30. April 2013, 11:09 Uhr

Korruption im Weltfußball

Havelange tritt als Fifa-Ehrenpräsident zurück

Der Pate des Weltfußballs verliert sein letztes Amt: João Havelange tritt vom Ehrenvorsitz der Fifa zurück. Der frühere Verbandschef entgeht damit einer ihm drohenden Bestrafung. Es geht um die Annahme von Bestechungsgeldern. Fifa-Boss Blatter kommt dagegen wieder einmal ungeschoren davon.

Hamburg - João Havelange ist als Ehrenpräsident des Weltfußballverbandes Fifa zurückgetreten. Der Brasilianer hatte den Verband von 1974 bis 1998 geführt. Anschließend wurde Havelange zum Ehrenpräsidenten ernannt.

Der Schritt kam wenig überraschend: Wie aus dem Abschlussbericht der Fifa-Ethikkommission zur Bestechungsaffäre um die mittlerweile bankrotte Vermarktungsagentur ISL hervorgeht, gab Havelange den Titel zum 18. April ab. Er kam damit einer drohenden Aberkennung seiner Ehrenpräsidentschaft zuvor, über die die Fifa bei ihrem Kongress am 30./31. Mai auf Mauritius entscheiden sollte.

SPIEGEL ONLINE hatte am Wochenende die geheimen Bestechungslisten der ISL veröffentlicht. Darin war der mittlerweile 96-jährige Havelange als einer der Haupt-Nutznießer von Bestechungszahlungen aufgeführt.

Havelanges Nachfolger als Fifa-Chef, Joseph Blatter, hatte sich bereits selbst für eine Aberkennung des Titels ausgesprochen. Der aktuell höchste Fußball-Funktionär der Welt selbst wurde in dem Untersuchungsbericht - wieder einmal - freigesprochen.

"Gemäß Einstellungsverfügung haben sich keine Hinweise ergeben, dass Präsident Blatter Provisionszahlungen von ISL, ihrem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Jean-Marie Weber oder von anderen erhalten hat", hieß es. Kritisch hinterfragt werden müsse jedoch, ob Blatter in den Jahren vor dem Konkurs der ISL wusste oder hätte wissen müssen, dass die ISL an andere Fifa-Offizielle Zahlungen getätigt hat.

Abschließend hieß es in dem Bericht: "Der Fall ISL ist für die Ethikkommission abgeschlossen." Das erklärte der Münchner Hans-Joachim Eckert als Vorsitzender der rechtsprechenden Kammer in der Kommission. Eckert kommt in seinem Bericht zu dem Schluss, dass nach dem Rücktritt von Havelange und der Demission des Paraguayers Nicolas Leoz als Mitglied der Exekutive keine weiteren Maßnahmen erforderlich oder weitere Verfahren gegen Fußball-Offizielle angezeigt seien.

Blatter zeigte sich danach wenig überraschend zufrieden mit den Resultaten: "Ich stelle mit Zufriedenheit fest, dass in diesem Bericht bestätigt wird, dass 'das Verhalten von Präsident Blatter unter keinerlei Fehlverhalten von Ethikregeln fallen konnte'", teilte er mit.

aha/dpa/sid


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