Pyrotechnik und Bannereinzug Deshalb prügelten sich Hertha-Ultras und Polizisten in Dortmund

In Dortmund begann das Spiel gegen Hertha BSC mit Pyrotechnik der Gästefans. Wenige Minuten später schritt die Polizei ein, es kam zu einer massiven Schlägerei. Fehler sind auf beiden Seiten zu finden.

DPA

Beim Bundesligaspiel zwischen Borussia Dortmund und Hertha BSC ist es zu Ausschreitungen im Block der Gästefans gekommen. Dabei lieferten sich Anhänger der Berliner, mutmaßlich Vertreter der Ultra-Gruppierung "Hauptstadtmafia", und Vertreter der Polizei massive Auseinandersetzungen. Die Polizei spricht von 45 Verletzten, darunter 35 wegen des Einsatzes von Pfefferspray.

Das Spiel, das 2:2 ausging, wurde mit etwas Verspätung angepfiffen, da im Hertha-Block Pyrotechnik gezündet wurde und die Sicht nach Ansicht von Schiedsrichter Sascha Stegemann beeinträchtigt war. Die Polizei ist daraufhin in den Fanblock gegangen. Dabei haben die vergangenen Jahre gezeigt, dass Pyrotechnik allein kein Grund für ein Einschreiten ist, auch wenn Pyrotechnik in deutschen Stadien verboten ist und die Berliner mit einer Strafe von Seiten des Deutschen Fußball-Bundes rechnen müssen.

Beobachter im Dortmunder Stadion berichteten dem SPIEGEL allerdings, dass die Hertha-Ultras auch nach Anpfiff weitere Bengalos zündeten und damit auch andere Personen beworfen haben sollen. Zudem sollen die Fans ein breites Banner ("Ultras bis zum Schluss - 15 Jahre Haupstadtmafia") genutzt haben, um sich darunter zu verstecken bzw. sich zu vermummen.

Das könnte dann der Grund dafür gewesen sein, dass sich eine Hundertschaft der Polizei vor dem Block postierte und das Banner abnahm. Ein solches Vorgehen der Polizei wird von Ultras in der Regel als Angriff gewertet - zumindest müssen die Beamten gewusst haben, dass darauf eine Reaktion folgen würde.

So sprangen dann auch einige Berliner Anhänger den Ordnungskräften entgegen und es entstand eine Schlägerei, die kurzzeitig zu eskalieren drohte. Die Polizei setzte Tränengas und Schlagstöcke ein, die Herthaner wehrten sich mutmaßlich mit Befestigungsstangen aus dem Fanblock. In sozialen Medien existieren Aufnahmen, die ein aggressives Verhalten der Berliner untermauern. Es dauerte einige Minuten, ehe sich die Situation wieder beruhigte.

Aus Protest stellten die Hertha-Ultras in der Folge die Unterstützung für ihre Mannschaft ein. Auf der Südtribüne im BVB-Block kam es zu Solidaritätsbekundungen, viele Dortmunder Ultras stellten ihren Support ebenfalls ein. Hertha BSC reagierte mittlerweile mit einer Stellungnahme via Twitter, dort verurteilt der Klub die eigenen Fans, aber auch das Verhalten der Polizei.

Auch die Polizei veröffentlichte mittlerweile eine Stellungnahme. Demnach sollen die Auseinandersetzungen in der zweiten Hälfte unter der Tribüne fortgesetzt worden sein, vermummte Fans sollen die Beamten mit "zerstörter Sanitärkeramik, abgetretenen Toilettentüren und abgebrochenen Fahnenstangen" erneut angegriffen haben.

krä

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elisenstein 27.10.2018
1. Fehler auf beiden Seiten?
diese Chaoten, oder besser Vollidioten gefährden bewusst Gesundheit und Leben Anderer. Meiner Meinung nach müsste grundsätzlich in solchen Fällen von der Polizei eingegriffen werden. Vorschlag: antreten zum Steine klopfen, bis feiner Sand daraus wird. Dann können die sich mal so richtig austoben.
Phil2302 27.10.2018
2. Gewaltmonopol liegt beim Staat?
Wohl nicht im Stadion. Anders kann ich mir solche Sätze a la "Ein solches Vorgehen der Polizei wird von Ultras in der Regel als Angriff gewertet - zumindest müssen die Beamten gewusst haben, dass darauf eine Reaktion folgen würde" nicht erklären. Schade, dass Recht und Ordnung dort nicht viel zählt. Vielleicht sind ja trotzdem einige lebenslange Stadionverbote drin.
kas075 27.10.2018
3. Warum Pyrotechnik
Wer bitte braucht Pyros? Wer ohne diesen Blödsinn keinen Spaß am Stadionbesuch hat, soll zuhause bleiben. Und diejenigen, die den den Kram mitbringen und zünden, müssen das dann für längere Zeit verordnet bekommen. Es ist ekelhaft, wie Spieler und Vereinsfunktionäre vor dieser Parallelgesellschaft zu Kreuze kriechen!
ge1234 27.10.2018
4. Geht`s noch?
"...dass die Hertha-Ultras auch nach Anpfiff weitere Bengalos zündeten und damit auch andere Personen beworfen haben sollen" und "Die Polizei ist daraufhin in den Fanblock gegangen. Dabei haben die vergangenen Jahre gezeigt, dass Pyrotechnik allein kein Grund für ein Einschreiten ist, auch wenn Pyrotechnik in deutschen Stadien verboten ist.... " sowie " Ein solches Vorgehen der Polizei wird von Ultras in der Regel als Angriff gewertet - zumindest müssen die Beamten gewusst haben, dass darauf eine Reaktion folgen würde"! Seid Ihr noch ganz sauber? Da gibt es nichts zu relativieren, Bengalos erreichen Temperaturen von über 2000 Grad, wenn damit Menschen beworfen werden, so ist das zumindest versuchte schwere Körperverletzung, da muss die Polizei eingreifen! Skandalös, wenn seitens der SPON-Redaktion offensichtlich versucht wird, unterschwellig der Polizei die Verantwortung für diese unsäglichen Ausschreitungen in die Schuhe schieben will!
kas075 27.10.2018
5. Warum Pyrotechnik
Wer bitte braucht Pyros? Wer ohne diesen Blödsinn keinen Spaß am Stadionbesuch hat, soll zuhause bleiben. Und diejenigen, die den den Kram mitbringen und zünden, müssen das dann für längere Zeit verordnet bekommen. Es ist ekelhaft, wie Spieler und Vereinsfunktionäre vor dieser Parallelgesellschaft zu Kreuze kriechen!
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