Hertha-Manager Preetz Das Prinzip Hoffnung

Hertha BSC hat Trainer Luhukay nach nur zwei Spielen in der Rückrunde entlassen. Der Zeitpunkt ist unglücklich, aber er passt zum ungeduldigen Manager Michael Preetz. Nun hat Hertha den zehnten Trainer in fünf Jahren - aber immer noch keinen Plan.

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Von Fritz Zimmermann


Es ist noch gar nicht so lange her, da spielte Hertha BSC regelmäßig im Europapokal. Das letzte Mal vor fünf Jahren. Er war die erste Saison unter dem neuen Manager Michael Preetz. Mittlerweile ist Hertha Vorletzter in der Bundesliga und taumelt in Richtung Abstieg. Am Donnerstag haben die Berliner deshalb ihren Trainer Jos Luhukay entlassen. Es war der neunte Trainer der Berliner, seit Michael Preetz im Amt ist.

In den vergangen fünfeinhalb Jahren hat Preetz als Verantwortlicher für den sportlichen Bereich den Europapokalteilnehmer zu einer Fahrstuhlmannschaft verformt. Als er im Sommer 2009 bei der Hertha antrat, hatte die Mannschaft unter Trainer Lucien Favre die Saison gerade auf dem vierten Platz beendet. Nach einem schwachen Saisonstart feuerte Neu-Manager Preetz den Trainer noch im Herbst. Doch während Favre inzwischen erfolgreich bei Mönchengladbach arbeitet, war die Entlassung für Hertha der Beginn eines atemberaubenden Niedergangs.

Die Berliner sind seitdem zwei Mal abgestiegen. Und stiegen zwei Mal wieder auf. Die Trainer hießen: Funkel, Babbel, Skibbe und Rehhagel. Zählt man die Interimstrainer Heine, Widmayer und Tretschok dazu, ist der neue Chefcoach Pál Dárdai nach Jos Luhukay der zehnte Trainer, der unter Preetz arbeitet.

Wie ist dieser Absturz zu erklären?

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Von Favre bis Luhukay: Hertha-Trainer unter Manager Preetz
Unter der hohen Fluktuation auf der Trainerbank leidet auch die Transferpolitik. Zwar verpflichtete Preetz wichtige Spieler wie Adrian Ramos und Per Skjelbred und schaffte es, Pierre-Michel Lasogga für zehn Millionen Euro an den HSV zu verkaufen. Genauso verantwortete er aber eine Reihe missglückter Verpflichtungen wie Rob Friend, Andreas Ottl oder aktuell Johnny Heitinga. Vor allem aber gab es keine durchgängige Transferphilosophie. Häufig wirkte es, als würde Preetz sich einfach nach dem jeweiligen Trainer richten. Für Babbel sollte er mit Ottl, Lell und Kraft das Bayern-Gen nach Berlin holen. Unter Luhukay kamen insgesamt sechs ehemalige Spieler des Trainers aus dessen früheren Vereinen. Natürlich benötigt jeder Trainer Spieler, denen er vertraut. Zum Problem wird das allerdings, wenn man die Trainer so oft wechselt wie Preetz.

In einem Interview mit dem "Tagesspiegel" sagte Preetz in der Winterpause: "Wir haben jetzt 2014 hinter uns gelassen, nicht zuletzt durch den Jahreswechsel". Ein banaler, ein leerer Satz. Der doch viel sagt über Preetz. Denn der Manager entscheidet nicht, er hofft. Er hofft, dass durch den Jahreswechsel alles besser wird. Er hofft, dass neue Trainer bessere Ergebnisse bringen. Er hofft, dass die Spieler einschlagen, die ein neuer Trainer mitbringt. Doch er hat es nicht geschafft, für den Verein eine Richtung vorzugeben. Eine Idee zu entwickeln, wie die Mannschaft spielen soll. Und nach dieser Idee den entsprechenden Trainer auszuwählen. Mainz arbeitet mit einem bestimmten Trainertyp, in Augsburg setzt das Management auf mutige Transfers, der SC Freiburg steht für seine Jugendarbeit. Die wenigsten könnten aber sagen, wofür Hertha BSC steht.

In jedem anderen Verein wäre eine solche Misere wie die der Hertha wohl ein Grund, den Manager zu entlassen. Nicht so in Berlin. Hier hat Hertha-Präsident Werner Gegenbauer sein Schicksal an das von Preetz geknüpft. Nach dem zweiten Abstieg 2012 sagte Gegenbauer auf einer Mitglieder-Versammlung: "Wer Preetz nicht will, braucht mir seine Stimme nicht zu geben." Gegenbauer war es, der im Sommer 2009 den bis dahin allmächtigen Dieter Hoeneß aus dem Amt drängte und Preetz als neuen Manager installierte. Und bis heute offenbar bedingungslos hinter ihm steht.

Natürlich hatte Preetz mit den beiden Aufstiegen auch Erfolge. Doch bei beiden Aufstiegen verfügte Hertha über den mit Abstand größten Etat der Liga. Die Aufstiege waren notwendig, denn für die teuren Kader verschuldeten sich die Berliner. In der zweiten Liga hätten sie auf Dauer nicht überlebt. Deswegen sollte sich Hertha nach dem letzten Aufstieg in der Bundesliga etablieren. Unter Luhukay gelang mit dem Klassenerhalt 2014 ein erster Schritt.

Doch die beiden Niederlagen zum Rückrundenstart führten nun zur Entlassung von Luhukay. Sie war wohl unausweichlich, denn schon vergangenes Jahr spielte die Mannschaft erfolglos. Doch anstatt die Vorbereitung auf die Rückrunde mit einem neuen Trainer anzugehen, vollzieht Preetz den Wechsel jetzt, nach zwei Spielen mitten in einer englischen Woche. Die Hertha-Ikone Pál Dárdai, nebenher Nationaltrainer von Ungarn, soll die Mannschaft "bis auf weiteres" führen, teilte der Verein am Donnerstag mit. Es wirkt nicht so, als sei der Wechsel gut vorbereitet. Oder als folge er einem Plan. Es wirkt, als herrsche Panik bei der Hertha. Und das Prinzip Hoffnung.

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durza 05.02.2015
1. Also herr zimmermann
"Zwar verpflichtete Preetz wichtige Spieler wie Adrian Ramos und Per Skjelbred und schaffte es, Pierre-Michel Lasogga für zehn Millionen Euro an den HSV zu verkaufen", ich weiss ja dass er nicht viel spielt aber adrian ramos ist mitlerweile beim bvb. zum thema: preez muss einfach weg, das peter prinzip, dass in einer Hierarchie [...] jeder Beschäftigte dazu [neigt], bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteige hat herr preez schon lange erreicht.
spon-user93 05.02.2015
2. Preetz
Preetz schafft es irgendwie von sich abzulenken. Nach dem Spiel gestern rief das ganze Stadion "Luhukay raus". Nur auf einem kleiner Doppelhalter in der Ostkurve stand Preetz raus.
retterdernation 05.02.2015
3. Es lohnt sich nicht...
darüber weiter zu diskutieren! Jedem Fan in Berlin ist klar, dass die Hertha weg vom Fenster ist! Das man trotz aller Verletzungsmieseren im Mittelfeld, keine Verstärkung holte (der Vorstand gab zuvor grünes Licht) ist bis zum Saisonende nicht mehr gut zu machen. Jeder Vollpfosten in der Kurve wusste es - nur der Holländer und Schlaftablette Preetz nicht! So - dann gehts wieder in die 2. Liga - hmmm - da haben wir ständig gewonnen - viel entspannter als jetzt!
experte1305 05.02.2015
4. Preetz!
Die Inkarnation der Losers, Blenders, des Misserfolges! Wo Pretz ist , ist hinten!! Schlecht und inkompetent sind immer nur die anderen! Ein Wendehals, der es auch diesmal wieder schafft, von seiner völligen Überforde- rung abzulenken! Übertroffen nur von dem Obersalber Dieter Hoeness!!!!!
quastip 05.02.2015
5. So hart wie #nn...
...würde ich es nicht formulieren. Aber die Herren Gegenbauer und Preetz sollten "ihrem" Verein wenigstens einmal dienen und zurück treten. Der eine ist als Präsident eine Katastrophe und hat null Plan. Der andere war noch nie ein Fußball"manager", der lernt doch immer noch und versucht durch ne alberne Brille intelligent rüberzukommen. Doch auch er, wie in dem Artikel ganz richtig beschrieben, seit Jahren ohne Plan. Ganz ehrlich, angesichts dieser "Führung" schaut man manchmal wehmütig nach Köpenick.
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