler und 96-Aufsichtsratsvorsitzenden Gerhard Schröder richten könnte.

Die Aufschrift des verbotenen Spruchbands soll "Sanktionen für Russland und seine Helfer!" gewesen sein. Schröder steht wegen seiner engen Russland-Kontakte weltweit in der Kritik. In der US-Zeitung "Wall Street Journal" war Schröder vor wenigen Tagen als "der wichtigste Oligarch Putins" bezeichnet worden. Der ukrainische Außenminister Pavlo Klimkin hatte sogar Sanktionen gegen Schröder gefordert.

Der SPD-Politiker war nach Ende seiner Kanzlerschaft 2005 zu dem Unternehmen Nord Stream gewechselt, das eine Gasfernleitung von Russland durch die Ostsee direkt nach Deutschland plant. Nord Stream gehört mehrheitlich dem russischen Energiekonzern Gazprom. 2017 wurde Schröder zum Chef des Aufsichtsrats des russischen Energiekonzerns Rosneft gewählt.

Die verbotenen Spruchbänder wenden sich neben Schröder auch gegen Klubchef Martin Kind sowie Gegner RB Leipzig, der deutschlandweit von vielen Fans wegen der Verbindung mit dem Red-Bull-Konzern abgelehnt wird. Die Rote Kurve hat den Inhalt der Spruchbänder dokumentiert, die vom Verein offenbar verboten wurden. Darunter befinden sich unter anderem folgende harmlose Banner:

  • "Hopp, Kind und Matteschitz für den Fussball nur ein schlechter Witz"
  • "Gegen Rangnicks Brauseclub!"
  • "RB raus aus Liga 1!"
  • "Filiale Leipzig schließen!"
  • "Brause ist für Kinder!"
  • "Rettich schlägt Lauch. Danke!"

Eine genaue Auflistung gibt es hier. Bei Hannover 96 müssen Spruchbänder seit dem letzten Heimspiel gegen Augsburg bis 24 Stunden vor Spielbeginn angemeldet werden. Der Verein begründete das damit, dass man "Diffamierungen, Beleidigungen oder diskreditierende Anspielungen" nicht dulden wolle.

Bereits seit Jahren sind der Verein und viele Fans zerstritten. Boss Kind möchte die Mehrheit am Klub übernehmen, viele Fans möchten das nicht. Die Mitgliederversammlung der DFL hatte sich zuletzt allerdings für den Verbleib der Sperrregel 50+1 entschieden. Auch darauf bezog sich ein geplantes Spruchband, das ebenfalls verboten wurde. "Wie war es so in Frankfurt, Martin?"

Die aktive Fanszene hatte aus Protest gegen Kind bei vielen Heimspielen der aktuellen Saison die Stimmung boykottiert. Auch Schröder hatte in dem Konflikt Position bezogen und sich deutlich gegen die Ultras positioniert. "Die, die man gegenwärtig Ultras nennt, sind eine ärgerliche Randerscheinung", sagte er dem Portal Sportbuzzer. "Ich würde sie nicht Fans nennen, denn das ist eine Beleidigung der wirklichen Fans, die jede Woche zu 96 kommen."

ehh



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allesamt 31.03.2018
1. "Fans" fühlen sich zu wichtig
Mir scheint, die "Fans" fühlen sich inzwischen als wichtigste Institution im Verein. Dabei machen diese "Fans" (darunter verstehe ich nicht zigtausende Anhänger des Vereins, sondern die Randalierer, Chaoten, Brüller, Wichtigtuer) nur einen relativ kleinen Prozentteil der fußballbegeisterten Zuschauer aus. Zu Schröder: Natürlich kann man seinen Unmut gegen Schröder äußern, aber nicht im Stadion. Wenn das Stadion auch noch zum Austragungsort für politische Demonstrationen wird, dann könnte es unabsehbare schweren Folgen im Stadion und und auf der politischen Bühne haben.
immerfroh 31.03.2018
2.
Zitat von allesamtMir scheint, die "Fans" fühlen sich inzwischen als wichtigste Institution im Verein. Dabei machen diese "Fans" (darunter verstehe ich nicht zigtausende Anhänger des Vereins, sondern die Randalierer, Chaoten, Brüller, Wichtigtuer) nur einen relativ kleinen Prozentteil der fußballbegeisterten Zuschauer aus. Zu Schröder: Natürlich kann man seinen Unmut gegen Schröder äußern, aber nicht im Stadion. Wenn das Stadion auch noch zum Austragungsort für politische Demonstrationen wird, dann könnte es unabsehbare schweren Folgen im Stadion und und auf der politischen Bühne haben.
Vor solchen Beiträgen wie Ihren sollt man sich aber bitte auch informieren. Unter den verbotenen Bannern waren in der Mehrzahl harmlose Unmutsbekundungen gegenüber dem RedBullProjekt. Man sollte da nicht dem Hannoverschem Boulvard ungeprüft folgen. Auch vom SPIEGEL kann man da gründlichere Recherche erwarten.
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