Heller Wahnsinn Fifa sagt WM-Eröffnungsgala ab

Schwere Schlappe für das Image Deutschlands: Die geplante Eröffnungsgala der Fußball-WM 2006 fällt aus. Die Fifa begründete den Schritt mit Rasenproblemen im Berliner Olympiastadion. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE zeigte sich der Rasenverleger überrascht.


Berlin - "Aufgrund einer erneuten eingehenden Analyse für die erfolgreiche Verlegung eines neuen Rasens nach der Durchführung der für den 7. Juni 2006 im Berliner Olympiastadion geplanten Gala der Fifa WM 2006 kam die Fifa zum Schluss, die Veranstaltung abzusagen" heißt es etwas umständlich auf der Homepage des Fußball-Weltverbandes.

WM-Künstler Heller (r., mit OK-Chef Beckenbauer): Bei der Fifa durchgefallen?
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WM-Künstler Heller (r., mit OK-Chef Beckenbauer): Bei der Fifa durchgefallen?

Es habe sich gezeigt, "dass ein termingerechter Abbau der aufwendigen Bühnen und Veranstaltungstechnik sowie ein darauf folgender Einbau eines neuen Rasens, der ab 12. Juni in perfekter Spielqualität zur Verfügung stehen müsste, nicht ohne erhebliche Risiken möglich ist", so die Fifa weiter. Am 13. Juni treffen in Berlin Brasilien und Kroatien aufeinander.

Bei der niederländischen Firma Hendriks Graszoden, die den Rasen im Olympiastadion verlegen sollte, reagierte man überrascht. "Mich wundert die Absage, ich wurde von der Fifa nicht informiert", sagte Firmenchef John Hendriks SPIEGEL ONLINE. "Für mich wäre es kein Problem gewesen, den Rasen rechtzeitig zu verlegen. Wenn wir morgens um fünf Uhr anfangen, ist der Platz abends um zehn Uhr fertig", so Hendriks, "und deshalb frage ich mich: Warum sagen sie die Gala ab?"

Fedor Radmann, der Kulturbeauftragte des WM-OK, hat die Absage der WM-Eröffnungsgala bedauert. "Ich bin sehr traurig. Ich bin tief überzeugt davon, dass diese Veranstaltung die spannendste und Aufsehen erregendste nach dem Krieg in Deutschland geworden wäre", sagte Radmann.

Derweil bietet sich München als Ersatzort für die Gala an. Die bayerische Landeshauptstadt sei "selbstverständlich bereit", entweder durch eine Ausweitung der Münchner Eröffnungsfeier oder durch ein gesondertes Fest im Olympiastadion behilflich zu sein, erklärte Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD). In München beginnt die WM am 9. Juni mit der Partie Deutschland gegen Costa Rica.

Die Show in Berlin am 7. Juni unter der künstlerischen Leitung des Österreichers Andre Heller sollte der festliche Auftakt zur WM sein. Mit dem geplanten Spektakel mit Peter Gabriel, Brian Eno und Tausenden von Freiwilligen sollte erstmals eine Gala und nicht ein Spiel eine Weltmeisterschaft eröffnen.

Daraus wird nun nichts. Wie die "Berliner Zeitung" (Wochenendausgabe) unter Berufung auf den Weltfußballverband Fifa berichtet, sind nicht nur die Rasenprobleme an der Absage schuld. Die für rund 25 Millionen Euro geplante Veranstaltung sei immer teurer geworden. Zudem habe Heller die Fifa-Verantwortlichen bei einer Präsentation gestern nicht von seinem Konzept überzeugen können und der Kartenverkauf für die Gala lief schleppend. Die Tickets hatten zwischen 100 und 750 Euro kosten sollen.

Noch im November war die Show in Berlin groß präsentiert worden. Heller wartete dabei mit weltweit klingenden Namen auf: Neben 132 Fußball-Weltmeistern, unter ihnen Sportlegenden wie Diego Maradona und Pelé, sollten auch die amerikanische Starsopranistin Jessye Norman, die HipHop-Band Black Eyed Peas und der Sänger Cheb Kahled aus Algerien auftreten. Die Regie sollte der französische Choreograf Philippe Decouflé übernehmen.

"Mit grosser Traurigkeit verabschiede ich mich von der so spannenden Arbeit an der Gala der Fifa WM 2006", erklärte Heller auf der Fifa-Homepage. Er könne sich aber dem Argument, dass die Weltmeisterschaftsspiele im Olympiastadion Berlin, inklusive Endspiel, unter absolut perfekten Bedingungen abgewickelt werden müssten, "nicht entziehen. Künstlerische Überlegungen, noch so gelungener Natur, müssen in diesem Fall zurückstehen. Jetzt werde ich mich mit aller Kraft den Planungen für die Eröffnungsfeier in München und der Schlussfeier in Berlin widmen", so Heller weiter.

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