BVB-Chef Watzke "Ich habe vor den Engländern keine Angst"

"Wir sind Weltmeister": Bundesliga-Klubs sollten den Mannschaften der Premier League selbstbewusst die Stirn bieten, fordert BVB-Boss Hans-Joachim Watzke. Und kann sich einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen.

BVB-Geschäftsführer Watzke: "Bundesliga muss sich nicht verstecken"
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BVB-Geschäftsführer Watzke: "Bundesliga muss sich nicht verstecken"


Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hat die Fußball-Bundesliga im Kampf mit der englischen Premier League zu mehr Selbstbewusstsein aufgerufen. "Ich habe vor den Engländern keine Angst. Wir müssen mal unsere Qualitäten in den Vordergrund rücken", sagte der 59-Jährige im Interview mit der "Kölnischen Rundschau" und dem "Bonner General-Anzeiger".

"Die Bundesliga muss sich nicht verstecken, sie ist fußballerisch nicht einen Deut schlechter als die Premier League. Wir haben super Stadien mit einer riesigen Fanbegeisterung, der Zuschauerschnitt ist deutlich höher, bei uns wird ein toller Fußball gespielt, wir haben eine erstklassige Nachwuchsarbeit", sagte Watzke. Süffisant fügte der BVB-Boss hinzu: "Wir sind Weltmeister, während die Engländer im Sommer ein großes Fest feiern können: 50 Jahre ohne Titel."

In der Champions League sieht das jedoch anders aus: Seit der Saison 2005/2006 qualifizierte sich gegenüber den deutschen Klubs immer mindestens eine englische Mannschaft mehr - in manchen Jahren sogar zwei. In der laufenden Saison ist es das erste Mal, dass jeweils vier Mannschaften aus England und Deutschland in der Königsklasse spielen - darunter nicht Borussia Dortmund.

"Dortmund eine erstklassige Adresse"

Auch hinsichtlich der Champions-League-Siege sind die Engländer in den vergangenen zehn Jahren den Deutschen voraus: Zuletzt gewann zwar Bayern München (2012/2013), doch mit Chelsea (2011/2012) und Manchester United (2007/2008) holten die Engländer zweimal den Pokal.

Dennoch sieht Watzke seinen Klub gegenüber den Vereinen aus England nicht im Nachteil und fürchtet deswegen auch nicht den Verlust von Spitzenkräften an englische Teams: "Auch in der Premier League kommen nur vier Vereine in die Champions League. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Leistungsträger von Borussia Dortmund zu Norwich City oder Crystal Palace wechseln. Der BVB ist in Europa unter den besten zehn Klubs, das ist eine erstklassige Adresse."

Der Vorteil der englischen Mannschaften ist aber nicht wegzureden: Sie haben deutlich mehr Geld als alle anderen Vereine Europas zur Verfügung. Ein neuer Fernsehvertrag wird der Premier League ab 2016 etwa 9,5 Milliarden Euro für drei Spielzeiten in die Kasse bringen. Experten gehen davon aus, dass es sich dabei um eine Einnahmen-Steigerung von 50 Prozent handelt.

Watzke sieht die Borussen nach der Schwächephase in der vergangenen Saison in Deutschland auch wieder als Nummer zwei hinter Spitzenreiter Bayern München etabliert. "Da muss man sich ja nur mal die Tabelle ansehen: Wir stehen zwölf Punkte vor dem VfL Wolfsburg (Siebter, Anm. d. Red.). Wir haben unsere angestammte Position zurückerobert."

Dortmunds Chancen zu einem ernsthaften Angriff auf München wie bei den Titelgewinnen 2011 und 2012 schätzt Watzke allerdings eher gering ein: "Man darf nicht vergessen, dass wir in den beiden Jahren nicht nur deshalb Meister geworden sind, weil wir so stark waren, sondern auch weil die Bayern nicht alles richtig gemacht haben. Seitdem hat sich dieser Verein noch einmal unfassbar verbessert. Um wieder richtig Spannung reinzubringen, müssten die Bayern anfangen, Fehler zu machen. Und der FC Bayern macht seit Jahren so gut wie keine Fehler."

Aufgrund von Dortmunds Rückkehr in die deutsche Spitze ist für Watzke das Comeback in der Champions League das nächste Ziel. "Das ist die beste Möglichkeit, den Verein nachhaltig zu entwickeln. Außerdem wäre unsere Rückkehr in die Königsklasse auch gut für die Liga, weil wir in den letzten Jahren nach dem Flaggschiff Bayern München am meisten für das Ansehen der deutschen Klubs getan haben", sagte der BVB-Chef.

lim/sid



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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
Leser161 22.01.2016
1. Ah...
Weil man in der englischen Nationalmanschaft sein muss um in der Premier League zu spielen. Dito für die BuLi. Weshalb man aus dem Weltmeistertitel die Güte der jeweiligen Liga direkt schlussfolgern kann. Wenn ich höre wie prominente Menschen teilweise argumentieren kriege ich Gänsehaut. Ein Erstklässler würde für sowas glatt mal ne 5 kriegen.
swandue 22.01.2016
2.
Der VfL Wolfsburg, der vor einem Jahr zum neuen Kronprinzen ausgerufen wurde (weswegen Watzke Bezug auf ihn genommen hat), ist aktuell Siebter. Sechs Punkte Vorsprung hat der BVB vor dem Dritten Hertha BSC, der da wohl nicht bis Saisonende bleiben wird, neun Vorsprung vor dem Vierten Mönchengladbach.
nummer50 22.01.2016
3. Abwerbungen
Ich denke die Spieler vom BVB stehen schon sehr stark im Fokus der englischen Vereine. Die Gehaltklassen der Dortmunder liegen doch einiges unter der PL. Ob Spieler wie Gündogan, Aubameyang, Micki etc, zu halten sind, wird der Sommer zeigen. Sieht so aus wie wenn Watzke schon mal Vorbeugung betreiben möchte.
briancornway 22.01.2016
4. Liga vs Land
Zitat von Leser161Weil man in der englischen Nationalmanschaft sein muss um in der Premier League zu spielen. Dito für die BuLi. Weshalb man aus dem Weltmeistertitel die Güte der jeweiligen Liga direkt schlussfolgern kann. Wenn ich höre wie prominente Menschen teilweise argumentieren kriege ich Gänsehaut. Ein Erstklässler würde für sowas glatt mal ne 5 kriegen.
Aktuell spielen alle englischen Nationalspieler in der Premier League, Gerrard (MLS) ist ja zurückgetreten. Aus dem DFB-Kader spielen immerhin 3/4 der Spieler in der Bundesliga. Ein gewisser Zusammenhang zwischen Nationalmannschaft und nationaler Liga existiert wohl in jedem Land.
Seraphan 22.01.2016
5.
Kann mal jemand in meinem Verein diesen Dampfplauderer abstellen? Hat der zu Hause nichts zu sagen, oder warum referiert er über so einen Quatsch? Wenn die PL einen Spieler aus der BL will, hat sie das Geld, diese von einem deutschen Verein abzuwerben. Da können die Vereine noch so viel Selbstbewusstsein an den Tag legen. Darüberhinaus hat die Stärke der PL nichts mit dem Können englischer Fußballer zu tun. Da spielt ja fast keiner.
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