Hannovers Abschied von Enke "Du bist für immer bei uns"

"Er hat Hannover die Zuversicht gegeben, die er offenbar selbst nicht mehr hatte": Mit einem bewegenden Gottesdienst und einem Trauermarsch haben rund 35.000 Menschen des Nationaltorhüters Robert Enke gedacht. Tausende Kerzen brannten vor dem Stadion von Hannover 96.

Von , Florian Pfitzner und Marko Hausmann, Hannover

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"You'll never walk alone - nein, du gehst nicht allein." Mit den Worten der weltweit in den Stadien beliebten Fußball-Hymne schließt Landesbischöfin Margot Käßmann ihre Predigt in der Trauerandacht, bei der Familie, Freunde und Fans in der Hannoveraner Marktkirche Abschied von Nationaltorhüter Robert Enke nehmen.

Dass Enke nicht alleine geht, zeigt sich spätestens beim anschließenden Trauermarsch. Rund 35.000 Menschen ziehen vom Kröpcke-Platz in der Innenstadt zum Nordeingang der Hannoveraner Arena. Dort liegen 18 Kondolenzbücher aus, in die sich die Fans eintragen können.

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Andacht für Robert Enke: Tausende in Trauer vereint

An der Spitze des Marsches tragen unter anderem 96-Manager Jörg Schmadtke, Trainer Andreas Bergmann und der frühere Nationalspieler Hans Siemensmeyer ein schwarzes Banner mit der Aufschrift "Ruhe in Frieden" sowie einem Bild von Enke. Ihnen folgten Anhänger von Hannover 96 mit Schals und Trikots des Clubs. Viele haben T-Shirts mit Aufschriften wie "Wir werden dich nie vergessen" oder "Du bist für immer bei uns" übergezogen.

Für die knapp eineinhalb Kilometer lange Strecke benötigen die Trauernden rund 45 Minuten. Immer wieder gibt es Momente des Innehaltens, vielen Teilnehmern stehen Tränen in den Augen. So etwas habe die Stadt noch nicht erlebt, heißt es bei einheimischen Beobachtern. "Robert Enke war einer der beliebtesten Menschen Hannovers. Er hatte weder Starallüren noch war er ein Freund lauter Sprüche. Er war immer sachlich, ein Vorbild. Wenn er ins Stadion kam, war die Stimmung einfach genial", sagt Thoralf Ganschinietz, 96-Fan aus Hannover.

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Tod von Robert Enke: Anteilnahme von Barcelona bis Jena

Der Platz vor dem Stadion ist voller Menschen, sie zünden Kerzen und Teelichter an, formen daraus Herzen oder den Namen "Enke" - am Nordeingang, vor der Geschäftsstelle, am Fan-Shop. Überall hört man Worte wie "Wahnsinn", "unglaublich", "unfassbar". Die 20 schwarz-weiß-grünen Fahnen auf dem Stadion-Vorplatz wehen auf Halbmast. Der Fan-Shop hat zwar geöffnet, aus Pietätsgründen werden jedoch keine Enke-Trikots verkauft. Vor der Fankneipe "Nordkurve" laufen auf großen Leinwänden Bilder von Robert Enke, davor haben sich Fans versammelt.

"Mein Enkel ist Balljunge bei 96. Er hat den ganzen Tag geweint. Robert Enke hat die Jungs ernst genommen, er kannte sie alle beim Namen und nahm sie auch mal herzlich in den Arm. Er war menschlich einfach ein großes Vorbild", sagt Ingrid Wittorf aus Rodenberg. Für Friedhelm Reker war Robert Enke "ein klasse Torhüter und ein einzigartiger Sportsmann. Er hat der Stadt die Zuversicht gegeben, die er offenbar selbst nicht mehr hatte".

Vor dem Trauermarsch hatten der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Theo Zwanziger, Bundestrainer Joachim Löw mit seinen Assistenten Hans-Dieter Flick und Andreas Köpke, Teammanager Oliver Bierhoff sowie Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack ihrem toten Freund und Mitspieler in der überfüllten Marktkirche die Ehre erwiesen. Mehr als 700 Menschen drängten sich in das Gotteshaus, um der Andacht von Landesbischöfin Margot Käßmann zu folgen.

Vor der Kirche standen noch mehr als 3000 Menschen - sie konnten die Andacht per Außenübertragung verfolgen. Viele waren in Vereinskluft, mit 96-Trikots und Fanschals gekommen. Selbst aus Dortmund waren Fans angereist. Schon eine Stunde vor Beginn hatte sich vor der Kirche eine lange Schlange mit Trauernden gebildet. Die Glocken läuteten. Die Polizei hatte die Altstadt abgesperrt, neben dem Mannschaftsbus von Hannover 96 standen Übertragungswagen zahlreicher TV-Sender rund um die Marktkirche.

Tief bewegt und mit Tränen in den Augen zündeten auch Ballack, der Enke seit seinem 13. Lebensjahr kannte, und Löw Kerzen für den einstigen Teamkollegen an.

"Das ist unvorstellbar"

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"Hinter Beliebtheit und Erfolg kann es auch abgrundtiefe Einsamkeit und Verzweiflung geben", sagte Käßmann in ihrer Predigt. "Leid, Schwäche und Krankheit sind Teil unseres Lebens. Dafür darf es keine Pfiffe geben, sondern Empathie und Mitleid. Wie traurig ist es, nicht über Depressionen sprechen zu können, weil das unserer Gesellschaft als Schwäche angesehen wird." Robert Enke habe nicht gewollt, dass andere ihm auf diesem Weg folgen. "Er hat das Leben geliebt", sagte Käßmann.

Für Zwanziger ist es "wichtig, was die Bischöfin gesagt hat. Wir müssen jetzt innehalten". Seine Gedanken seien in diesem Moment aber auch bei dem Zugführer. Enke, der seit Jahren an schweren Depressionen litt, hatte sich am Dienstagabend vor einen Zug geworfen und Selbstmord begangen.

Der katholische Pfarrer Heinrich Plochg, der die Fürbitte hielt, zeigte Torwarthandschuhe, die Enke ihm nach einem Spiel geschenkt hatte. "Ich habe am Sonntag noch hinter dem Tor gesessen. Es ist ein großer Verlust nicht nur für die Familie."

Enkes Frau Teresa, die als Erste eine Kerze entzündete, kam in Begleitung von Enkes Eltern sowie seinem Manager und Freund Jörg Neblung. "An dieser großen Anteilnahme sieht man, was Robert Enke den Menschen bedeutet hat. Er hatte nicht nur in Niedersachsen eine große Bedeutung", sagte Karl Rothmund, Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes.

Unter den Trauergästen waren der Trainerstab von Enkes Verein Hannover 96 um Coach Andreas Bergmann und Torwarttrainer Jörg Sievers, Clubpräsident Martin Kind sowie einige von Enkes Teamkollegen wie Jiri Stajner, Konstantin Rausch und Hanno Balitsch. Auch die früheren 96-Trainer Dieter Hecking und Mirko Slomka nahmen an der Andacht für ihren ehemaligen Schützling teil. Hannovers Landesregierung war durch Innenminister Uwe Schünemann vertreten.

Nach dem Abschluss des Gedenkgottesdienstes verharrten einige Menschen in der Kirche, zündeten Kerzen an. Stille.

Am Ende des Trauermarsches fängt die Menge plötzlich an, rhythmisch zu klatschen. Fans singen "Es gibt nur ein' Robert Enke" - und stimmen "You'll never walk alone" an.

mit Material der dpa

Forum - Zum Tod von Robert Enke
insgesamt 1427 Beiträge
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Seite 1
boo79 11.11.2009
1.
R.I.P. Robert Enke
Gebetsmühle 11.11.2009
2.
Zitat von sysopEr war ein großartiger Fußballer und ein sensibler Charakter. Robert Enkes Karriere verlief extrem wechselhaft. Nun hat er sich das Leben genommen. Wie behalten Sie Robert Enke in Erinnerung? Wie sehen Sie seinen tragischen Tod?
man kann nur hoffen, dass er jetzt gefunden hat, was er suchte. in erinnerung werden vor allem seine glanztaten und erfolge bleiben.
peterlustig2 11.11.2009
3. ...
Menschlich bestimmt eine Tragödie! Gesellschaftlich vielleicht ein "Glücksfall". Es besteht nämlich die Chance, daß Depressionen und Angstzustände endlich als Krankheiten anerkannt werden, die jeden treffen können und die behandelt werden müssen und die auch nicht tabuisiert werden dürfen! Ganz besonders wichtig ist auch, daß die Krankenkassen endlich mehr Psychiater und Psychologen zulassen. Momentan sind Wartezeiten von drei Monaten und mehr die Regel, bzw. Kassenpatienten werden gleich ganz abgewiesen.
krafts 11.11.2009
4.
Zitat von sysopEr war ein großartiger Fußballer und ein sensibler Charakter. Robert Enkes Karriere verlief extrem wechselhaft. Nun hat er sich das Leben genommen. Wie behalten Sie Robert Enke in Erinnerung? Wie sehen Sie seinen tragischen Tod?
Ich behalte ihn in Erinnerung als hervorragenden Torhüter, der auf jeden Fall ein Kandidat für die Auswahl 2010 gewesen wäre, vielleicht sogar die erste Wahl, wenn er nicht ein bisschen Pech mit Verletzungen und Erkrankungen gehabt hatte. Ich kann mich auch an keine Eskapaden erinnern, war für einen Torhüter nach außen sehr ruhig und gelassen, was ihm von manchen auch den Vorwurf der Langeweile eingebracht hat. Wahrscheinlich ein sensibler Typ, der hauptsächlich durch Leistung auffallen wollte und aufgefallen ist.
daggiwolti 11.11.2009
5. Tod von Robert Enke
Wenn ein Mensch seinem Leben ein Ende setzt und sich seinen Mitmenschen entzieht dann fragen wir warum. Solange der Mensch da ist fragen wir meist nicht nach ihm. Plakatives ist von sensiblen Menschen schwer auszuhalten und die zunehmende Oberflächlichkeit unserer Ellenbogenesellschaft lässt viele zerbrechen. Fragen wir nicht nach dem warum sondern nach dem wozu und lernen für uns bei den Lebenden öfter mal nachzufragen.
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