Schaaf-Aus in Hannover Wieder auf den Falschen gesetzt

Hannover 96 trennt sich nach nur drei Monaten von Thomas Schaaf - das ist richtig: Der Trainer hatte die Hoffnung auf den Klassenerhalt aufgegeben. Für Klubchef Kind ist das Aus ein Debakel.

Entlassener 96-Trainer Thomas Schaaf
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Entlassener 96-Trainer Thomas Schaaf

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Die gemeinsame Zeit begann mit Aufbruchsstimmung und Zuversicht, doch schnell kehrte Ernüchterung ein, und am Ende war die Zusammenarbeit zwischen Trainer Thomas Schaaf und dem Noch-Bundesligisten Hannover 96 nur noch eine Qual für beide Seiten.

Es ist richtig, dass der Verein diese Zusammenarbeit nach nur drei Monaten wieder beendet hat. Denn Schaafs Bilanz ist verheerend: In elf Spielen unter seiner Leitung gab es zehn Niederlagen, darunter ein 1:4 in Bremen, ein 0:4 gegen Wolfsburg und zuletzt das 0:3 den Hamburger SV. Die Pleite im Nordderby war der Gipfel der Negativserie.

Was bleibt? Die Mannschaft hat unter Schaaf keine Fortschritte gemacht und ist abgeschlagen Tabellenletzter. Nur ein Wunder könnte den Abstieg noch verhindern. Aber wer glaubt schon an Wunder?

Thomas Schaaf jedenfalls nicht. Das hat er zum Ende seiner Amtszeit deutlich vermittelt. Nach der HSV-Niederlage sprach er davon, dass er eben einen Vertrag mit Klubchef Martin Kind und Manager Martin Bader geschlossen habe, und dass er sich nicht an seinen Job klammern würde, wenn der Verein einen besseren Kandidaten für den Trainerposten finden würde. Er hätte auch sagen können: Es ist nicht meine Schuld, dass die Vereinsbosse weiter an mich glauben.

Kinds Fehler sind fatal

Schaaf hatte sich längst distanziert. Er hatte aufgegeben und fügte sich seinem Schicksal. Da sein Abschied im Falle des Abstiegs ohnehin verabredet war, gab es für Kind und Bader keinen Grund, an ihm festzuhalten.

Natürlich stellen sich auch die beiden Verantwortlichen längst auf die zweite Liga ein. Realistisch zu sein, gehört zu ihrem Job, einerseits. Anderseits müssen sie alles versuchen, was den Abstieg noch verhindern könnte, so lange zumindest rechnerisch noch die Chance dazu besteht. Deshalb ist es richtig, dass sie mit Schaafs Ablösung durch den Nachwuchstrainer Daniel Stendel noch einmal einen Impuls setzen, wie es in der Krisen-PR heißt.

Den Klassenerhalt erwartet von dem neuen Mann niemand. Er soll die Saison seriös zu Ende bringen. Sich mit Anstand aus der Bundesliga zu verabschieden, ist jetzt das einzige Ziel, das Hannover noch hat. In der zweiten Liga muss dann ein neuer Trainer für den Neuanfang her.

Für Kind ist der gescheiterte Versuch mit Schaaf ein Debakel. Denn wieder einmal lag der Vereinschef dramatisch daneben mit einer Personalentscheidung. Der Unternehmer hat 96 von einem ruinösen Regionalligisten in einen gemachten Bundesliga-Klub verwandelt, der es zwischenzeitlich sogar in den Europokal geschafft hatte. Doch den bevorstehenden Abstieg hat Kind ebenso zu verantworten: Die Fehler der vergangenen Jahre sind fatal.

Vereinschef Martin Kind
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Vereinschef Martin Kind

Er hat es verpasst, sich von Trainer Mirko Slomka zu trennen, als dessen Streit mit Manager Jörg Schmadtke den Klub belastete. Schließlich gab Schmadtke entnervt auf. Wozu der Manager im Stande ist, lässt sich im Moment beim 1. FC Köln beobachten, der unter Schmadtke vom größten Chaos-Klub des Landes zu einem seriösen Mitglied der Bundesliga geworden ist.

Kind zögerte zu lange bei Tayfun Korkut, dem er in der vergangenen Saison erst die Treue schwor, um ihn dann doch durch Michael Frontzeck zu ersetzen. Der nächste Fehler war, Frontzeck nach der gelungenen Klassenerhalts-Mission mit einem neuen Vertrag auszustatten. Retter? In Ordnung. Aber ein Mann für die Zukunft ist Frontzeck nicht. Im Sommer durfte Dirk Dufner noch die Mannschaft für die neue Saison zusammenstellen, obwohl sein Ende als Manager längst feststand. Das hätte Kind nicht zulassen dürfen. Der Lohn für dieses Versäumnis ist ein Kader, der für die erste Liga zu schwach ist.

Von Schaaf war Kind ohne Vorbehalte überzeugt. Der ehemalige Erfolgscoach aus Bremen war schon lange der Wunschkandidat des Klubchefs gewesen. Drei Monate später steht fest, dass Kind schon wieder daneben lag. Der Abstieg wird die Folge sein.

Bundesliga-Noten

insgesamt 42 Beiträge
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Seite 1
mulli3105 04.04.2016
1. Kind ist
ein Paradebeispiel, dass geschäftlicher Erfolg nicht einfach 1:1 auf einen Fußballverein übertragbar ist. Dass Geld keine Garantie für Erfolg ist, konnte man ja am Beispiel Hoffenheim in epischer Breite mitverfolgen. Kind sollte sich auf seine Hörgeräte konzentrieren, aber ich befürchte, darauf wird er nicht hören.
Subco1979 04.04.2016
2. Geld ersetzt keine Kompetenz
Wenn es etwas mit Hannover werden soll, muss sich Herr Kind auf das beschränken, was er kann: Eine Hörgeräte-Firma führen. Der Fisch stinkt immer vom Kopf her. Auch wenn er anfangs zufällig frisch war.
Hofheimer 04.04.2016
3. Nummer zwei nach Bremen
Als Schaaf bei Eintracht Frankfurt aufhörte, kommentierte "Spiegel online": "Den habt ihr nicht verdient". Jetzt sind wir wohl schon zu zweit.
thrashmail 04.04.2016
4. Der Falsche
Schaaf kann nicht der Falsche gewesen sein weil es für diesen Kader von 96 keinen Richtigen gibt. Thomas, entspann dich und streich die Kohle bis Ende Saison ein gut tschüs.
brainsucker 04.04.2016
5. Klogriffe
Bei der Aufzählung der Griffe ins Klo von Herrn Kind, wurde der aktuelle Manager vergessen! Hoffentlich geht der nicht mit in die 2. Liga, sonst geht es für die Roten wahrscheinlich weiter bergab!
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