Heiße Höschen Blatter-Idee empört Fußballerinnen

In einem Interview hat sich Fifa-Präsident Sepp Blatter Gedanken darüber gemacht, wie man den Frauenfußball für die Werbewirtschaft attraktiver machen könnte. Die Vorschläge des mächtigen Funktionärs stießen bei den Fußballerinnen allerdings auf wenig Gegenliebe.


Wie es Blatter wohl gefällt: US-Nationalspielerin Brandi Chastain
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Wie es Blatter wohl gefällt: US-Nationalspielerin Brandi Chastain

London - In der Schweizer Boulevardzeitung "Sonntagsblick" hatte Blatter, 67, am vergangenen Wochenende ein Interview zum Thema Frauenfußball gegeben. "Lassen wir Frauen doch in anderen Tenüs spielen als Männer", lautete die Überschrift des Gesprächs. Die Volleyballerinnen würden in dieser Hinsicht ein vorbildliches Beispiel geben, so Blatter.

Allerdings nicht ganz freiwillig, wie der Fifa-Boss weiß: Bei der Weltmeisterschaft 1998 befahl der Präsident des Volleyball-Weltverbandes, der damals 66-jährige Mexikaner Ruben Acosta, seinen Spielerinnen hautenge Einteiler oder Bikinis. Besonders die Kubanerinnen tun sich seitdem in attraktivem Dress hervor. Blatter hat daran offenbar gefallen gefunden.

"Heutzutage spielen schöne Frauen Fußball", begründete der Schweizer seinen Vorstoß, "außerdem gibt es im Vergleich zu den Herren unterschiedliche Regeln." Einen leichteren Ball, beispielsweise, um der weiblichen Ästhetik entgegenzukommen, so Blatter: "Wieso sollte man dies nicht auch in der Sportbekleidung versuchen?" Als die englische Tageszeitung "Guardian" in ihrer Freitagsausgabe über die Aussagen des Fifa-Chefs berichtete, hagelte es heftige Kritik.

"Einfach lächerlich"


"Der weiß überhaupt nicht, wovon er redet", widersprach Englands Nationalkeeperin Pauline Cope, "erstens sind unsere Bälle nicht leichter und vorzuschlagen, in Hotpants anzutreten, ist einfach lächerlich. Absolut verantwortungslos für einen Menschen in dieser Position."

Auch andere Spielerinnen ärgerten sich über die Aussagen des Fifa-Präsidenten. "Zuerst kommt Technik und taktisches Verständnis und dann das Aussehen", sagt die Trainerin der Damenmannschaft des FC Fulham, Marianne Spacey, "vor zehn Jahren haben wir in engeren Hosen gespielt und es hat niemanden interessiert." Die norwegische Nationalspielerin Solveig Gulbrandsen fügte hinzu: "Wenn ich in einem Bikini Sport machen wollte, würde ich Beachvolleyball spielen."

"Eine Schande"


In der Fifa-Zentrale schickte man sich am Freitag an, die Wogen zu glätten. "Das Blatter-Interview ist falsch übersetzt worden", sagte Sprecher Andreas Herren. Blatter habe nur die Wichtigkeit hervorgehoben, andere Sponsoren als im Männerfußball anzusprechen, so Herren. Dazu gehörten insbesondere die Mode- und Kosmetikindustrie.

Als Entschuldigung will die Vorsitzende des britischen Frauensportverbands, Helen Donohue, dies jedoch nicht gelten lassen: "Dieser Kommentar des mächtigsten Mannes im Fußball ist herabsetzend und eine Schande. In der Vergangenheit hat er immer damit geworben, die Zukunft sei weiblich, und sich für den Damenfußball eingesetzt. Hoffentlich schämt er sich jetzt in Grund und Boden."



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