Hertha BSC Ali Daei der neue "Held von Berlin"

Mit seinen zwei Treffern erledigte der iranische Torjäger die mit Weltstars gespickte Auswahl des FC Chelsea fast im Alleingang. Doch nach seinem grandiosen Auftritt blieb der Mann mit dem Schnauz bescheiden wie eh und je.


Überflieger Ali Daei: "Sensationelle Sprungkraft"
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Überflieger Ali Daei: "Sensationelle Sprungkraft"

Berlin - Erst sandte er Stoßgebete zu Allah, dann avancierte Ali Daei mit seinen zwei Toren zum Helden des Berliner Abends in der Champions League. "Ein guter Tag für mich, wenn vielleicht auch nicht der größte in meinem Leben", blieb der Iraner nach seiner großen Fußball-Show beim 2:1 (1:0) gegen den FC Chelsea London im Olympiastadion auf dem (Perser-)Teppich. Keine Spur von Euphorie, auch als die über 50.000 im weiten Rund "Ali, Ali" skandierten und Manager Dieter Hoeneß den Kopf des Torjägers anerkennend in beide Hände nahm.

Mit seinem Blitztor in der 3. Minute hatte das "Kopfball-Ungeheuer" den Herthanern gegen die mit schier übermächtig großen Namen gespickte Elf aus England Selbstvertrauen gegeben. Und sein "Billardstoß" 20 Minuten vor dem Ende brachte die drei Punkte und 1,2 Millionen Mark Siegprämie für die Berliner unter Dach und Fach. Daran änderte auch Frank Leboeufs verwandelter Foulelfmeter in der 86. Minute nichts mehr.

Auch die britische Presse sah am Mittwoch den Iraner als absoluten Matchmaker. "Die Blauen fallen an der Berliner Mauer. Tödlicher Daei zerstört schlampiges Chelsea mit klinischem Doppelschlag", titelte "The Express". Und der "Daily Star" schrieb: "Daei killt die Blauen". Hart ins Gericht mit den Chelsea-Verteidigern ging "The Sun". "Bleifüßige Schwergewichte zweimal von Ali Daei erwischt", hieß es in dem Boulevardblatt.

Noch im Vorjahr waren solche Schlagzeilen für den Asiaten in den Diensten des FC Bayern undenkbar, und auch in Berlin kannte der 5,3 Millionen Mark teure Mann nicht nur Bewunderer. "Ich hatte anfangs Probleme mit ihm, weil er sich nur auf die Offensive orientierte. Aber er hat gelernt, und diesmal oft auch im Strafraum ausgeholfen", lobte Coach Jürgen Röber den Mann des Tages. "Er ist ein Typ, der macht fünf Minuten Pause und kann dann explodieren", so Röber, der sich vor allem über die "sensationelle Sprungkraft" des 1,88 m großen Stürmers freute. Auch Michael Preetz, der in der 34. Minute eine Flanke des Iraners nicht verwerten konnte, strahlte: "Es ist super für die gesamte Mannschaft, dass wir einen Mann haben, der solche Tore macht."

In Deutschland ist der Knoten des einstigen Welttorjägers, der in 61 Partien mit der Auswahl seines Landes 49 Treffer erzielte, erst in der Hauptstadt geplatzt. Während er in den 13 Champions-League-Spielen der Bayern nur fünfmal eingewechselt wurde und ganze 94 Minuten - erfolglos - kickte, hatte er sich vor seiner Glanzpartie schon durch Kopfball-Treffer in der Qualifikation gegen Famagusta und zum Bundesliga-Auftakt gegen den FC Hansa ausgezeichnet. Welch wertvollen Mann er an die Berliner abgetreten hat, ist sich Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld bewusst. "Ich freue mich für Hertha. Wir haben sie ja auch mit einem guten Stürmer versorgt", sandte er Glückwünsche aus Glasgow.

Unter Alis Teamgefährten grassierte nach dem kaum erwarteten Triumph die Zuversicht. Jungstar Sebastian Deisler möchte nun auch dem AC Mailand in einer Woche "einen Punkt klauen, vielleicht auch mehr". Und Preetz ist überzeugt, dass jeder Gegner im Olympiastadion besiegt werden kann. Aber Manager Dieter Hoeneß relativierte die Tabellenführung: "Mit vier Punkten wird man am Ende Letzter." Und Röber warnte: "Vor Milan steht das Match in Unterhaching an. Das ist jetzt das Maß alle Dinge. Nur über die Bundesliga können wir uns wieder für einen internationalen Wettbewerb qualifizieren".



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