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Mögliches Müller-Wohlfahrt-Comeback: Dr. Unverzichtbar

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Bayern-Spieler Ribéry (l.), Arzt Müller-Wohlfahrt: Ärger um Behandlungsdauer Zur Großansicht
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Bayern-Spieler Ribéry (l.), Arzt Müller-Wohlfahrt: Ärger um Behandlungsdauer

Kommt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt zurück? Die Spieler des FC Bayern stellen sich hinter ihren früheren Mannschaftsarzt, sie wollen sich weiter von ihm behandeln lassen. Der Verein bemüht sich um Schadensbegrenzung.

Als Philipp Lahm am vergangenen Donnerstagabend vom Rücktritt von Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt erfuhr, war er erst einmal krank.

Der Kapitän des FC Bayern München lässt sich seit über zehn Jahren von dem Arzt behandeln, gepaart mit dem unglücklichen 1:3 beim FC Porto hatte ihn diese Nachricht offenbar so getroffen, dass Lahm das Wochenende mit einem Magen-Darm-Infekt im Bett verbrachte und das 2:0 bei Hoffenheim verpasste.

"Wenn so was nach so langer Zeit so zu Ende geht - vielleicht aus einer Emotion heraus -, dann ist das schade", sagte er drei Tage später, genesen von Krankheit und Fußballkummer. Der FC Bayern war nach dem spektakulären 6:1 im Rückspiel gegen Porto doch noch ins Halbfinale der Champions League eingezogen, und am Rande dieses Münchner Festes machte ein weiteres Gerücht die Runde: Müller-Wohlfahrt kehrt zurück. Wird vielleicht doch wieder alles gut in der Bayern-Welt?

Es deutet einiges darauf hin; nicht zuletzt die Aussagen von Matthias Sammer vor dem Porto-Spiel: "Es wissen doch alle, dass wir ein fantastisches Verhältnis zu Doktor Müller-Wohlfahrt haben. Ich persönlich war schon als Spieler immer bei ihm, wir haben ein wunderbares Verhältnis - und das wird auch immer so bleiben. Ich habe gestern mit 'Mull' telefoniert. Wir schätzen ihn menschlich und fachlich, er bleibt Teil der Bayern-Familie", hatte der Sportvorstand gesagt.

Bayern umschmeichelt Müller-Wohlfahrt

Auch Karl-Heinz Rummenigge erzählte, dass er mit Müller-Wohlfahrt zu Beginn der Woche telefoniert habe, es sei "ein gutes Gespräch gewesen", betonte der Vorstandsvorsitzende. Bayerns Repräsentanten geben sich große Mühe mit ihren öffentlichen Schmeicheleien, niemand soll denken, dass das Verhältnis zwischen dem Mediziner und dem Verein gelitten hat.

Es ist aber schwer zu glauben, dass Müller-Wohlfahrt sein Amt aus nichtigen Gründen niedergelegt hat. Er warf dem Klub, der über 38 Jahre seine zweite Heimat war, in seinem offiziellen Statement einen Vertrauensbruch vor, man habe ihn und seine medizinische Abteilung für die Niederlage gegen Porto verantwortlich gemacht. Man - das soll in diesem Fall Rummenigge persönlich gewesen sein.

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Rummenigge kam übereinstimmenden Schilderungen zufolge nach dem Spiel in die Kabine und sagte den niedergeschlagenen Fußballern, dass nicht sie, sondern die Ärzte schuld an dem schlechten Spiel seien. Welche Rolle Trainer Josep Guardiola dabei gespielt hat, ist nicht klar. Seine Beziehung zu Müller-Wohlfahrt ist seit einiger Zeit belastet, gesagt haben soll er an diesem Abend nichts. Auch hat sich Müller-Wohlfahrt selbst bislang nicht zu den Vorfällen geäußert, will das aber noch tun.

Müller-Wohlfahrt als Teil des medizinischen Teams

Rummenigge hat offenbar im Affekt gehandelt, er wollte seinem Ärger Luft machen und die Spieler gleichzeitig aufbauen. Dass er mit seinen Aussagen eine solche Lawine auslösen würde, hatte er wohl nicht bedacht. Er hatte Müller-Wohlfahrts Einfluss unterschätzt.

Etliche Spieler stellten sich hinter den Mediziner: Neben Lahm sprachen sich David Alaba, Holger Badstuber, Franck Ribéry und Arjen Robben für Müller-Wohlfahrt aus, Robben erzählte sogar vor laufender Kamera, dass er sich weiter von dem 72-jährigen Mediziner behandeln lassen werde. Manuel Neuer tat das implizit, als er auf Müller-Wohlfahrts Paralleljob bei der Nationalmannschaft hinwies.

Rummenigge und auch Sammer haben verstanden, dass sie den Spielern ihren Vertrauten nicht einfach wegnehmen können, denn diese würden ihn auch außerhalb des Vereins weiter konsultieren. Das wäre nicht nur ein Imageproblem, sondern vor allem auch eines der mangelnden Kontrolle - und darum ging es ja im Kern dieses Konflikts: Trainer Guardiola gefiel es nicht, dass sich Müller-Wohlfahrts Praxis in der Münchner Innenstadt und nicht direkt auf dem Trainingsgelände befindet.

Die Bayern-Verantwortlichen merken, dass sie sich keinen Gefallen getan haben, und sie bemühen sich nun um Schadensbegrenzung. Eine denkbare Variante ist es laut "Süddeutscher Zeitung", dass Müller-Wohlfahrt als Teil der medizinischen Abteilung zurückkehrt, nicht aber als Mannschaftsarzt. So könnten alle ihr Gesicht wahren, zumindest ein Stück weit. Falls Rummenigge es mit seinen neuen Aussagen in der "Bild"-Zeitung nicht schon wieder verbaut hat: "Ich habe ihm gesagt, dass wir ihn in stilvoller Form Bayern-like verabschieden wollen, wenn sich alles beruhigt hat", wird er dort zitiert.

Den Zeitpunkt ließ er allerdings offen. Auch er weiß, dass Müller-Wohlfahrt 2009 wiederkehrte, nachdem er sich mit dem damaligen Trainer Jürgen Klinsmann überworfen hatte. Als der Coach ging, kam der Arzt zurück.

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insgesamt 91 Beiträge
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1.
Immanuel_Goldstein 23.04.2015
Es wäre gut, wenn einfach alle auf dem Teppich bleiben würden und jeder seine Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen macht. Ich hoffe, die Leute gehen wieder aufeinander zu, denn alles andere macht letztlich keinen Sinn.
2.
cs01 23.04.2015
Völlig egal was der FCB da macht, der Spieler kann seinen Arzt frei wählen. Und die meisten Bayernspieler werden weiter zu Dr. Müller-Wohlfahrt gehen.
3. verdienter Ruhestand
gigi76 23.04.2015
MW ist bereits im fortgeschrittenen Rentenalter. Es ist gut wenn alte Strukturen, in diesem Fall uralte, aufgebrochen werden. Es war zudem die Entscheidung von MW selbst im Stil einer beleidigten Leberwurst zurückzutreten. Bayern tut eine personelle Erneuerung gut an disser Stelle.
4.
jujo 23.04.2015
Die freie Arztwahl hat schon mal seine Vorteile da muss sogar seine Heiligkeit die BM Vereinsführung ihren Kotau machen, gut so!
5. Rumgekicke
dr.joe.66 23.04.2015
Der Rumgekicke ist gewohnt, dass alles nach seiner Pfeife tanzt. Zumindest hat er sich das wohl eingebildet. Dumm nur, dass Mull ihn nicht im geringsten braucht. Und noch dümmer, dass die Spieler von heute auch nicht mehr kuschen nur weil der Rolex-Funktionär was sagt.
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