Relegation Berlin vs. Düsseldorf: Des Königs letzter Kampf

Von Nils Lehnebach

Hertha-Coach Rehhagel hat als Trainer fast alles erreicht, jetzt kämpft "König Otto" mit Berlin um den Klassenerhalt. Es ist seine letzte Trainerstation, ein Abstieg im Duell mit Düsseldorf würde seinen Ruf ramponieren.

AFP

Hamburg - Otto Rehhagel war in Hochform. Der Hertha-Trainer schwadronierte wie in besten Zeiten. Erst gönnte er sich einen Spaß auf Kosten von Vereinssprecher Peter Bohmbach, hielt dann fest, dass "das ganze Gequatsche doch nichts bringt", wichtig sei was "auf'm Platz" passiert und deutete schließlich an, dass er seine Mannschaft nicht großartig verändern werde. "Never change a winning team" halt, wobei das "bei mir ja nicht immer Bestand hat".

Auf der Pressekonferenz vor dem Relegations-Hinspiel am Donnerstag gegen Fortuna Düsseldorf (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) machte Rehhagel das, was er immer macht, wenn sein Team in der Bredouille steckt: ablenken, Probleme kleinreden, gute Stimmung verbreiten.

Reichen wird das kaum. Der 73-Jährige dürfte wissen, wie ernst die Situation ist, dass er bei seiner vermutlich letzten Trainerstation nur noch das Schlimmste verhindern kann.

Als Rehhagel Mitte Februar in Berlin vorgestellt wurde, dachten einige an einen vorgezogenen Aprilscherz. Der Club meinte es ernst. Schlimmer als unter Vorgänger Michael Skibbe, der alle fünf Spiele verlor, konnte es ja auch nicht werden. Viel besser wurde es allerdings auch nicht.

Spieler Meier und Trainer Rehhagel wurden gemeinsam Meister

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Bundesliga-Relegation: Hertha gegen Fortuna
Berlin war auf Rang 15 als Rehhagel übernahm, zwei Punkte vor dem Relegationsplatz. Zwölf Spiele, sieben Niederlagen und nur drei Siege später hat die Mannschaft mit letzter Kraft den direkten Abstieg verhindert und nur dank eines 3:1-Heimsieges gegen Hoffenheim überhaupt noch die Relegation erreicht.

Rehhagel hat in seiner langen Trainerzeit schon deutlich erfolgreichere Stationen gehabt. Er wurde dreimal Deutscher Meister, nach dem Pokalsieg mit Bremen 1994 gar zum "König Otto" gekürt. 2004 hatte er mit Griechenland den EM-Titel gewonnen und so eigentlich gar keinen Grund, nach zwei Jahren ohne Job in Berlin anzuheuern.

Rehhagel hatte eigentlich überall mehr Erfolg als bei der Hertha, auch während seiner Zeit beim aktuellen Gegner Düsseldorf. Dort feierte Rehhagel einst seinen ersten Titel, wurde 1980 Pokalsieger. Auch zu Fortuna-Trainer Norbert Meier gibt es eine Verbindung. Neun Jahre spielte Meier in Bremen unter Rehhagel, zusammen holten sie 1988 den Titel.

"Wir sind zusammen aufgestiegen und Meister geworden. Ich war auf seiner Hochzeit und habe ihm das Du angeboten - wir haben also ein sehr gutes Verhältnis", sagte Rehhagel. "Wir haben damals mehr Zeit miteinander verbracht als mit unseren Familien", sagt Meier. Das Trainerduell wollte Düsseldorfs Coach nicht überbewerten: "Jetzt sprechen einige von Norbert Meier gegen Otto Rehhagel. Aber keiner von uns steht auf dem Platz."

Auch Düsseldorf verspielte eine bessere Platzierung

Der 53-jährige Meier setzte vor dem Spiel auf weniger Show als sein Gegenüber. Ihm scheint die Rolle als vermeintlicher Außenseiter zu liegen, vielleicht ist ihm nach der verhältnismäßig schwachen Rückrunde seiner Mannschaft auch nicht nach großen Sprüchen zumute. Denn während für Berlin gilt, dass man in der Relegation antreten darf, ist es für Düsseldorf eher ein Müssen.

Lange war die Fortuna auf direktem Aufstiegskurs. Erst am 19. Spieltag kassierte die Mannschaft die erste Saisonniederlage, hatte davor eine Serie von neun Siegen aus elf Partien und war neun Spieltage auf dem ersten Tabellenplatz. Doch nach der Winterpause startete der Club mit nur drei Punkten aus vier Partien, es folgten Pleiten gegen Rostock und Dresden.

Meier wartet in seiner Trainerkarriere noch auf einen wirklichen Erfolg. Zwar stieg er 2009 mit der Fortuna in die zweite Liga auf, bei dem guten Kader war dies allerdings zu erwarten. So ist sein Name bisher vor allem noch mit einer unschönen Szene verbunden: Im Dezember 2005, damals noch in Duisburg tätig, gab er dem Köln-Spieler Albert Streit einen Kopfstoß und ließ sich anschließend fallen. Zwei Tage später wurde er entlassen, der DFB sperrte ihn für drei Monate. Nach einem Aufstieg würde darüber wohl kaum jemand mehr reden.

Die voraussichtlichen Aufstellungen
Berlin:
Kraft - Lell, Janker, Hubnik, Holland - Niemeyer, Kobiashvili - Ebert, Raffael, Ben-Hatira - Ramos
Düsseldorf: Ratajczak - Levels, Lukimya, Langeneke, van den Bergh - Bodzek, Fink, Bröker, Lambertz, Beister - Rösler
Schiedsrichter: Fritz

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insgesamt 28 Beiträge
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1. Spannung
Solschenizyn 10.05.2012
Hier in Düsseldorf kann man die Spannung wirklich langsam fühlen. Ich werde nie zum Fortuna Fan, aber ein bisschen angesteckt hat man mich schon. Ich hoffe, Rehhagels letzte Trainerstation endet mit einer Pleite. Zur Favoriteneinschätzung: http://ziegenhodensuppe.wordpress.com/2012/05/10/relegation-hertha-bsc-fortuna-dusseldorf/
2. Blödsinn
CancunMM 10.05.2012
Der Ruf wird doch daurch nicht ramponiert. Was er erreicht hat, kann ihn niemand mehr nehmen. Und wenn er es schafft ist es ein Wunder, schafft er es nicht konnte man der Hertha einfach nicht mehr helfen.
3. Fortuna!!!
meinungsforscher 10.05.2012
Bitte: man darf mit einer solchen Leistung, die von den Berlinern in den letzten Wochen gezeigt wurde, nicht in der 1. Liga bleiben. So leid wie es mir für die Hauptstadt tut: Düsseldorf gehört meine Sympathie!
4. Presto
rudolf_mendt 10.05.2012
Der 20 Jahre jüngere Norbert Meier bietet dem 20 Jahre älterem Otto Rehhagel das "Du" an. Sauber!
5.
meinsenf1 10.05.2012
Ich würde Rehhagel ja gern einen sauberen Abschluss gönnen, aber die Hertha war einfach zu schlecht. Ich denke Düsseldorf hätte es verdient. Außerdem wäre es schon schön, die selbstverliebten Kölner so richtig zu ärgern :-P
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Hertha BSC: Die alte deutsche Dame
Die bisherigen Relegationsspiele zur Bundesliga
Jahr Erstligist Zweitligist Ergebnis
1982 Bayer Leverkusen Kickers Offenbach 1:0/2:1
1983 FC Schalke 04 Bayer Uerdingen 1:3/1:1
1984 Eintracht Frankfurt MSV Duisburg 5:0/1:1
1985 Arminia Bielefeld 1. FC Saarbrücken 0:2/1:1
1986 Borussia Dortmund Fortuna Köln 0:2/3:1/8:0
1987 FC Homburg FC St. Pauli 3:1/1:2
1988 SV Waldhof Mannheim Darmstadt 98 2:3/2:1/5:4 i.E. (0:0)
1989 Eintracht Frankfurt 1. FC Saarbrücken 2:0/1:2
1990 VfL Bochum 1. FC Saarbrücken 1:0/1:1
1991 FC St. Pauli Stuttgarter Kickers 1:1/1:1/1:3
2009 Energie Cottbus 1. FC Nürnberg 0:3/0:2
2010 1. FC Nürnberg FC Augsburg 1:0/2:0
2011 Bor. Mönchengladbach VfL Bochum 1:0/1:1
2012 Hertha BSC Fortuna Düsseldorf 1:2/2:2
2013 1899 Hoffenheim 1. FC Kaiserslautern 3:1/2:1

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